Gefahr der Unduldsamkeit – Kritik der EKD-Theologie

Zu einer Politisierung des Kirchenverständnisses führt die „Öffentliche Theologie“, die der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ebenso wie sein Vorgänger Wolfgang Huber vertritt. Diese These erläutert Johannes Fischer, der an der Theologischen Fakultät der Universität Zürich Ethik lehrte. Und er warnt vor der Vorstellung, auf ethische Fragen könnten Theologie und Kirche nur eine eindeutige Antwort geben.

„Lässt sich aus der Feststellung, dass die Kirche eine „Kirche für die Welt“ ist, die Schlussfolgerung ableiten, dass auch die Theologie ihren eigentlichen Adressaten in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit hat, der sie ethische Orientierung vermittelt? Und lässt sich dafür Bonhoeffer in den Zeugenstand rufen?

Seine Theologie richtete sich ja nicht an die Welt oder die gesellschaftliche Öffentlichkeit, sondern an die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden. Diese soll in Frontstellung gegen das Denken in zwei Räumen über die Wirklichkeit aufgeklärt werden, die Inhalt ihres Glaubens ist. Dass die Kirche eine Kirche für die Welt ist, ist ein Satz dieser kirchen- und glaubensbezogenen Theologie. Aber man wird ihr nicht gerecht, wenn man ihr nur diesen Satz entnimmt, um sie alsdann hinter sich zu lassen und auf diesen Satz das Konzept einer Öffentlichen Theologie zu gründen, die dezidiert weltbezogen ist und sich an die gesellschaftliche Öffentlichkeit wendet. Die Pointe von Bonhoeffers Kritik des Denkens in zwei Räumen zielt ja nicht darauf, die Welt zum Bezugspunkt und Adressaten von Kirche und Theologie zu machen. Bezugspunkt ist vielmehr die Wirklichkeit des menschgewordenen Gottes, in welche die Welt hineingenommen ist. Und diese Wirklichkeit muss die Theologie denkend durchdringen. Dieser Aufgabe gilt Bonhoeffers ganze theologische Leidenschaft. Sie entzündet sich eben nicht daran, dass die Welt der ethischen Orientierung bedarf, sondern dass Glaube und Kirche der geistlichen Orientierung bedürfen. Gewiss hat dies auch ethische und politische Implikationen. Aber sie sind nicht der letzte und eigentliche Zweck des theologischen Nachdenkens.

Gute und artikulationskräftige Theologie ist immer das Ergebnis der Auseinandersetzung mit der eigenen Gegenwart. Und ob man sich dabei Bonhoeffers Theologie in ihrem Denkstil und sprachlichen Duktus heute noch umstandslos zu eigen machen kann, muss jede Theologin, jeder Theologe für sich selbst herausfinden. Aber alle, die sich mit Theologie befassen, kommen nicht um die Frage herum: Ist die theologische Aufgabe in ihrem Kern eine Ethik für die Welt oder die geistliche Orientierung derer, die sich zur Kirche halten oder religiös auf der Suche sind?“

Lesen Sie hier den ganzen Artikel: http://www.zeitzeichen.net/religion-kirche/kritik-an-der-ekd-theologie/  (Zeitzeichen, Mai 2016, S. 43 ff.)

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