Kirche profilieren – worauf konzentrieren? Zum ELKB-Reformprogramm „Profil und Konzentration“ (PuK)

Bereits im Januar hat Prof. Dr. Werner Thiede im Korrespondenzblatt zum Reformprogramm PuK Stellung genommen. Lesen Sie hier die erweiterte Fassung. Sein Fazit lautet:

„Der Kirchentwicklungsprozess der ELKB unter der Überschrift „Profil und Konzentration“ ist nicht grundlos in Gang gekommen. Die Gründe sind allerdings unterschiedlicher Natur – sie reichen von statistisch verursachten Sorgen über organisatorischen Reformbedarf bis hin zu theologischen Richtungskämpfen und Profilierungsbemühungen. Das hier analysierte und kommentierte Papier ist denn auch nicht wirklich aus einem Guss. Es verarbeitet und verstärkt neuere Kirchenreformanstöße, berücksichtigt aber neueste Gegenreden im Blick auf solche Anstöße kaum. Die Aufforderungen zu geistlicher Vertiefung sind lobens- und begrüßenswert, lassen jedoch theologische Präzision – wie auch in anderen Zusammenhängen des Papiers – durchweg vermissen. Sollte das Absicht gewesen sein, um möglichst hohe Anschlussfähigkeit zu erzielen? Jedenfalls formuliert Corinna Hektor zufolge PuK „so offen, dass sich jeder raus-lesen kann, was er gern ausprobieren oder behalten möchte.“Solche Offenheit bedeutet für den PuK-Prozess aber auch eine Chance zur Selbstkorrektur. Sandra Zeidler meint, mit PuK werde „unsere Landeskirche nie zur Trendsetterin, zum neuen Gesicht der 2000-jährigen Werbekampagne, zum IT-Girl der Reformation. Das mag im Blick auf die bisherige Textfassung und Ausrichtung zutreffen. Doch die Geschichte geht weiter. Vielleicht diagnostiziert sich der Prozess mit der Zeit auf Grund von kritischen Rückmeldungen selber, dass er zu radikal und einseitig ausgegriffen hat? Andreas Kahnt, seines Zeichens Vorsitzender des Verbands evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland, hat vor noch nicht langer Zeit geseufzt: „Ein Ärgernis sind auch die ständigen Strukturveränderungen. Noch ehe eine Reform der Kirchenleitung umgesetzt ist, kommt schon die nächste. Pfarrer müssen die Veränderungen vor Ort umsetzen, und das belastet nicht selten.“ Wäre nicht auch dies im Blick auf PuK zu bedenken?

Geht es um notwendige Verbesserungen und um Kurskorrektur, so braucht es dafür wie einst im Reformationszeitalter eine tragfähige Basis, auf die geistlich und geschichtlich zu bauen ist. In diesem Sinn sollte sich das Großprojekt PuK auch neu und verstärkt auf die reformatorischen und biblischen Kernaussagen zum Kirchenverständnis zurückbesinnen – und sich dafür die erforderlichen Zeiträume nehmen. Denn Hektor hat Recht: „Auch die Frage, wieviel Einheit und wieviel Verschiedenheit diese Kirche braucht und aushält, wird sich nicht auf die Schnelle beantworten lassen.“ In diesem Sinne hat die Würzburger Dekanatssynode im Herbst 2017 ein Moratorium für PuK gefordert – mit der durchdachten, hier abschließend zu zitierenden Begründung: „Kirche braucht Gesicht, nicht Profil. Unsere Kirche lebt von überschaubaren und gemeinschaftsorientierten Kommunikationsformen. Diese verwirklichen sich vor allem in den Gemeinden von überschaubarer Größe, hier ist auch die Bedeutung intakter Landgemeinden hervorzuheben. Beinahe alle Menschen, die sich zur Kirche zugehörig fühlen und Mitglieder sind, wurden in den überschaubaren Zusammenhängen einer Kirchengemeinde oder des Religionsunterrichts von der Botschaft des Evangeliums berührt. Auch Menschen, die später in Bildungseinrichtungen, bei kirchlichen Initiativen oder Bewegungen mitarbeiten oder sich kirchlich beheimaten, haben in einer Kirchengemeinde ihr Christenleben begonnen. Nicht zu unterschätzen ist hier die Bedeutung der Kasualien. Generell wird in Frage gestellt, ob eine Kirchenreform von „oben nach unten“ unserem Selbstverständnis als Kirche der Reformation entspricht und deshalb möglich und wünschenswert ist.“

Lesen Sie hier den ganzen Aufsatz: http://www.aufbruch-gemeinde.de/download/PuKProfilundKonzentration2.pdf

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