„Ecclesia semper reformanda“ – Ein protestantisches Missverständnis

Von Dirk Acksteiner
Korrespondenzblatt Nr. 1/2017, S. 9 f.

„Wer heutzutage von einer ecclesia semper reformanda ausgeht, braucht sich eigentlich nicht wundern, wenn gerade die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Kirche früher oder später im Burnout landen. Das kirchliche Handeln wird oft von einer ziellosen Hektik geprägt: Die eine Reform ist noch nicht richtig auf den Weg gebracht, geschweige denn umgesetzt, da kommt schon die nächste. Obendrein sind wir gesellschaftlichen Veränderungsprozessen ausgesetzt, auf die wir keinen Einfluss haben. Zeitgeist und Heiliger Geist müssen mühsam auseinander gehalten werden. Wer unter diesen Bedingungen gut, gerne und wohlbehalten im Pfarramt leben und arbeiten will, sollte zuerst einmal abwarten lernen. Und ein gesundes Verhältnis zur grünen (in manchen Gegenden blauen) Tonne entwickeln. Und: Gottes Wort treiben, predigen und schreiben! Auch treues Beten ist hilfreich. Luther: »Die Kirchen erbauen heißt nicht neue Zeremonien einführen, wie meine Klüglinge glauben, sondern die Gewissen frei und gewiss machen durch den Glauben, damit sie ohne Furcht und Zweifel seien.«

Wir brauchen nicht dauernd miesepetrige Kritiker, die das Haar in der Kirchen-Suppe suchen. Warum können wir es nicht einfach mal gut sein lassen und zufrieden sein mit dem, was wir sind und haben; mit dem, was der Kirche in der Welt gelingt? Wir brauchen ein grundlegendes Vertrauen in die Kirche Jesu Christi (!), in die Kirchengemeinden und vieles, was dort von ehren-, neben- und hauptamtlich Mitarbeitenden geleistet wird. Begeisterung für Jesus Christus und persönliches Engagement – wie z.B. (im großen Stil) beim Apostel Paulus, bei Bernhard von Clairvaux oder Martin Luther – haben die Kirche noch immer weiter gebracht als alle abstrakten Planungen. Die Erhaltung und Stärkung überschaubarer Strukturen, die eine niederschwellige Face-To-Face-Kommunikation ermöglichen, war und ist dabei effizienter als die Anonymität einer abgehobenen Großorganisation. Auch wenn die Endzeit inzwischen 2000 Jahre dauert, bleibt die Kirche in dieser Welt ohnehin ein Provisorium. Als Mitarbeitende der Kirche freuen wir uns natürlich darüber, wenn es ein gut funktionierendes Provisorium ist.“

Lesen Sie hier den ganzen Artikel (Korrespondenzblatt Nr. 1/2017)

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