Solider Haushalt – Zur finanziellen Lage der ELKB und ihrer Gemeinden

Eindrücke von der Herbsttagung der bayerischen Landessynode in Regensburg vom 23. – 27. November 2014

Von Hans-Joachim Vieweger

Steigende Kirchensteuereinnahmen, steigende Versorgungslasten

Die Synode hat den Haushaltsplan für das kommende Jahr 2015 mit einem Volumen von rund 856 Millionen Euro beschlossen. Die Kirchensteuereinnahmen werden mit rund 682 Millionen Euro angesetzt, und damit deutlich realitätsnäher als in früheren Jahren, in denen oft sehr vorsichtig gerechnet wurde (was zwar den Vorteil hatte, dass im Nachhinein noch viel Geld zu verteilen war, was aber eigentlich nicht dem Gebot der Haushalts-Wahrheit entsprach und zu einem unguten Rennen um die „überplanmäßigen Mehreinnahmen“ führte).

Die größte Veränderung bei den Ausgaben betrifft die Versorgungsaufwendungen, die von rund 120 Millionen Euro im Jahr 2014 auf mehr als 185 Millionen Euro im Jahr 2015 klettern. Hintergrund sind neue (und genauere) Berechnungen der erwarteten Verpflichtungen für die Pensionen der Pfarrer sowie anderer Kirchenbeamter. Negativ wirken sich hier u.a. die niedrigen Zinsen aus, denn je niedriger die Zinsen desto mehr Geld muss aktuell angelegt werden, um künftig genug Mittel zur Verfügung zu haben. Angesichts dieser Entwicklung hat die Synode auch einen „Gemischten Ausschuss“ beschlossen, der Vorschläge erarbeiten soll, wie den wahrscheinlich weiter steigenden Versorgungslasten begegnet werden kann. (Die Bezeichnung „Gemischter Ausschuss“ kommt daher, dass sowohl Vertreter des Landeskirchenrats als auch der Synode in ihm mitwirken.)

Finanzen der Kirchengemeinden

In einer Pressemitteilung der Landeskirche hieß es, den Gemeinden und Dekanatsbezirken flössen im kommenden Jahr „gut 149 Millionen Euro unmittelbar zu, über die sie in eigener Verantwortung entscheiden“ könnten. Schön wär’s. Doch in diesem Betrag sind zahlreiche Gelder enthalten, über die die Gemeinden eben nicht eigenverantwortlich entscheiden können, beispielsweise Gelder für die Kirchengemeindeämter und Verwaltungsstellen oder die Investitionsmittel für gemeindliche Bauten – Gelder, die selbstverständlich wichtig sind, aber den Gemeinden eben nicht für das Tagesgeschäft zur Verfügung stehen. Im „Innerkirchlichen Finanzausgleich“, mit dem die so genannten Schlüsselzuweisungen verteilt werden, sind tatsächlich rund 87 Millionen Euro enthalten – immerhin ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Ansatz für 2014. Der prozentuale Anteil der Gelder für die Gemeinden sinkt erneut, was allerdings in diesem Jahr vor allem mit dem höheren Ansatz für die erwarteten Kirchensteuereinnahmen zusammenhängt. Für die Zukunft ist m.E. zu prüfen, ob nicht ein fester Prozentsatz der Kirchensteuereinnahmen den Gemeinden zufließen sollte.

Hans-Joachim Vieweger ist Mitglieder Landessynode der ELKB und Mitglied des Finanzausschusses der Synode.

 

Geißler fordert Kirche zum Kampf gegen Finanzkapitalismus auf

Worms (epd). Der CDU-Sozialpolitiker Heiner Geißler hat die Kirchen dazu aufgerufen, energischer gegen die Auswüchse der neoliberalen Finanzwirtschaft zu Felde ziehen. Statt deutlicher Worte zu den herrschenden Missständen lese er immer häufiger kirchliche Texte, die wie von Betriebswirtschaftlern verfasst klingen würden, sagte er am Dienstag beim 73. Deutschen Pfarrertag in Worms. Selbst Diakonie und Caritas betrachteten notleidende Patienten mittlerweile als «Kostenfaktor».

Statt von den Idealen der biblischen Nächstenliebe werde die Gesellschaft heute von Geld, Gier und Geiz dominiert, sagte der katholische CDU-Politiker, der vom deutschen Pfarrerverband als Hauptredner zu dem Pfarrertag eingeladen worden war: «Jeder sorgt für sich selber – das ist die moderne heidnische Parole, das Gegenteil von dem, was das Evangelium sagt.» Auch die Kirche sei mittlerweile mit diesem «Virus infiziert».

Lesen den ganzen Artikel: http://www.pfarrerverband.de/pfarrertag/index.html

Lesen Sie hierzu einen Kommentar von Friedhelm Schneider: http://wort-meldungen.de/?p=8494

Erosion auf fast allen Ebenen – Die neue Mitgliedschaftsuntersuchung der EKD

Zur neuen Mitgliedschaftsuntersuchung der EKD

FAZ vom 09.03.2014  ·  Die neue Mitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche zeichnet ein düsteres Bild. Von den jüngsten Mitgliedern hält sich nur jeder zweite für religiös erzogen. Zwei von fünf denken an Austritt. / Von Reinhard Bingener

Nach wie vor gilt: „Es dominiert die Face-to-face-Kommunikation. Ebenso wird die Kirche nicht als Großorganisation, Landeskirche oder Dekanat wahrgenommen, sondern als Ortsgemeinde, vertreten vor allem und mit überragender Bedeutung durch ihre Pfarrer und wahrgenommen insbesondere bei den sogenannten Kasualien wie Taufe, Trauung und Bestattung. Auch schon in losem Kontakt mit einem Pastor zu stehen, kommt statistisch beinahe einem Garantieschein gleich, dass die betreffende Person in der Kirche bleibt und ihre Kinder taufen lässt.“

Lesen Sie hier den ganzen Artikel Mitgliederuntersuchung der EKD: Erosion auf fast allen Ebenen – Inland – FAZ.

Ein düsteres Bild entsteht vor allem für die, die in der Vergangenheit und auch jetzt beratungsresistent nach Konsequenzen und Reformen schreien. Der Artikel von Reinhard Bingerer enthält m.E. eine klare Ansage an den innerkirchlichen Reformbetrieb: Hört endlich auf! (meint der Webmaster Johannes Taig)

 

EKiR aus den Fugen

Die Landessynode der EKiR scheut ernsthafte Korrekturen und verschärft den Bürokratieaufbau

Von Hans-Jürgen Volk

Es passt wenig zusammen in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Auf ihrer Landessynode in Bad Neuenahr, die vom 16.-22.01. 2014 tagte, präsentierte sich die zweitgrößte deutsche Landeskirche als mental wie strategisch aus den Fugen geraten. Die Widersprüche werden deutlich, wenn man den Präsesbericht von Manfred Rekowski und den Finanzbericht der Kirchenleitung, vorgetragen von dem Finanzdezernenten Bernd Baucks, nebeneinander legt. Mit am problematischsten ist die Diskrepanz zwischen der Stimmungslage der Synode, die Rekowski z.B. während der Abschlusspressekonferenz verbalisiert und dem Frust, der sich bei der Mitarbeiterschaft, in den Kirchenkreisen und den Gemeinden angestaut hat. Nimmt man nicht wahr, wie unbarmherzig provozierend diese zur Schau getragene Zufriedenheit mit dem eigenen Leitungshandeln auf die von Sparmaßnahmen betroffenen Beschäftigten wirken muss?

Die Rede von Rekowski wäre ein großer Wurf, der theologisch fundiert Perspektiven aufzeigt, hätte die EKiR tatsächlich einen massiven Einbruch ihrer Einnahmen zu beklagen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: bei 617,3 Mio. € liegt das Nettokirchensteueraufkommen voraussichtlich 2013 (Finanzbericht S. 15). Dies ist nominal das beste Ergebnis seit 20 Jahren!

(… ) Am Mitteleinsatz erkennt man die Strategie. Auf eine einfache Formel gebracht kann man die strategische Ausrichtung der EKiR wie folgt beschreiben.

  1. Die Mittel für die Arbeit mit Menschen werden reduziert.
  2. Dagegen weitet sich der Mitteleinsatz für Verwaltung aus.
  3. Deutlich mehr Mittel als bisher sollen der Kapitalbildung zur Absicherung zukünftiger Versorgungs- und Beihilfeansprüche zugeführt werden (bisher schon knapp ¼ des Netto-Kirchensteueraufkommens).

(…) Nach Hilden 2013 und Bad Neuenahr 2014 geht ein „weiter so“ tatsächlich nicht mehr. Wenn einen die Erkenntnis umtreibt, dass die eigene Kirche auf einem falschen Weg ist, kann man nicht dauerhaft mitgehen. Diese Erkenntnis teilen viele Presbyterinnen und Presbyter, Pfarrerinnen und Pfarrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie engagierte Gemeindeglieder, die immer wieder dem Druck ausgesetzt waren und sind, Vorgaben umzusetzen, die die kirchliche Arbeit im eigenen Umfeld schädigen und eine Verschlechterung für die eigene Situation bedeuten. Der drastische Sparkurs wird diese Dynamik verschärfen – vor allem dann, wenn keine Korrekturen bei misslungen Reformprojekten stattfinden. Nötig ist ein entschlossenes, konstruktives Innehalten. Der Weg der EKiR seit 2005/6 muss überprüft und eine neue Richtung gefunden werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass von dem rheinischen System der „kollegialen Leitung“ auf der Ebene der Landeskirche, also von ständigen Ausschüssen, Kollegium und Kirchenleitung keine Kurskorrektur zu erwarten ist. Es geht um einen Aufbruch von unten – für eine Kirche, die an ihrem Auftrag und an den Menschen orientiert ist und in der Geld wieder eine dienende Funktion einnimmt.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel: http://www.zwischenrufe-diskussion.de/pages/ekir/ekir-aus-den-fugen.php

Hans-Jürgen Volk betreibt die Webseite „Zwischenrufe“: http://www.zwischenrufe-diskussion.de/pages/willkommen.php

 

 

Rätsel – Erkenntnisgewinne – Aufklärung

Eine Zwischenbilanz zum kirchlichen Impulsprozess »Kirche der Freiheit«

Friedhelm Schneider  zieht ein Fazit und gibt einen ­Ausblick: Die eigentlichen Probleme  scheinen nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft zu liegen.

Der Prozess »Kirche der Freiheit« 2006 setzte ein mit »Krisenalarmismus«. »Auslöser für die als erforderlich angesehenen Reformen … (stellen) eindeutig die finanziellen Engpässe dar«.  Die Argumentation ist notorisch: »Auf eine einfache Formel gebracht  lautet die Zukunftsperspektive: Die evangelische Kirche wird im Jahr  2030 ein Drittel weniger Mitglieder als 2002 haben und nur noch über die  Hälfte ihrer Finanzkraft verfügen.« Dieses Schema taufte  man in der EKiR von offizieller Seite sehr erhellend und treffend  »einfache Formel«. Ein terminus technicus, den wir gerne aufgreifen und  zur allgemeinen Verwendung empfehlen.

Seit 30 Jahren  Finanzkrise? So viel ist klar: das Thema stand im Raum und ab 2006  herrschte Alarm. Sicher ist zunächst nur, dass durch litaneiartige  Wiederholung bis in die jüngste Zeit die »einfache Formel«  die kirchlichen Denkkategorien so geprägt hat, dass sie mittlerweile  tief im kollektiven kirchlichen (Unter-)Bewusstsein verankert ist. Aber  deckt sich das mit der Realität? Die offizielle EKD-Statistik der  Netto-Kirchensteuer weist im Zeitraum ab 1985, in dem mit der »einfachen  Formel« gearbeitet wird, eine Steigung der nominalen – also in den  Haushaltsplänen stehenden – Werte von ca. 2,9 Mrd. € (1985) auf ca. 4,77  Mrd. € (2012), also +64%, aus. Gemäß den Prognosen von  1985 müsste anteilmäßig ein Minus von 35% eingetreten sein. Die  Differenz zwischen der Prognose und der Realität beträgt also innerhalb  von knapp 30 Jahren 100%.

Die  Einnahmen stiegen, die Ausgaben für Personal wurden ab 2000 deutlich  heruntergefahren: Stellen gestrichen, die Löhne über Jahre hin  eingefroren, das Weihnachtsgeld gestrichen, die Durchstufungen nach A 14  zeitlich gestreckt, div. Kosten (nicht nur beim Thema Wohnen) auf die  PfarrerInnen abgewälzt.

Die Einnahmen stiegen, die  Überzeugungskraft des Alarms sank und die Argumentation wurde  modifiziert. Seit einigen Jahren gelten nicht mehr die Nominalwerte,  sondern die inflationsbereinigten »Real«werte als Problem.  EKD-Vizepräsident Winterhoff z.B. argumentiert global: »Seit 1994  Kirchsteueraufkommen 9% Zunahme, Kaufkraftverlust in der gleichen Zeit  30%«. Hier werden nicht Zahlen und ausgewählter  Betrachtungszeitraum selbst überprüft. Auch das wäre interessant.  Entscheidend ist eine andere Frage: Welche Bedeutung hat der  Kaufkraftverlust des statistischen Warenkorbes des  Otto-Normalverbrauchers für die EKD? Dieser Warenkorb und nichts anderes  steht nämlich hinter der Inflationsberechnung und damit der  Realwertstatistik. Was bedeutet es also für die EKD, wenn die Kosten für  Karotten, Kaffee, für PKW, die Urlaubsreise o.ä. steigen? Es ist ja  nicht zu bestreiten, dass Realwerte bei differenzierter Anwendung einen  dann differenzierten Informationsgehalt liefern. Kirche hängt von  fremden Leistungen etwa von Energie ab. Allerdings mit einem geringen,  nicht relevanten Haushaushaltsanteil von 3-4%. Hingegen werden ca. 75%  der Ausgaben im eigenen Haus erbracht, sind also keine Fremdleistungen.  Diese Ausgaben z.B. für Personal wurden aber über einen langen Zeitraum  hin gar nicht erhöht (s.o.) und führen damit zum Realgewinn für den  Arbeitgeber.

(…) Erste  Erkenntnis: Das Papier »Kirche der Freiheit« hat keine Reform  angestoßen, sondern einen grundlegenden Umbauprozess initiiert.

Reformen sind auf Kontinuität bedacht und wollen den Traditionsabbruch vermeiden.  Ursprünglich war dies von einem Teil der Reformbewegung beabsichtigt.  Auch heute wird Kontinuität noch verbal beteuert und beschworen,  insbesondere von Seiten der Umbauaktivisten. De facto wurde ein  realwirtschaftlicher Managementansatz durch einen Aktionärsansatz  abgelöst. Im Zentrum steht dann nicht mehr der Mensch, sondern das  Kapital. Der Übergang von der Reform zum Umbau wurde exemplarisch am  Beispiel des Funktionswandels der Doppik im Prozess verdeutlicht. Die  ursprünglichen Ziele von Transparenz, Partizipation, Nachhaltigkeit  wichen dem (vorwiegenden) Ziel des Finanzmittelentzugs bei der Basis,  also bei der Arbeit am Menschen.

(…) Die  theologische Fundamentierung in Gott, im Glauben, wird durch eine  Dogmatik ersetzt, die auf nicht belastbaren Finanzprognosen, Interesse  geleiteten Rechenalgorithmen und fraktalen Märkten aufbaut.

(…) Was  müsste noch passieren? Wie soll es weiter gehen? Angesichts der  deprimierenden Resultate der Umbauprozesse in den Kirchen, die Erfahrung  mit der Implementation haben, ist ein Moratorium zwingend. Die Kirche  muss stehen bleiben, inne halten. Nur eine schonungslose, offene und  transparente Bestandsaufnahme des aktuellen Status in den Kirchen mit  Implementationshintergrund kann Schlimmeres, kann einen  Selbstzerstörungsprozess verhindern. Ist die Kirche dazu (…) in der Lage? Oder hat man sich schon  verrannt, gilt nur das »Augen-zu-und-durch«? Das ist selten eine gute  Lösung und bringt selten Besserung. Im Gegenteil: dann droht ernsthafte  Gefahr. Denn das ist der Weg, der nur noch tiefer in die Wüste führt.  Und dem beschworenen Exodus könnte der Exitus folgen.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel im Deutschen Pfarrerblatt Nr. 1/2014:
http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt//index.php?a=show&id=3532

Friedhelm Schneider betreibt den Blog „Wortmeldungen.de“
http://wort-meldungen.de/

Nachschlag: Herbstsynode der ELKB lehnt höhere Zuweisungen an Gemeinden ab

Aus dem Bericht der nordostoberfränkischen Synodalen von der Herbstsynode 2013 in Ingolstadt – oder: Wie groß ist die Lobby der Kirchengemeinden in der Synode der ELKB?

„Für das Jahr 2012 weist der kirchliche Haushalt ein Defizit von ca. 250 Millionen Euro auf, was hauptsächlich auf die Rückstellungen für die Pfarrerpensionsfonds zurück zu führen ist. Damit bleibt nicht viel Spielraum trotz der Steuermehreinnahmen, die wir 2012 erreichen: Die gute Konjunktur beschert auch unserer Landeskirche sprudelnde Steuereinnahmen. Das ermöglicht im kommenden Jahr nicht nur höhere Ausgaben (plus 5,5 %), sondern auch den Aufbau weiterer Rücklagen (z.B. für Pensionsverpflichtungen). Allerdings entwickeln sich die einzelnen Haushaltsposten sehr unterschiedlich: Während die Ausgaben für Leitung und Verwaltung um gut 10 % steigen, legen die Personal- und Sachausgaben für Kirchengemeinden und Dekanatsbezirke lediglich um 3,36 % zu. Nimmt man nur die Ausgaben in den Blick, die direkt auf die Konten der Gemeinden fließen, liegt das Plus bei gerade mal 0,66 %.

All das hat zur Folge, dass der Anteil des sog. „Innerkirchlichen Finanzausgleichs“ an den Kirchensteuereinnahmen, der den Gemeinden direkt zufließt, auf nur noch 24 % fällt. Unser Arbeitskreis „Gemeinde unterwegs“ versuchte, dem mit einem Antrag zur Aufstockung der Mittel um ca. 2 ½ Millionen Euro zu begegnen (24,5% statt 24%), scheiterte aber mit 36 zu 52 Stimmen (bei 5 Enthaltungen). Die Synodenmehrheit scheute sich gleichwohl nicht, weitere Stellen im landesweiten (überparochialen) Dienst zu genehmigen, obwohl auch damit Folgekosten von vielen Hunderttausend Euro verbunden sind. Einstimmig wurde ein Antrag zur besseren Ausstattung der kirchenmusikalischen Verbände im Jahr 2014 verabschiedet.

Immerhin war es möglich, mehr Geld für Verwaltungsstunden (Büro, Mehrarbeit, zusätzli-ches, befristetes Personal) bei der Landeskirche im Falle von Vakanzen abzurufen. Dies geht in dieselbe Richtung, wie mein Antrag aus dem Jahr 2012, die Kosten, die Vakanzen sparen, den Gemeinden wieder zur Verfügung zu stellen. Es besteht zumindest Hoffnung für die kommende Synode, dass die Arbeit, die wir in unserem letztjährigen Antrag zur Besserstellung kleiner Kirchengemeinden gesteckt haben, nicht umsonst war. Mit den Zahlen des Jahresabschlusses von 2013 werden wir nochmals den Finger in die Wunde legen, um auf die gestiegenen Fixkosten in den Gemeinden, wie Personal, Energie und EZVK Umlage zu reagieren.“ (Dr. Ulrich Hornfeck, Naila)

Lesen Sie hier den ganzen Bericht: http://www.dekanat-hof.de/download/2013herbstsynode.pdf

 

EKiR: Manchmal muss es eben Mumm sein!

In einer Videobotschaft und in einem offenen Brief kündigt der Präses der Ev. Kirche im Rheinland Einsparungen von 35% auf landeskirchlicher Ebene bis zum Jahr 2018 an. Der Offenheit, mit der er die Sparmaßnahmen ankündigt, darf man durchaus Respekt zollen. Dennoch ist es jetzt an der Zeit, dass sich unsere Kirchengemeinden wieder mehr auf ihr presbyterial-synodales Prinzip rückbesinnen und sich von übergeordneten Institutionen emanzipieren.

Botschaft

Ein Kassensturz, so Präses Rekowski, habe ergeben, dass die finanzielle Situation auf landeskirchlicher Ebene dramatischer sei, als noch vor wenigen Monaten angenommen. Ursprünglich sollten 15% des Haushaltes bis zum Jahre 2023 eingespart werden, nun ist man zur Erkenntnis gekommen, dass es 35% bis zum Jahre 2018 sein müssen. Begründet wird dieser Einschnitt u.a. mit dem einleitenden Hinweis, dass die Mitgliederzahlen seit Jahrzehnten sinken und damit die Kirche weniger Kirchensteuer einnehmen würde. Diese Behauptung hat in den letzten Jahren schon zu teilweise drastischen Sparmaßnahmen in einzelnen Gemeinden geführt: Pfarrstellen- und Angestelltenabbau, (unfreiwillige) Fusionen, Veräußerung von Gebäuden etc. U.a. wurden auch strukturelle Veränderungen mit vorgeblich finanziellen Einbußen begründet und durchgesetzt. Diese Entwicklung wird nun weiter forciert.

Fakten

Der Brandbrief unseres Präses Rekowski beginnt mit dem Satz: “Wie können wir auch in Zukunft unsere Leitvorstellung ‘missionarisch Volkskirche sein’ verwirklichen, wenn unsere Mitgliederzahl seit 1970 um fast ein Drittel gesunken ist und weiter kontinuierlich sinkt und unsere Finanzkraft nicht zuletzt dadurch nachhaltig geringer wird?” Es ist bedenklich, dass das Damoklesschwert der zurückgehenden Mitgliederzahlen immer wieder gleichgesetzt wird mit geringeren Kirchensteuereinnahmen. Denn das ist schlichtweg falsch! Das Gegenteil ist der Fall: 1970 lagen die Mitgliedszahlen bei knapp 3,9 Millionen, das Kirchensteueraufkommen betrug umgerechnet etwa 200 Mio €. 1990 verzeichnete die EKiR 3,3 Millionen Mitglieder bei einem Kirchensteueraufkommen von 580 Mio € und im Jahre 2013 werden wir uns voraussichtlich über knapp 600 Mio € Kirchensteuereinnahmen freuen können bei 2,74 Millionen eingetragenen Schäfchen. Dass diese Tatsache – vorsichtig formuliert: – umgedeutet wird, lässt darauf schließen, dass man andere Gründe für die prekäre finanzielle Situation entweder zu vertuschen oder zumindest in den Hintergrund zu drängen versucht. So entsprechen laut Notiz des Internetbeauftragten der EKiR, Peter Reimann, die 35% einem Einsparvolumen von 20 Mio €. Das ist zufällig genau die Summe, die durch dubiose Geschäfte des kircheneigenen Unternehmens bbz GmbH, des Beihilfe- und Bezüge-Zentrums mit Sitz in Bad Dürkheim, veruntreut wurde.

Auch andere überdimensionale Kostenfaktoren sind auf unsachgemäße, ja dilettantische Projektplanung und -umsetzung des Landeskirchenamtes zurückzuführen. Nehmen wir z.B. den Wechsel des Buchungssystems auf das Neue Kirchliche Finanzwesen (NKF): 2011 bestätigte die Landessynode, anstatt der bisher verwendeten kameralistischen die doppische Buchführung einzuführen. Damit sollten die Kirchengemeinden und nicht zuletzt das LKA selbst ihre eigenen finanziellen Belange unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten realistischer abbilden und so zukunftsorientierter planen können. Leider erwies sich die Umstellung in der Kürze der vorgegebenen Zeit und vom Arbeits- und Technikaufwand her als Überforderung der zur Verfügung stehenden Kräfte und Ausstattung, so dass auf landeskirchlicher Ebene Know-How und Manpower teuer eingekauft werden musste, um die gesteckten Ziele wenigstens ansatzweise zu erreichen. Auch hier wurden Millionenbeträge zum Fenster rausgeworfen, u.a. deshalb, weil die vorgesehenen Budgets nicht eingehalten werden konnten (allein für das LKA erhöhte sich der finanzielle Bedarf laut Finanzbericht 2012 auf fast das Doppelte der veranschlagten 2 auf 3,8 Mio € – die Gesamtkosten übersteigen inzwischen das 10fache dieses Betrags!). Als weiterer Kostentreiber ist die Verwaltungsstrukturreform anzusehen, die im Januar 2013 in einem Gesetz verabschiedet wurde und den Kirchenkreisen vorschreibt, wie sie ihre Personalplanung zu gestalten haben. 15 Vollzeitstellen sind – unabhängig von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten – einzurichten. Und: “Zur Sicherung von Vertretung und zur Gewährleistung der notwendigen Fachlichkeit bestimmt die Kirchenleitung eine Mindestpersonalausstattung für die Aufgabenbereiche Personalwesen, Finanzwesen, Bau- und Liegenschaften, IT-Angelegenheiten, Leitung sowie Organisation und Controlling durch Rechtsverordnung gemäß § 27.” Was nichts anderes bedeutet, als dass Kirchenkreise, um dieser Vorgabe zu entsprechen, entweder Personal kostenintensiv aufstocken oder aber fusionieren müssen, da sich eine spürbare positive finanzielle Auswirkung einer solchen Verwaltungseinheit erst bei etwa 100.000 Kirchengliedern einstellt.

Analyse

Neben all den kritischen finanziellen Aspekten, die mir seit einigen Jahren Sorgen bereiten, schwant mir ein weit größeres Ungemach in unserer Evangelischen Kirche im Rheinland. Anscheinend ist man dabei, das Wesen unserer Kirche zu verändern! Bauchschmerzen bereitet mir deshalb ein Nebensatz im Brandbrief Rekowskis, der sich jedoch nahtlos in die Entwicklung der letzten Jahre einfügt. Im Schreiben heißt es: ”Am 28. September findet eine ‘Zukunftswerkstatt’ statt: Neben der Kirchenleitung wird der Ausschuss für Aufgabenkritik, die Vorsitzenden der Ständigen Ausschüsse sowie aus jedem Ausschuss je drei weitere Mitglieder darüber beraten, wie die Evangelische Kirche im Rheinland im Jahr 2030 aussehen soll. Hiervon versprechen wir uns wichtige Impulse für die weiteren Beratungen.” Kirche im Jahr 2030 – das rekuriert auf das noch von Bischof Huber initiierte Impulspapier der EKD “Kirche der Freiheit”, das im Jahre 2006 als Diskussionsgrundlage in die Gemeinden ging. Das darin entwickelte Modell von Kirche mit religiösen Eventzentren und der weitgehenden Aufgabe parochialer Strukturen, also der Ortsgemeinden mit ihren Pfarrern und Kirchen, ist Ausgeburt eines Denkens, das sich eher an unternehmerischen und wirtschaftlichen Prämissen orientiert als an den Leib Christi, der Kirche doch sein soll! Überhaupt vermisse ich in all diesen Diskussionen die theologische Grundlegung und Ausrichtung der anzugehenden Projekte und Umstrukturierungsmaßnahmen. Anstatt auf Gottes Wort zu hören und zu vertrauen, anstatt in den Gemeinden vor Ort nach Lösungsansätzen zu suchen und den Erfahrungen der Pfarrer, Presbyterien und haupt- und ehrenamtlich Tätigen zu lauschen, setzt man lieber auf externe Beratungsfirmen und Marketingstrategen, die unsere Evangelische Kirche im Rheinland wie ein seelenloses Wirtschaftsunternehmen behandeln, das mal ordentlich saniert werden muss. Wenn jedoch das Monetäre als unser Kapital ins Zentrum rückt und nicht der Mensch, dann verfehlen wir nicht nur den Auftrag Jesu, sondern pervertieren unsere Kirche zu einem Tempel, in dem sich alles nur noch um das Goldene Kalb “Wirtschaftlichkeit” dreht. Die schlechten Erfahrungen, die wir die letzten Jahre damit gemacht haben, müssten doch nun langsam zu der Erkenntnis führen, dass – Gott sei Dank! – die Evangelische Kirche im Rheinland kein Wirtschaftsunternehmen ist, dass unsere Pfarrer keine Manager, dass unsere Presbyter keine Abteilungsleiter und unsere Verwaltungsangestellten keine IT-Spezialisten sind – und dass unser Evangelium kein Konsumprodukt ist, dass nur professionell vermarktet werden muss. Wir sind Kirche Jesu Christi und das heißt vor allem, dass wir für die Menschen aus christlicher Liebe heraus Lebensbegleiter sein sollen. Und ich kenne keinen Mitarbeitenden vor Ort, der sich nicht zuerst als Christ und erst viel später als jemand sieht, der hier nur seinen Job macht. Und diesen Unterschied zur Gesellschaft muss sich unsere Kirche in allen Belangen bewahren!

Konsequenzen

1. Die von Präses Rekowski angedeutete Transparenz darf sich nicht nur in Worten, sondern muss sich auch in Taten zeigen. Dazu gehört auch, dass solche Hiobsbotschaften wie die geplante Einsparung von 35% nicht kurz vor den Sommerferien veröffentlicht werden, sondern zu einem Zeitpunkt, zu dem Gemeinden und Kirchenkreise noch die Möglichkeit haben, darauf angemessen zu reagieren!
2. Unsere Synodalen müssen gegenüber der Kirchenleitung mehr Selbstbewusstsein entwickeln und nicht nur Beschlussvorlagen abnicken, weil es inzwischen spät am Abend ist und der Zug nach Hause nicht wartet! (Ich weiß, dass ich an dieser Stelle manchem Abgeordneten Unrecht tue, gehe aber dieses Risiko um des deutlichen Wortes willen ein.)
3. Unsere Kirchengemeinden müssen sich davon frei machen, den Vorgaben der Landeskirche auf Schritt und Tritt Folge zu leisten. Die Presbyterien sind zu aller erst und nur Jesus Christus gegenüber und seiner Gemeinde vor Ort verpflichtet. Ihr Wohl und Gedeihen stehen im Vordergrund. Wenn man der Meinung ist, dass eine landeskirchliche Entscheidung der Verkündigung und Seelsorge vor Ort und der Entwicklung der Gemeinde schadet, dann reicht es nicht zu protestieren, sondern dann ist in der Tat Widerstand gefragt!
4. Kompetenzen dürfen nicht weiter “nach oben” verlagert werden, sondern müssen wieder dorthin, wo sie hingehören: in die Presbyterien und in die Gemeinden vor Ort.
5. Wir alle müssen uns fragen, an welcher Stelle wir zu distanziert, zu desinteressiert, zu lau, zu schläfrig und zu beschäftigt waren, so dass wir eine Entwicklung verpasst haben, die dazu führt, dass unsere Evangelische Kirche im Rheinland ihr presbyterial-synodales Profil zunehmend verliert.

Zu all dem braucht es Gottvertrauen und Mut – ich hoffe, wir Rheinländer bringen ihn auf. Einer meiner Professoren hatte einmal gesagt: Wie ist der Begriff “Pneuma” (Geist) am besten zu übersetzen? Mit Mumm! Der Heilige Geist verleiht Mut! Und manchmal muss es – um Jesu Christi und seiner Kirche Willen – eben Mumm sein.

Neues Steuerungsmodell und Doppik in der Praxis

Fragen und Probleme rund um kirchliche Reformprozesse (X)
Von Jörg Bogumil

Im  Jahr 2005 hat die EKD die »Doppik« als neues System der Verwaltung in  den Landeskirchen empfohlen. In etlichen Landeskirchen ist dies bereits  eingeführt oder steht zur Umsetzung an. Der Bund erachtet indessen einen  »erheblichen finanziellen und organisatorischen Mehraufwand« als  Nachteil der Doppik. Bis eine umfassende Bilanz der EKD zur Einführung  der Doppik in den Landeskirchen vorliegt, mögen empirische Studien aus  dem Kommunal- und Staatssektor wie diejenigen von Jörg Bogumil für eine  aktuelle Einschätzung dienen.

Am umfassendsten wurde die kommunale Doppik in  Rheinland-Pfalz vom Landesrechnungshof in Kooperation mit dem Institut  für Gesetzesfolgenabschätzung der Universität Speyer in seinem aktuellen  Bericht untersucht. Im Fazit heißt es dort für die geprüften und  detailliert befragten Kommunen:

»Mit der Umstellung des  Rechnungswesens, die landesweit einen Einführungsaufwand von  hochgerechnet mindestens 140 Mio. Euro verursacht hat und einen  zusätzlichen Personalaufwand von überschlägig 14 Mio. Euro im Jahr  erfordert, sind bisher keine geldwerten Steuerungsvorteile verbunden.  Die Mehrzahl der Gemeinden und Gemeindeverbände hat die doppischen  Steuerungsinstrumente (Ziele, Leistungsmengen, Kennzahlen, Kosten- und  Leistungsrechnung sowie Berichtswesen) noch nicht eingeführt. Soweit sie  zum Einsatz kommen, ist ihre Ausgestaltung für eine Steuerung  weitgehend ungeeignet« (Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz 2011, S. 4).

Auch zum Thema Transparenz kommt der Landesrechnungshof Rheinland-Pfalz zu ganz ähnlichen Ergebnisse wie wir für NRW:

»Durch  die Umsetzung des Haushaltsrechts werden die Haushaltspläne im  Vergleich zur Kameralistik vielfach deutlich umfangreicher. Dadurch sind  Transparenz und Steuerungsnutzen der Pläne empfindlich beeinträchtigt«(vgl. ebd.).

Möglicherweise  profitieren mittlerweile die Dezernenten und Amtsleiter von den neuen  doppischen Haushaltsplänen (wenngleich auch hier Zweifel bestehen, denn  längere Berichte sind keine besseren Berichte), die Kommunalpolitiker  aber sicher nicht. In unserer Umfrage in NRW hatten fast 80% der  Fraktionsvorsitzenden und 85% der Bürgermeister die Doppik als  intransparenter angesehen. Vielfach verstehen nicht einmal die  Haushaltsexperten der Fraktionen die neuen Pläne und sehnen sich nach  den alten Unterabschnitten zurück.

Bis zum empirischen Beweis des  Gegenteils ist deshalb davon auszugehen, dass die Transparenz und die  Effizienz der Doppik, genauso wie die des Neuen Steuerungsmodells zuvor,  zumindest fraglich sind. Dass durch eine bessere Informationsversorgung  quasi automatisch bessere politische Entscheidungen getroffen werden,  ist darüber hinaus sowieso ein Mythos von Teilen der  betriebswirtschaftlichen Verwaltungswissenschaft, auf den schon seit  langem hingewiesen wurde (vgl. zusammenfassend Bogumil 2011).  Entsprechend zeigen nicht nur unsere Ergebnisse aus NRW sondern auch die  Umfrage der KGSt und der kommunalen Spitzenverbände, dass die  ergebnisorientierte Steuerung nur »schleppend voranschreitet«, obwohl  einige Kommunen die Doppik bereits mehrere Jahre nutzen (Buchholz/Lazar  2010, S. 298).

Insgesamt ist mir bisher kein einziger extern  evaluierter »Erfolgsfall« der Doppik in Deutschland bekannt. Politische  Entscheidungsträger wie auch solche quasi-öffentlicher Einrichtungen wie  der Kirchen tun also gut daran, wenn sie die Doppik mit  outputorientierter Budgetierung nicht automatisch einführen, sondern  zunächst die Kosten dieser Reform prüfen und in kleinen Modellprojekten  erproben.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel: http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt//index.php?a=show&id=3383
Deutsches Pfarrerblatt, Heft 5/2013, S. 284 ff.

Mehr zum Thema Kirchenfinanzen in Bayern finden Sie unter: http://www.aufbruch-gemeinde.de/themen/kirchenfinanzen.htm

image_pdfimage_print