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	<title>Forum &#34;Aufbruch Gemeinde&#34;</title>
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	<description>Der Blog für Beiträge, Erlebnisse, Meinungen</description>
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		<title>Freies Forum Ortsgemeinde in der Nordkirche gegründet</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 16:26:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemeindebünde]]></category>
		<category><![CDATA[Reformprozesse]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 2. Februar 2012 hat sich in der Nordkirche ein &#8220;Freies Forum Ortsgemeinde&#8221; gegründet: www.freies-forum-ortsgemeinde.de. Wir gratulieren und wünschen Kraft, Durchhaltevermögen, ein dickes Fell und Gottes Segen für die weitere Arbeit! Zur Situation in der Nordkirche schreibt die Mitinitatorin Pastorin &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=356">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>
<p style="text-align: justify;">Am 2. Februar 2012 hat sich in der Nordkirche ein &#8220;Freies Forum Ortsgemeinde&#8221; gegründet: <a href="http://www.freies-forum-ortsgemeinde.de" target="_blank">www.freies-forum-ortsgemeinde.de</a>. Wir gratulieren und wünschen Kraft, Durchhaltevermögen, ein dickes Fell und Gottes Segen für die weitere Arbeit!</p>
</blockquote>
<p>Zur Situation in der Nordkirche schreibt die Mitinitatorin Pastorin Sabine Jeute im Deutschen Pfarrerblatt, Heft 4/2012, S.225 ff:</p>
<p style="text-align: justify;">Es  bleibt nach dem Beschluss zur Einrichtung von Kirchspielen die Sorge um  die Selbstständigkeit der Ortsgemeinde im Kirchenkreis Dithmarschen und  in der Landeskirche – nicht aber um ihre <em>Zukunftsfähigkeit</em>! Gerade eine Reformkirche braucht starke Ortsgemeinden als Basis ihres kirchlichen Lebens, denn <em>»Wesentliche Stufen der Biographie werden am Wohnort durchlebt. Hier ist die Kirche in Reichweite.«</em>  Sie kann weder auf ihre Vielfalt noch auf ihre Unvollkommenheit  verzichten. Die Kirche im Norden braucht selbstbewusste Kirchengemeinden  mit Mitgliedern, die gerne in ihrer Bibel lesen und mehr ausstrahlen  als angeleitete Profildarsteller<em>. </em>Darum lässt sich mit Isolde Karle folgern: <em>»Wird  die geistliche mit der gesellschaftlichen Kommunikation systematisch  verflochten, sind die Kirchengemeinden nicht länger das Problem für eine  Kirchenreform, sondern werden sie zum </em>Ausgangspunkt einer Belebung der Kirche.<em>«</em></p>
<p style="text-align: justify;">Die  nordelbischen Kirchengemeinden brauchen nach jahrelangen Reformen in  ihren Kirchenkreisen eine angemessene Würdigung und Stärkung statt  konzeptionelle Steuerung! Die Ortsgemeinde ist und bleibt der Ernstfall  des Glaubens. In ihrer Wohnwelt fragen die Menschen nach Sinn und Ziel.  Hier trauen sie sich, weil sie sich zu Hause fühlen. Für diese Menschen  brauchen wir Kirchengemeinden mit gewachsenen Strukturen, eben  Ortsgemeinden, die auch noch finanziell und selbstverantwortlich  gestalten können. Mögen wir noch so viel von kirchlichen Leuchttürmen  träumen, ich finde, die Kirchengemeinden in Dithmarschen und anderswo,  ob groß oder klein, brauchen ihr Licht nicht unter den Scheffel zu  stellen<em>.</em> Im Blick auf ihre vielfältige Existenz in der Kirche im  Norden sollte ein freies Forum für »Gemeinden im Aufwind« angedacht  werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Lesen Sie hier <a href="http://pfarrerverband.medio.de/pfarrerblatt/index.php?a=show&amp;id=3153" target="_blank">den ganzen Artikel &#8230; </a></p>
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		<title>Von den Sorgen um die Zukunft der Kirche</title>
		<link>http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=345</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Apr 2012 17:08:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ekklesiologie - Die Lehre von der Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindeentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Reformprozesse]]></category>
		<category><![CDATA[Ekklesiologie]]></category>

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		<description><![CDATA[Da zeigt sich, was Christ-sein heißt: Heute da sein. Da zeigt  sich aber auch, was Heide sein heißt: Auf Morgen fixiert sein.  <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=345">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">»Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage habe.«</p>
<div>
<p style="text-align: justify;">Von Christian Möller</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;">Der Umbau der norddeutschen Landeskirchen zur »Nordkirche« hat  manche in Sorge ­gestürzt, was diese Nordkirche bringen wird. Statt die  Sorgen großzuschreiben, sucht Christian Möller zunächst bei Kierkegaards  Analyse der Sorge Rat, um sodann die Zukunft der Kirche in der  Geistesgegenwart des Glaubens in den Blick zu nehmen.</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Im  Jahr 1848 veröffentlichte Sören Kierkegaard 28 »Christliche Reden«,  unterteilt in vier Hauptteile, die je 7 Reden enthalten. Der erste  Hauptteil ist überschrieben: »Die Sorgen der Heiden«. Was für Heiden?  Kierkegaard meint Menschen, die sich Christen nennen, sich aber  tatsächlich wie Heiden verhalten, weil sie verzweifelt um ihre Zukunft  besorgt sind und sich eben so verhalten, wie Jesus es in der Bergpredigt  zum Ausdruck bringt: »Nach solchem allem trachten die Heiden«. Heiden  sind also solche, die faktisch leben, als seien sie ohne Gott in der  Welt und ganz auf sich selbst gestellt. Das nennt Kierkegaard  »Heidentum«: So mit der Zukunft umgehen und sie planen, als gehöre sie  ihnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Heidentum bekommt den heutigen Tag gar nicht in den  Blick, weil es von der Sorge um den nächsten Tag, um das Morgen, um die  Zukunft beherrscht wird, als gebe es gar keinen Gott, der mir mit seiner  Ewigkeit den Rücken frei hält und für morgen sorgt. Nein, ich muss mir  selber Sorgen um die Zukunft <em>machen</em>, wie die deutsche Sprache  bezeichnenderweise diese Art von Sorgen nennt, während sie die Aufgaben,  die mir dieser Tag mit seiner Plage stellt, <em>Besorgungen</em> nennt.  Die täglichen Besorgungen erledige ich freilich nur hastig und mit  linker Hand, wenn mir eigentlich das Morgen und d.h. die Zukunft Sorgen  macht. Kierkegaard sagt es auf seine Weise so: »Wie der Christ beständig  vom »Heute« spricht, so der Heide beständig nur vom »Morgen«. Es macht  für den Heiden eigentlich gar nichts aus, wie das Heute ist, ob froh  oder düster, glücklich oder unglücklich; er kommt nicht dazu, den  heutigen Tag zu genießen oder überhaupt zu gebrauchen, denn er vermag  sich nicht von der unsichtbaren Inschrift an der Wand abzuwenden:  »morgen«. »Morgen werde ich vielleicht darben, auch wenn mir heute  nichts fehlt; morgen werden mir vielleicht Diebe meinen Reichtum stehlen  oder Verleumder meine Ehre, Kränklichkeit meine Schönheit, die Tücke  des Schicksals mein Glück – morgen, morgen.« &#8230;</p>
<p style="text-align: justify;">Da zeigt sich, was Christ-sein heißt: Heute da sein. Da zeigt  sich aber auch, was Heide sein heißt: Auf Morgen fixiert sein. Es  kommt auf die Einstellung an, die den Umgang des Heiden vom Umgang des  Christen mit der Zukunft unterscheidet. Die Einstellung des Heiden, der  ganz auf sich gestellt ist, führt unvermeidlich zu einem Berechnen der  Zukunft, woraus dann ebenso unvermeidlich die Sorge vor einer derart  geplanten Zukunft und eine Abwesenheit im Heute hervorgeht. Die  Einstellung des Christen erfolgt aus einer Umkehr, die zugleich Abkehr  von der Zukunft und Einkehr ins Heute mit sich bringt. Diese Umkehr ist  dem Menschen freilich nur im Glauben möglich, dass für ihn zukünftig  gesorgt ist, so dass er den Rücken frei hat und sich diesem Tag mit  seinen Besorgungen ganz und gar zuwenden kann. &#8230;</p>
<p style="text-align: justify;">In  Kierkegaards Rede von der »Sorge der Selbstquälerei« wird deutlich, wie  nicht nur ein einzelner Christ, sondern wie eine ganze Kirche mit Hilfe  von Zukunftsplanungen ins Heidentum zurückfallen kann und sich selbst  in tiefe, abgründige Sorgen um das Morgen verstrickt. Unsere  evangelische Kirche scheint mir eine zutiefst um sich selbst besorgte  Kirche geworden zu sein.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://pfarrerverband.medio.de/pfarrerblatt/index.php?a=show&amp;id=3150" target="_blank">Lesen Sie hier den ganzen Artikel &#8230;<br />
</a>(Deutsches Pfarrerblatt, Heft 4/2012, S. 211 ff.)</p>
</div>
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		<title>Synode durchbricht ihre eigene Systematik bei der Stellenplanung</title>
		<link>http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=333</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2012 15:36:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskussion um Aufbruch Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindebund Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindeentwicklung]]></category>

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		<description><![CDATA[„So gut wie alles für die Gemeinden“, so tönt und schreibt es auf allen Kanälen – auch bei der gerade zu Ende gegangenen Frühjahrssynode der ELKB, die vom 18.-22. März 2012 in Augsburg stattfand. Dass alles Geld, das die Landeskirche &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=333">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">„So gut wie alles für die Gemeinden“, so tönt und schreibt es auf allen Kanälen – auch bei der gerade zu Ende gegangenen Frühjahrssynode der ELKB, die vom 18.-22. März 2012 in Augsburg stattfand. Dass alles Geld, das die Landeskirche durch die Kirchensteuern einnimmt, zu 80 % den Gemeinden zugutekommt, ist inzwischen eine stehende Redewendung, die die Existenzberechtigung des Forums „Aufbruch Gemeinde“ und des Gemeindebunds Bayern von vorn herein bestreitet. Wir seien die, die in unnötiger, weil unbegründeter Weise, den Gruppen- und Lagerstreit innerhalb der Kirche schüren, statt für ein gutes Miteinander aller zu sein. Tatsache ist, dass auch 2012 die Kirchengemeinden im Rahmen des innerkirchlichen Finanzausgleichs lediglich über 27 Prozent des Kirchensteueraufkommens selbst entscheiden, das wiederum nur zwei Drittel der Gesamteinnahmen der Landeskirche ausmacht.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum 31.12.2012 muss der letzte Landesstellenplan in den Gemeinden und Dekanaten umgesetzt sein, der in manchen Gebieten der ELKB zu einer Stellenreduzierung von über 10 % führt. In manchen Dekanaten laufen noch Beratungsprozesse, die helfen sollen, die schmerzlichen Einschnitte zu verarbeiten. Kirchengemeinden haben Aufgaben und entsprechenden Personalbedarf. Beides reduziert sich nicht automatisch und proportional zur sinkenden Gemeindegliederzahl, nach der der Stellenbedarf hauptsächlich berechnet wurde. Dass nun – ohne irgendeine Anstandsfrist zu wahren &#8211; zwei Stellen im landesweiten Dienst zusätzlich errichtet wurden, muss den mit dem Abbau beschäftigten Gemeinden am Ort wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen. Eine halbe Stelle wird für „Salutogenese“ (Gesundheitsfürsorge) errichtet und soll Hilfestellung für ausgebrannte MitarbeiterInnen bieten. Diese Stelle ist eine befristete Projektstelle und bewegt sich im Kontingent von 6,5 Projektstellen landesweit. Die andere halbe Stelle, die die Landessynode und ihr Präsidium theologisch unterstützen soll, stellt dagegen eine Stellenausweitung im landesweiten Dienst dar. Damit wird die bisherige Systematik, wonach die Proportion der Bereiche Gemeindedienst, dekanatsweiter Dienst und landesweiter Dienst erhalten bleiben soll, durchbrochen. Dass dies nicht geschieht, dafür hatten die Synodalen vor nicht allzu langer Zeit noch leidenschaftlich gekämpft.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass eine Synode und ihr Präsidium Unterstützung gebrauchen kann, versteht sich von selbst. Dass ein solcher Bedarf im landesweiten Dienst zu einer Ausweitung der Stellen führt, ein vergleichbarer Bedarf im Gemeindedienst dagegen nicht, kann nicht begründet werden. So verspielt kirchenleitendes Handeln Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei den Gemeinden am Ort. Die Rede vom guten Miteinander bekommt einen hohlen Klang. Sicher kann man verstehen, dass die Synode hier besonders leicht zu überzeugen war, da die Stelle ja ihr selbst zugutekommt – oder soll (muss) man sagen: Sie sollte sich umso mehr dafür schämen, da sie ja die Versammlung der Gemeindevertreter ist? Einer meinte gar, auch diese Stelle käme den Gemeinden zugute, da Synodale ja Gemeindevertreter seien. Ungehört von der Mehrheit blieben Forderungen, man solle die Stelle dadurch ermöglichen, dass im landesweiten Dienst eine andere halbe Stelle eingespart wird. Dies wollte sich auf der landesweiten Ebene keiner vorstellen.</p>
<p style="text-align: justify;">Bleibt mir die Einsicht, dass das Forum Aufbruch Gemeinde weiter Überzeugungsarbeit leisten muss und der Gemeindebund Bayern alles andere als überflüssig ist. Die Gemeinde am Ort braucht eine Lobby. Die gibt es auch in der Synode. Die Mehrheit hat sie nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Hof, den 23. März 2012</p>
<p style="text-align: justify;">Pfr. Johannes Taig (Gemeindebund Bayern, Mitglied der Landessynode)</p>
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		<title>Gegen zentrale Steuerungslogik</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 15:00:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskussion um Aufbruch Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindeentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter diesem Titel erschien der Rückblick auf die dreijährige  Arbeit des Forums Aufbruch Gemeinde im Korrespondenzblatt Nr. 6/2011. Dr. Herbert Lindner schrieb hierzu einen Leserbrief unter dem Titel &#8220;Zukunft der Gemeinde&#8221; im Korrespondenzblatt Nr. 8/2011.  Sein Vorwurf: &#8220;Eine einflächig gedachte und praktizierte &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=297">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>
<p style="text-align: justify;">Unter diesem Titel erschien der Rückblick auf die dreijährige  Arbeit des Forums Aufbruch Gemeinde im <a href="http://www.aufbruch-gemeinde.de/download/kblatt-1106hoffmann.pdf" target="_blank">Korrespondenzblatt Nr. 6/2011</a>. Dr. Herbert Lindner schrieb hierzu einen Leserbrief unter dem Titel &#8220;Zukunft der Gemeinde&#8221; im <a href="http://www.aufbruch-gemeinde.de/download/kblatt-1108lindner.pdf" target="_blank">Korrespondenzblatt Nr. 8/2011</a>.  Sein Vorwurf: &#8220;Eine einflächig gedachte und praktizierte »Beteiligungskirche« hätte nach allem was die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen zeigen, einen scharfen Rückgang in den Mitgliederzahlen und eine Milieuverengung innerhalb der verbleibenden Mitglieder zur Folge. Hier müsste sehr viel genauer nachgedacht und ekklesiologisch und kirchenpraktisch argumentiert werden. Kirchliches Handeln muss »multifaktoriell«  bleiben, denn es lässt sich eindimensional nicht optimieren.&#8221;</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Johannes Taig antwortet Dr. Lindner im Korrespondenzblatt Nr 10/2011, S. 169f.:</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Soziologie statt Theologie?</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dr. Lindners Kritik im <a href="http://www.aufbruch-gemeinde.de/download/kblatt-1108lindner.pdf" target="_blank">Korrespondenzblatt Nr. 8/2011</a> stützt sich hauptsächlich auf der Vorwurf der „Eindimensionalität“ der Anliegen von Aufbruch Gemeinde: „Eine einflächig gedachte und praktizierte »Beteiligungskirche« hätte nach allem, was die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen zeigen, einen scharfen Rückgang in den Mitgliederzahlen und eine Milieuverengung innerhalb der verbleibenden Mitglieder zur Folge.“(S. 146) Mit Verlaub: Weder vertritt Aufbruch Gemeinde eine „einflächig gedachte Beteiligungskirche“, die Lindner offenbar als Gemeindeprofil versteht, noch kann man aus den Mitgliedschaftsuntersuchungen solche Schlussfolgerungen ziehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Grundlage seiner Argumentation sind die bisher vier Untersuchungen zur Kirchenmitgliedschaft, die, um es verkürzt zu sagen, ergeben hätten, dass die Ortsgemeinde sozusagen als Geburtsort der Kirchenmitgliedschaft zu gelten habe, die Kirchenmitgliedschaft im Weiteren aber durch allerlei andere „übergemeindliche“ Angebote gepflegt und stabilisiert werden müsse. Der moderne Mensch schwirre nun einmal herum und sei nicht auf die Ortsgemeinde festzulegen. Hieraus zieht Lindner direkt genauere Angaben, wie die Kirchensteuereinahmen entsprechend auf die verschiedenen Bereiche und Ebenen der Kirche von der Ortsgemeinde bis zum landesweiten Dienst zu verteilen wären – also so ähnlich, wie dies heute bereits der Fall ist. Dies halte ich für wenig überzeugend.</p>
<p style="text-align: justify;">Nicht nur weil theologische Gesichtspunkte hier durch vermeintlich eindeutige soziologische Befunde vollständig ersetzt und damit scheinbar überflüssig werden, sondern weil die soziologischen Befunde der bisherigen Untersuchungen keineswegs so eindeutig und vergleichbar sind, wie Lindner glauben machen will. Wer mehr hierzu lesen möchte, sei auf den Beitrag von Jan Hermelink in dem von ihm zitierten Band „Kirchenreform“ (hrsg. von Isolde Karle, Leipzig 2009, ab Seite 143 ff) verwiesen. Hermelink weist dort unter der Überschrift „Kirche als Dachorganisation und Symbolisierung des Unverfügbaren“ darauf hin, dass der Einfluss „übergemeindlichen“ und „zielorientierten“ Handelns der „Kirche“ auf die Kirchenmitgliedschaft grundsätzlich überschätzt wird. Hermelink begründet dies ausdrücklich an den erhobenen Befunden.</p>
<p style="text-align: justify;">In diesem Zusammenhang gehört auch, was Wolfgang Schoberth im gleichen KorrBl. (Nr. 8/2011) auf Seite 148 schreibt: „Es wäre freilich fatal, wenn hier die in Theologie und Kirche allerdings nicht selten anzutreffende Naivität ausschlaggebend wäre, die die religionssoziologischen Untersuchungen und Theorien für die Wirklichkeit selbst hält: Wie jede Wissenschaft liefert auch die Religionsforschung ein methodisch konstruiertes Bild der Wirklichkeit, nicht diese selbst; und dieses Bild ist wiederum abhängig von den Kategorien, die als analytische Leitsonden angewandt werden. Die theologische Analyse und das kirchenleitende Handeln kommen nicht darum herum, die soziologischen Forschungen noch einmal kritisch und innerhalb eines theologischen Referenzrahmens zu reflektieren. Dann freilich zeigt sich ein Bild, das von den gängigen pseudo-soziologischen Konstrukten theologischer Theoriebildung noch einmal gründlich unterschieden ist. Die theologisch wie empirisch entscheidende Frage ist die nach Kirchenstrukturen, die dem entsprechen, was als das Wesen der Kirche erkannt wird. Die Diskussion darum wäre allererst zu öffnen.“ (<a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=279)" target="_blank">http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=279)</a> Für Lindner ist sie bereits erledigt!</p>
<p style="text-align: justify;">Noch einmal: „Warum sollte die Kirche und warum sollten die an ihrer Gestaltung verantwortlich Beteiligten ein Interesse daran haben, sich in konkreten Gestaltungsaufgaben an dogmatischen Modellen der Kirche zu orientieren? Aus meiner Sicht zum einen deshalb, weil die Kirche nur in Orientierung an einer genuin theologischen Selbstbeschreibung ihrer Eigenart als religiöser Organisation entsprechen kann: Um festzuhalten, dass ihr primärer Referenzrahmen das gesellschaftliche Teilsystem „Religion“ ist &#8211; und nicht „Medien“ oder „Wirtschaft“ -, ist die Kirche darauf angewiesen, sich selbst (auch) religiös zu beschreiben und damit zugleich ihre Differenz zu anderen gesellschaftlichen Organisationen deutlich zu machen. Die Orientierung an dogmatischen Beschreibungen der Kirche scheint mir zum anderen notwendig zu sein, um inhaltlich begründet aus bestehenden Gestaltungsmöglichkeiten wählen und mit den normativen Implikationen nicht-theologischer Beschreibungen kritisch umgehen zu können. Um dies an einem Beispiel zu erläutern: Eine an Bonhoeffer anschließende dogmatische Beschreibung der Kirche wird deren intrinsische Sozialität hervorheben und daher die Bedeutung von Ortsgemeinden unterstreichen, in der diese Sozialität in der realen Interaktion der Glaubenden Gestalt gewinnt. Eine an ihr orientierte Gestaltung der Kirche wird daher solche Gestaltungsmöglichkeiten ergreifen, durch die Ortsgemeinden mit ihren vielfältigen und oft unscheinbaren Möglichkeiten direkter Begegnung gestärkt werden. Und sie wird Tendenzen der Abwertung von Ortsgemeinden widersprechen, wie sie sich in „Kirche der Freiheit“ als Folge einer spezifischen nicht-theologischen Beschreibungen der Kirche als Organisation beobachten lassen. (Markus Höfner, Geglaubte und empirische Kirche, in: Isolde, Karle, Kirchenreform, aaO, S. 53 f)</p>
<p style="text-align: justify;">Ich muss an dieser Stelle hoffentlich nicht noch einmal betonen, dass auch nach der Auffassung des „Forums Aufbruch Gemeinde“ kirchliches Handeln multifaktoriell bleiben muss und sich das Leben der Kirche nicht in den Gemeinden am Ort erschöpft. Umgekehrt gilt: Eindimensional wird das Leben der Gemeinden am Ort gerade dann, wenn diesen von der Zentrale die Aufgabe der „Grundversorgung“ und mithin die Aufgabe der Bewältigung des „grauen Alltags“ zugewiesen wird und alles, was an der Kirche toll ist und die Mitglieder bindet, angeblich von übergemeindlichen Diensten angeboten werden muss. Gerade Kirchengemeinden, die vonseiten der „Zentrale“ zur „Filiale“ degradiert werden, und deren Aufgabe mehr und mehr darin besteht, die Angebote von weiter oben nach unten zu kommunizieren, werden eindimensional! Die Entwicklung dahin ist weit fortgeschritten und tägliche Praxis, vom Immobilienmanagement bis zur Unterschriftenaktion zur Transaktionssteuer. Und wie viele Schreiben, die wichtige Entscheidungen für die Gemeinde beinhalten, gehen über den Schreibtisch mit dem Vermerk: „Der Beschluss des Kirchenvorstands wird nachgereicht.“ „Beteiligungsgemeinde“ meint eben nicht Uniformität im Sinne einer bestimmten Gemeindeprofilierung, sondern die grundsätzliche Möglichkeit, das eigene Gemeindeleben und damit die eigene Verkündigung aktiv zu gestalten und Eigenverantwortung zu übernehmen. Tatsache ist, dass Gemeinden, die auch in finanzieller Hinsicht mit dem Rücken zur Wand stehen, dazu immer weniger Möglichkeiten haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass Lindner die Schuld an dieser Situation ganz bei den Gemeinden sieht, die eben faul und egoistisch sind, statt zu fusionieren, bzw. zu kooperieren, kann von diesen schon als Spott und Hohn empfunden werden. Dort wird es vielerorts ein böses Erwachen geben, weil nun die Pfarrhausrücklage nicht länger durch Sonderzuweisungen abgefedert wird, sondern voll auf den Haushalt durchschlägt. Zukünftig wird auch noch eine Gemeinderücklage für die anderen Immobilien gefordert, aber keiner hat bisher eine Idee, wovon die Gemeinden sie bilden sollen. Man kann den Gemeinden nicht ständig neue Lasten zuweisen und auf der Einnahmenseite alles beim Alten lassen. Da wird “freiwilliges Engagement an Zeit und Geld”, das es in den Gemeinden längst gibt, auch keine Wunder vollbringen können. Es war übrigens in den 70er Jahren eine kirchenpolitische Entscheidung, den Bauunterhalt nicht in den innerkirchlichen Finanzausgleich (Schlüsselzuweisung) einzupreisen, sondern bei der Zentrale zu lassen. Man kann ihn jetzt nicht einfach an die Gemeinden zurückgeben, ohne das Finanzierungssystem zu ändern.</p>
<p style="text-align: justify;">Es wird nicht funktionieren, wenn Lindner meint, er könnte den Ortgemeinden die zukünftige Marschrichtung „Konzentration und Kooperation“ mit dem Argument vorgeben, dass nur so die „Basisstruktur“ der Ortsgemeinde erhalten werden könnte. Organisationstheoretische, soziologische oder ökonomische Gründe werden nicht ausreichend sein können und dürfen (!) für eine Kirche, die sich als Kirche Jesu Christi versteht. Die Diskussion darum wäre allererst zu öffnen und sie wird sich auch nicht in gewohnt paternalistischer Manier beschränken lassen auf die Synode. In wessen Interesse wäre das denn? Der Gemeindebund Bayern (www.aufbruch-gemeinde.de), der am 4. Februar 2012 in Nürnberg gegründet werden wird, wird sich u.a. mit solchen Fragen befassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Pfr. Johannes Taig<br />
Mitglied der Landessynode<br />
Mitglied im Grundfragenausschuss</p>
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		<title>Salto rückwärts? Eine ekklesiologische Gegen-Polemik</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jul 2011 12:19:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion um Aufbruch Gemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Ekklesiologie - Die Lehre von der Kirche]]></category>
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		<description><![CDATA[Unter dem Titel &#8220;Zu kurz gegriffen&#8221; versuchte Dr. Martin Fritz im Korrespondenzblatt Nr. 5/2011, S. 86, eine Metakritik an den theologischen Argumenten von &#8220;Aufbruch Gemeinde&#8221;. Der folgende Artikel ist die Antwort von Prof. Dr. Wolfgang Schoberth, die unter dem Titel &#8220;Christen tragen die Kirche&#8221; &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=279">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>
<p style="text-align: justify;">Unter dem Titel &#8220;Zu kurz gegriffen&#8221; versuchte <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/download/Fritz11.05.pdf" target="_blank">Dr. Martin Fritz im Korrespondenzblatt Nr. 5/2011</a>, S. 86, eine Metakritik an den theologischen Argumenten von &#8220;Aufbruch Gemeinde&#8221;. Der folgende Artikel ist die Antwort von Prof. Dr. Wolfgang Schoberth, die unter dem Titel &#8220;Christen tragen die Kirche&#8221; im <a href="http://www.pfarrverein-bayern.de/ablage/kblatt-1108.pdf" target="_blank">Korrespondenzblatt Nr. 8</a>/2011 auf Seite 146 erschien.</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Im Korrespondenzblatt 5/2011 kündigte Martin Fritz eine ekklesiologische Metakritik zum „Aufbruch Gemeinde“ an; vorgelegt hat er freilich lediglich eine Anti-Kritik, und noch dazu eine theologische recht schlicht begründete. Ein metakritisches Verfahren würde es erfordern, dass der Meta-Kritiker sich auf die kritische Bewegung zunächst einmal einlässt, die kritischen Argumente versteht und weiterführt, um dann über die kritische Position wiederum hinauszukommen. Das geschieht hier nicht. Stattdessen operiert Fritz in seiner Kritik am „Aufbruch Gemeinde“ mit Unterstellungen, vorurteilsgeladenen Interpretationen und bloßen Behauptungen. Das ist schade, weil dadurch gerade kein Diskurs eröffnet, sondern das nötige Gespräch um angemessene Gestalten und Strukturen der Kirche schon beendet wird, bevor es beginnt. Damit dieses Gespräch nicht durch allzu viele unnötige Diskussionen um Positionen, die gar nicht vertreten werden, belastet wird, sei nur dies ganz kurz gesagt: Beim „Aufbruch Gemeinde“ kann keineswegs davon die Rede sein, dass die Ortsgemeinde theologisch überhöht, als Norm verstanden oder gar als einzig legitime Form von Kirche ausgegeben werden solle. Wohl aber wird die Überzeugung vertreten, dass die Ortsgemeinde für eine evangelische Kirche von zentraler Bedeutung ist und deshalb auch angemessen in der Kirchenstruktur zur Geltung kommen muss; das aber ist etwas anderes als eine normative Überhöhung. Deswegen findet sich hier auch mitnichten eine bloße Wiederholung von Bekenntnisformulierungen; erst recht werden die Augen vor den Gegenwartsbedingungen der Kirche nicht verschlossen, wohl aber darüber nachgedacht und diskutiert, welche Konsequenzen aus diesen Bedingungen für die institutionellen und politischen Strukturen der Kirche zu ziehen sind, damit diese dem entsprechen, was Kirche ihrem Wesen nach ist. Diese Diskussion muss auch in und unter den Gemeinden geführt werden und kann nicht durch Planungsgruppen und Stabsstellen ersetzt werden; dass diese Diskussion in den letzten Jahren eben unterblieben ist und durch zentral induzierte Strategien ersetzt wurde, die wiederum ohne Partizipation der Gemeinden durchgesetzt werden sollen – das ist der wesentliche Anlass für den „Aufbruch Gemeinde“, weil hier die begründete Befürchtung entsteht, dass solcher kirchenpolitischer Zentralismus der evangelischen Kirche gerade unter den gegebenen Verhältnissen nicht gut tut.</p>
<p style="text-align: justify;">Es geht also, wie dann auch Fritz einräumt, um grundsätzliche ekklesiologische Überlegungen und ihre Entsprechungen in der institutionellen Gestalt der Kirche. Seine eigenen ekklesiologischen Grundannahmen will Fritz dann im Rekurs auf Luther darlegen. Dazu greift er zunächst die vom „Aufbruch Gemeinde“ in der Tat betonte Bestimmung des „Priestertums aller Gläubigen“ auf; den ursprünglichen Sinn dieses Begriffs bei Luther sieht er in der „Idee religiöser Mündigkeit“. Nun mag man es durchaus für nötig halten, Luther in Kategorien zu interpretieren, die diesem schlicht fremd waren, und sich aus dem Ganzen seiner Theologie auch nicht ohne weiteres ableiten lassen; man sollte das dann freilich offen zugeben, dass man Luther auf diese Weise für eigene Ideen und Vorstellungen in Anspruch nimmt oder, wie es Fritz vielleicht eleganter formulieren würde, „im Rahmen einer Theorie des neuzeitlichen Christentums“ fortschreiben zu müssen meint. Luthers eigene Theologie damit zu erfassen, sollte man dann allerdings nicht beanspruchen; erst recht fragwürdig ist es, einen solchermaßen uminterpretierten Luther auch noch polemisch in Stellung zu bringen. Was bei Luther ‚religiöse Mündigkeit‘ heißen soll und wie diese sich bei Luther von einer ‚kirchlichen Mündigkeit‘ unterscheiden ließe, wird dann auch bei Fritz nicht weiter erläutert. Das ist auch kaum anders denkbar, weil sich bei Luther hier auch gar nicht unterscheiden lässt, schon weil ihm der uns geläufige Begriff des ‚Religiösen‘ in Absetzung von der kirchlichen Realität des Glaubens gar nicht zur Verfügung steht. Die ‚religiöse Mündigkeit‘ ist, wie der in dieser Weise verwendete Begriff der Religion überhaupt, eine Konstruktion des 19. Jahrhunderts, die man der Reformation nicht unterschieben sollte. Ob dieses Konzept überhaupt eine theologisch wie religionssoziologisch sinnvolle und tragfähige Figur ist, was ich bezweifle, ist hier nicht weiter zu diskutieren; Luther kennt sie jedenfalls nicht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Folgerungen, die Fritz aus seiner These zieht, sind denn auch zumindest widersprüchlich, weil sie sich am Material auch gar nicht durchführen lässt: Einerseits soll dieser Gedanke mit den Fragen der Kirchenordnungen nichts zu tun haben, andererseits dann wieder „einschneidende Folgen für das Verständnis des besonderen geistlichen Amtes“ haben – wie lassen sich eigentlich wiederum Amt und Kirchenordnung so säuberlich unterscheiden? –; anschließend werden immerhin mittelbare Folgen für die Kirchenordnung eingeräumt. Offensichtlich ist die Frage, ob die reformatorischen Grundentscheidungen Auswirkungen für die kirchliche Institutionalität haben, doch nicht so einfach zu eliminieren. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass Fritz’ Behauptung, aus „Luthers Gedanken vom Priestertum aller Gläubigen“ lasse sich „für aktuelle kirchliche Strukturfragen positiv wenig gewinnen“, zumindest irreführend ist: Eine Diskussion um die aktuellen notwendigen Strukturfragen in einer evangelischen Kirche wird orientierungslos und verliert ihren eigenen Gegenstand, wenn sie sich auf diese Grundeinsicht nicht einlässt, auch wenn diese freilich – was meines Wissens auch niemand beansprucht – keine Eindeutigkeit produziert.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Unsichtbare vs. verborgene Kirche</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Will Fritz solche Eindeutigkeit dann selber herstellen, wenn er in normativer Absicht Luthers Kirchenverständnis darzustellen unternimmt? Dabei ist es für mich freilich einigermaßen überraschend, dass dazu die von Luther bekanntlich äußerst skeptisch betrachtete Formulierung von der „unsichtbaren Kirche“ (unter Verweis auf Ulrich Barth) zur „ekklesiologischen Leitidee“ Luthers erklärt wird. Diese mindestens missverständliche, in der Folge aber auch oft genug ekklesiologisch verhängnisvolle Redeweise, die übrigens deutlich vorreformatorischen Ursprungs ist, hat ihre particula veri darin, dass die institutionelle Kirche und die Kirche des Glaubens nicht einfach identisch sind. Sie wird aber zur glatten Unwahrheit, wenn sie das Wesen der Kirche in ihrer Unsichtbarkeit verorten wollte. Weit weniger missverständlich und der Theologie wie dem Sprachgebrauch Luthers näher wäre es, dies als Spannung zwischen der sichtbaren und der verborgenen Kirche zu fassen: Verborgen ist die Kirche Jesu Christi, weil sie der Wirklichkeit Gottes, nicht der Wirklichkeit der Menschen zugehört; sichtbare und verborgene Kirche lassen sich aber gerade nicht gegeneinander ausspielen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Die Sichtbarkeit der verborgenen Kirche</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Eine Theologie, die sich der Leibhaftigkeit der Gegenwart des Wortes Gottes so bewusst ist wie die Luthers, widerspricht aufs Schärfste der Auflösung der Kirche in die Unsichtbarkeit; als Kirche ist sie aber gerade in unserer leiblichen und sichtbaren Wirklichkeit gegenwärtig, und die verborgene Kirche ist darum nirgendwo anders zu haben als in der sichtbaren Kirche. Eine ‚unsichtbare Kirche‘ wäre, wie die gegenreformatorische Polemik nicht ohne Grund und gegen mache protestantische Unbedachtheit genüsslich anführt, ein bloßes Gedankending: Sie löst sich auf in eine fromme Innerlichkeit einerseits, eine religiös-kulturelle Stimmung andererseits, die beide die Kriterien, die sie voraussetzen und denen sie folgen, nicht offenlegen und reflektieren können, weshalb sie allen möglichen Strömungen und ihren Plausibilitäten ausgesetzt sind. Demgegenüber legt die reformatorische Ekklesiologie großes Gewicht darauf, dass auch die sichtbare Kirche ihrem Wesen als Kirche Jesu Christi entspricht. Oder sollte alle reformatorische Kirchenreform nur unnötiger Eifer gewesen sein, wenn die äußere Gestalt doch nur sekundär und die Wahrheit der Kirche nur in der Innerlichkeit liegt?</p>
<p style="text-align: justify;">Eben in der Dialektik zwischen Verborgenheit und Sichtbarkeit, genauer: der Verborgenheit in der Sichtbarkeit der Kirche liegt dann auch die Pointe von CA VII. Denn hier geht es um die Wirklichkeit der Kirche, die vor aller Augen liegt, und die doch zugleich die Gegenwart der verborgenen Kirche ausmacht. Kirche ist, nach reformatorischen Verständnis, die Versammlung der Gemeinde; gerade hier liegt übrigens die ökumenische Weite und Weisheit reformatorischer Ekklesiologie. Es ist keine Frage, dass die wesentliche Bestimmung von Kirche durch die Faktizität der sich um das Wort Gottes versammelnden Gemeinde nicht unmittelbar eine Festschreibung, erst recht nicht eine Überhöhung parochialer Strukturen bedeutet. Nicht die Ortsgemeinde, sondern die Gottesdienstgemeinde ist die Mitte reformatorischer – und doch wohl gemeinchristlicher? – Ekklesiologie. Niemand bestreitet, dass auch in Jugendkirchen, auf Kirchentagen und in evangelischen Akademien sich die Gemeinde Jesu Christi versammelt. Aber auch diese Versammlungen sind in eminenter Weise sichtbar. Die „unsichtbare Kirche“ ist eine unglückliche Konstruktion. Sie verunklart die wesentlichen Momente; der Begriff führt in falsche Alternativen und produziert irreführende Assoziationen. Die religiöse Innerlichkeit, die durch dieses Konzept zum reformatorischen Grundprinzip erhoben werden soll, ist jedenfalls der Theologie Luthers vollkommen fremd: deren Zentrum liegt nicht – fast fühlt man sich an die Lutherinterpretation Karl Holls erinnert – im unsichtbaren Bereich des Gewissens, sondern in dem ganz öffentlich und auch ganz sinnlich präsenten Wort Gottes.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Religionstheoretische Nostalgie oder ekklesiologischer Realismus</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es steht außer Zweifel, dass sich aus der reformatorischen Bestimmung des Wesens der Kirche keine definierte Kirchenstruktur ableiten lässt. Es steht aber auch außer Zweifel, dass jede Kirchenstruktur, die sich auf die Reformation berufen will, sich am Wesen der Kirche messen lassen muss. Dieses Wesen aber, daran lassen wiederum die Reformatoren keinen Zweifel, besteht in der Verkündigung des Wortes Gottes – diese aber ist alles andere als innerlich. Es ist wohl auch unstrittig, dass die Fragen der Kirchenstruktur jeweils beantwortet werden müssen in Relation zu kulturellen Wirklichkeit, in der Kirche jeweils lebt. Hierbei sind soziologische Analysen unverzichtbar. Es wäre freilich fatal, wenn hier die in Theologie und Kirche allerdings nicht selten anzutreffende Naivität ausschlaggebend wäre, die die religionssoziologischen Untersuchungen und Theorien für die Wirklichkeit selbst hält: Wie jede Wissenschaft liefert auch die Religionsforschung ein methodisch konstruiertes Bild der Wirklichkeit, nicht diese selbst; und dieses Bild ist wiederum abhängig von den Kategorien, die als analytische Leitsonden angewandt werden. Die theologische Analyse und das kirchenleitende Handeln kommen nicht darum herum, die soziologischen Forschungen noch einmal kritisch und innerhalb eines theologischen Referenzrahmens zu reflektieren. Dann freilich zeigt sich ein Bild, das von den gängigen pseudo-soziologischen Konstrukten theologischer Theoriebildung noch einmal gründlich unterschieden ist. Die theologisch wie empirisch entscheidende Frage ist die nach Kirchenstrukturen, die dem entsprechen, was als das Wesen der Kirche erkannt wird. Die Diskussion darum wäre allererst zu öffnen. Es liegt auf der Hand, dass solche Strukturen vielgestaltig sein müssen. Zu ihnen gehören übergemeindliche Institutionen und Dienste ebenso wie Anstaltsgemeinden; der Blick auf die schlichtesten statistischen Größen belehrt aber darüber, dass hier nach wie vor, in den Städten nicht anders als auf dem Land, den Parochialgemeinden eine herausragende Bedeutung zukommt. Ekklesiologische Leitbilder, wie sie in Planungsstäben, aber auch in unglücklichen theologischen Konzepten wie dem der neubelebten ‚unsichtbaren Kirche‘ erscheinen, leiden nicht selten daran, dass sie vollständig die Frage übergehen, wie jene ‚religiöse Subjektivität‘ überhaupt zu Stande kommt, an die sie sich adressieren und die sie als Ressourcen beanspruchen. Mit dem Rücksprung zu religionstheoretischen Kategorien des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts ist den gegenwärtigen Herausforderungen jedenfalls kaum zu begegnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Reformatorische Ekklesiologie war da realistischer: Sie erkennt die Notwendigkeit von Strukturen, in denen das Wort Gottes wirklichen Menschen in ihrer Lebenswelt nahe kommt. Alle soziologischen Erhebungen, die uns vorliegen, zeigen, dass solche Strukturen wesentlich lokal und personal vermittelt sind. Die idealistische Konstruktion einer innerlichen Kirche dispensiert sich von solchen elementaren Fragen der Realität des Glaubens. Sie liegt ganz auf der Linie einer eigentlich längst überwunden geglaubten Fehlinterpretation der sogenannten „Zwei-Reiche-Lehre“, die alle Fragen der äußeren Struktur in eine vorgebliche Eigengesetzlichkeit verweist. An der Reformation ist nicht zuletzt das zu lernen, dass auch die Fragen der leibhaftigen Wirklichkeit eminent theologische Fragen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Es gibt freilich auch genug soziologische Gründe dafür, dass die Zukunft der Institution Kirche, wie wir sie kennen, nicht zuletzt damit verbunden ist, ob es ihr gelingt, nicht nur Institution zu sein, sondern ihre spezifische Eigenart auch in der kulturellen Öffentlichkeit zur Geltung zu bringen. Auch deswegen sind Strukturfragen theologische Grundsatzfragen, wie auch die soziale Relevanz und Attraktivität der Kirchen davon abhängt, dass ihre institutionelle Logik nicht den üblichen Plausibilitäten folgt, sondern genuinen Kriterien entspricht. Wenn kirchliche Strukturreformen sinnvoll und produktiv sein sollen, dann lassen sich nicht dekretieren oder durch Expertenkommissionen erledigen. Ich verstehe den „Aufbruch Gemeinde“ nicht zuletzt als die Forderung, die Debatte um eine Gestalt der Kirche einzufordern und zu führen, die der reformatorischen Einsicht in das Wesen der Kirche entspricht – in aller notwendigen Breite und unter Beteiligung möglichst vieler der Menschen, deren Engagement und deren finanzielle Beiträge, vor allem aber: deren Christsein die Kirche trägt.</p>
<p style="text-align: justify;">Prof. Dr. Wolfgang Schoberth<br />
LS Systematische Theologie, Erlangen</p>
<p style="text-align: justify;">
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		<title>Aufbruch Gemeinde &#8211; Alles Unsinn?</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jul 2011 08:03:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindebund Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Aktionstag 2011]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles Unsinn &#8211; so lautet der Titel des Berichts, den der Synodale Mehltretter im Korrespondenzblatt Nr. 6/2011 vom 3. Aktionstag gegeben hat. Der Synodale Taig antwortet ihm in Nr. 8/2011. Alles Unsinn? Unsinn! zu: Zu kurz gegriffen in Korrespondenzblatt Nr. 5/11, S. 86 &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=274">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote>
<p style="text-align: justify;">Alles Unsinn &#8211; so lautet der Titel des Berichts, den der Synodale Mehltretter im Korrespondenzblatt Nr. 6/2011 vom 3. Aktionstag gegeben hat. Der Synodale Taig antwortet ihm in Nr. 8/2011.</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;"><strong>Alles Unsinn? Unsinn!</strong></p>
<p style="text-align: justify;">zu: Zu kurz gegriffen in <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/download/Fritz11.05.pdf" target="_blank">Korrespondenzblatt Nr. 5/11</a>, S. 86</p>
<p style="text-align: justify;">Inhaltlich ist den Aussagen von Herrn Dr. Fritz eigentlich nichts hinzuzufügen. Was mich als »Nichtwissenschaftler« aber zusätzlich beschäftigt, ist die Selbst-Darstellung des Aufbruchs nach innen und nach außen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich war Gast des letzten Forums am 7. Mai d. J. in der Nürnberger GustavAdolf-Gedächtniskirche. Ich muss schon sagen, die Leute haben Mut. Etwas mehr als 100 Menschen waren anwesend &#8211; da fragt sich auch der Gutmeinende: woher nimmt man den Auftrag für diese fundamentalen Forderungen, die u.a. eine Restrukturierung der Kirche auf nur eine Gemeindeform, die Parochialgemeinde, beinhalten? Alle anderen Gemeindeformen seien mehr oder weniger »Unfug«, die vom eigentlichen Sinn einer Kirchengemeinde nur ablenken.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Jugendkirche LUX z.B. wird als Zirkus apostrophiert und kostet nur einen Haufen Geld, das den »richtigen« Gemeinden verloren geht. Natürlich ist das EKD-Papier »Kirche der Freiheit« an der Realität (vor allem in Bayern) vorbeigegangen, aber müssen wir nicht trotzdem Antworten auf die Fragen von heute finden, wenn wir wirklich »glaubwürdig« bleiben wollen? Der Gemeindepfarrer als »eierlegende Wollmilchsau« &#8211; das war einmal. Hier hat vor allem die Ausbildung unserer Pfarrer den Auftrag, Teamplayer mit Kenntnis in Menschenführung heranzubilden, damit die Zusammenarbeit Ehrenamtliche/ Hauptamtliche wirklich gelingt.</p>
<p style="text-align: justify;">Da werden die Kircheneintrittsstellen madig gemacht, weil sie angeblich die Menschen unverbindlich und ohne Orientierung nach dem Akt des Eintritts allein lassen. Da wird vom Priestertum aller Gläubigen gesprochen (Frage: wer ist gläubig &#8211; nur die Menschen, die dem Anspruch des Forums entsprechen?) und dann wird eine Abendmahlsfeier zelebriert, bei der fünf Talarträger den Rest der Gemeinde als brave Schäfchen, die das Heil von »geweihten Priestern« empfangen, erscheinen lassen. Da werden Zahlen über »Einnahmen« der Kirche und deren Verteilung aufgetischt, die jeden, der den Haushalt unserer Kirche kennt, erstaunt und verwirrt zurücklassen. Dabei ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass durch die kameralistische Darstellung des Haushaltes Finanzmittel, die eigentlich gar keine Einnahmen im Sinne von Kirchensteuern sind, eben doch als solche dargestellt werden müssen. Und dass vom Bruttovolumen der Kirchensteuern zunächst einmal wieder Umlagen, Clearingleistungen und Anteile z.B. für die Reformierte Kirche, für die Militärseelsorge u.a. abgezogen werden müssen, bevor man an das »verteilbare« Volumen der Kirchensteuern kommt, wird schlicht übergangen. Von diesen verteilbaren Kirchensteuereinnahmen (und das ist kein Scherz) fließen heute schon über 80 % unmittelbar oder mittelbar an die Kirchengemeinden!</p>
<p style="text-align: justify;">Man könnte die Argumente noch länger ausbreiten &#8211; es ist aber eher erstaunlich bzw. sehr schön, wie wir als Kirche mit Minderheiten umgehen und alle zu Wort kommen lassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Forderung nach mehr Mitbestimmung der Kirchengemeinden ist legal und sollte unterstützt werden. Dazu braucht es aber keinen Gemeindebund, vielleicht eine Art Gegensynode? Die vorhandenen Gremien müssten nur konsequent genutzt werden. Schickt die Protagonisten des Aufbruchs Gemeinde in die Synoden und Arbeitskreise! Das generiert allerdings Reisekosten &#8211; Geld, welches den Ortsgemeinden verloren geht &#8211; also bleiben wir zu Hause. Auch das Angebot von Herrn OKR Dr. Hübner, zu prüfen, ob und wie ein Probedekanat nach den Forderungen des Aufbruchs Gemeinde zu finanzieren ist, finde ich aller Ehren wert. Man kann nicht nur am Grünen Tisch Argumente austauschen, sondern muss auch den Mut (auf beiden Seiten) haben, die Karten auf den Tisch zu legen.</p>
<p style="text-align: justify;">Karl Mehltretter<br />
Mitglied der Landessynode der ELKB,<br />
Mitglied des Finanzausschusses<br />
<a href="http://www.pfarrverein-bayern.de/ablage/kblatt-1106.pdf" target="_blank">Korrespondenzblatt Nr. 6/2011</a>, S. 111f.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Alles noch größerer Unsinn!</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Zu: Zu kurz gegriffen in Nr. 6/11</p>
<p style="text-align: justify;">Der <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/download/Fritz11.05.pdf" target="_blank">Artikel von Dr. Fritz mit seiner Metakritik am Aufbruch Gemeinde </a>war ein schönes Beispiel zeitgemäßer Theologie, die sich mit Hilfe der Theologie selbst überflüssig macht. Dass sich das Priestertum aller Gläubigen sozusagen im Privaten erschöpft, hören heute die gerne, die behaupten, bei der Gestaltung der Kirche (und der Welt) hätten sie freie Hand. Die „Kirche unter Reformdruck“ müsse sich statt auf theologische, auf die „komplexen sozial- und organisationswissenschaftlichen Debatten“ einlassen, wofür wir Leute von Aufbruch Gemeinde entweder zu faul oder zu dumm sind, oder beides. Dabei wird übersehen, dass (nicht nur) in der lutherischen Theologie der innere und der äußere Mensch, die unsichtbare und die sichtbare Kirche, das Himmelreich und die Welt in einem unauflöslichen Durchwirkungszusammenhang stehen, wie Herz und Hand. Eine Kirche, die als letzten Zweck die Erbauung des inneren Menschen sieht, übersieht, dass der so erbaute Mensch, sein Gottes-, Selbst- und Weltverhältnis neu ordnet. Er wird dabei Maß nehmen am Evangelium von Jesus Christus und nicht an dem, was „organisations- oder systemtheoretische, soziologische, sozialpsychologische oder ökonomische Gründe“ ihm vorschreiben. Im Bekenntnis unserer Kirche steht deshalb unmissverständlich (und durch eigene Niederlage beraten): „Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.“ (Barmen 3)</p>
<p style="text-align: justify;">Was der Konsynodale Mehltretter im Weiteren über den 3. Aktionstag des Forums Aufbruch Gemeinde ausführt, hat mit Wahrheit und Klarheit nicht mehr viel zu tun. Nein, wir vertreten keinen Absolutheitsanspruch der Parochialgemeinde. Wir stehen auf dem Boden unserer Kirchenverfassung, deren Änderung Herr Mehltretter erst bei der Herbstsynode 2010 mitbeschlossen hat. &#8220;In der Kirchengemeinde verwirklicht sich Kirche Jesu Christi im örtlichen Bereich&#8221; (Art 20). Und in Art. 37 heißt es jetzt: &#8220;Dem Auftrag der Kirche Jesu Christi dienen auch besondere Gemeindeformen, Gemeinschaften besonderer Frömmigkeitsprägung, Kommunitäten und geistliche Gemeinschaften sowie Einrichtungen und Dienste.&#8221; Ich war im Grundfragenausschuss an diesen Formulierungen mitbeteiligt. Es war unser Anliegen, hier klare Bezüge zu formulieren. Und so hat es die Synode beschlossen.</p>
<p style="text-align: justify;">Da muss es erlaubt sein, kirchliche Großprojekte auf ihren Dienstcharakter für die Gesamtkirche und ihren Auftrag zu hinterfragen. Da darf auch gefragt werden, wo und ob denn Menschen, die bei Kircheneintrittsstellen eintreten, ihren Platz im örtlichen Bereich der Kirche finden. Und natürlich ist es Quatsch, dass wir vom Aufbruch Gemeinde meinen, nur die wären gläubig, die unsere Ansichten teilen. Der Quatsch hat aber Grenzen. Und die werden m.E. dort überschritten, wo eine liturgische Abendmahlsfeier nach der Ordnung unserer Kirche, die von Geistlichen gehalten wird, die nach der Ordnung unserer Kirche eben dazu berufen sind, in einer solchen Weise der Lächerlichkeit preisgegeben wird, wie Herr Mehltretter das im Furor seiner Verachtung für Aufbruch Gemeinde getan hat. Da geht’s ans Eingemachte.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch weil Herr Mehltretter genau weiß, dass einer der so karikierten „geweihten Priester“ der Konsynodale Pfr. Taig war. Und natürlich weiß er auch, dass sich auf der Unterstützerliste für Aufbruch Gemeinde im Internet weitere Synodale wie z.B. die Synodalen Ried, Dr. Hornfeck, Dr. Seibold und Schroth (LSA) befinden. Herr Mehltretter braucht die Protagonisten von Aufbruch Gemeinde also gar nicht erst in die Synode schicken. Sie sind schon da. Daran wird aber auch deutlich, wie tief die Uneinigkeit über Fragen des Kirchenverständnisses, der Gestaltung der Kirche bis hin zum Verständnis des geistlichen Amtes auch in der Synode in Wahrheit ist und wie sehr die Grundsatzdiskussion innerhalb der EKD um den zukünftigen Weg der Kirche auch an den Bayern zerrt. Dass die Kirchengemeinden am Ort auch weiter der Grundbaustein unserer Kirche bleiben und auch so behandelt werden, wird zwar immer wieder betont, erscheint uns aber noch längst nicht ausgemacht. Die Ortsgemeinden werden auch in Zukunft eine starke Lobby brauchen – in der Synode und auch außerhalb der Synode, eben nicht als Gegensynode, sondern als Netzwerk zur Unterstützung ihrer Anliegen in der Synode.</p>
<p style="text-align: justify;">Herr Mehltretter weiß offenbar nicht, dass die Zahlen, mit denen wir bei Aufbruch Gemeinde arbeiten, samt und sonders aus Veröffentlichungen der Landeskirche, bzw. aus Auskünften stammen, die uns das Landeskirchenamt auf Nachfrage gegeben hat. Dass er als Mitglied des Finanzausschusses diese Zahlen offenbar nicht einmal kennt, stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Arbeit synodaler Gremien.</p>
<p style="text-align: justify;">Schließlich möchte ich mich bei Herrn Mehltretter bedanken, dass er der Leserschaft des Korrespondenzblattes vorgeführt hat, wie man in unserer Kirche und ihrer Synode mit Minderheiten umgeht und hoffe, dass er sich auch weiterhin dafür einsetzt, dass wir aus einer Minderheit am Rande der Legalität nicht zu einer verfolgten Minderheit werden. Das wäre schon christlich.</p>
<p style="text-align: justify;">Pfr. Johannes Taig<br />
Mitglied der Landessynode der ELKB<br />
Mitglied des Grundfragenausschusses<br />
<a href="http://www.pfarrverein-bayern.de/ablage/kblatt-1108.pdf" target="_blank">Korrespondenzblatt Nr. 8</a>/2011, S. 149</p>
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		<title>Gründungsversammlung Gemeindebund  Bayern am 4. Februar 2012</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 13:41:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemeindebund Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindebünde]]></category>

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		<description><![CDATA[Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Interessierte, FreundInnen und UnterstützerInnen von Aufbruch Gemeinde, auf dem Kirchentag in Dresden haben wir großen Zuspruch für unsere Sache erfahren. Mit einigen von Ihnen kamen wir ins Gespräch und Sie haben Ihre Bereitschaft signalisiert, &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=220">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Interessierte, FreundInnen und UnterstützerInnen von Aufbruch Gemeinde,</p>
<p style="text-align: justify;">auf dem Kirchentag in Dresden haben wir großen Zuspruch für unsere Sache erfahren. Mit einigen von Ihnen kamen wir ins Gespräch und Sie haben Ihre Bereitschaft signalisiert, uns zu unterstützen. Andere von Ihnen haben schon längst auf unserer <a href="http://www.aufbruch-gemeinde.de/unterstuetzer.htm" target="_blank">Unterstützerliste</a> unterschrieben.</p>
<p style="text-align: justify;">Nun sind wir daran, einen „Gemeindebund Bayern“ zu gründen. Darum bitten wir Sie, im Kirchenvorstand Ihrer Gemeinde unser gemeinsames Anliegen vorzubringen. Es wäre schön, wenn wir noch mehr Gemeinden dafür gewinnen könnten. Die vorläufige Satzung und die Beitrittserklärung finden sie unter <a title="http://www.aufbruch-gemeinde.de/gemeindebund.htm" href="http://www.aufbruch-gemeinde.de/gemeindebund.htm" target="_blank">http://www.aufbruch-gemeinde.de/gemeindebund.htm</a>.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Gemeindebund soll sich stark machen für die einzelnen Ortsgemeinden – vergleichbar vielleicht dem Städtetag auf kommunaler Ebene.</p>
<p style="text-align: justify;">Am <strong>4. Februar 2012</strong> findet die Gründungsveranstaltung in Nürnberg, in der Gustav-Adolf-Kirche statt. Bitte merken Sie sich diesen Termin vor. Nähere Informationen werden rechtzeitig bekanntgegeben.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir wünschen Ihnen alle Gute und würden uns freuen, bald von Ihnen zu hören.</p>
<p style="text-align: justify;">Herzlich Grüße!</p>
<p style="text-align: justify;">Im Namen des Sprecherkreises</p>
<p style="text-align: justify;">Dr. Gerhard Schoenauer</p>
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		<title>Der Virus des Besonderen</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Mar 2011 20:17:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemeindeentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer mit dem Auto übers Land und über Autobahnen fährt, erfährt dabei viel Neues. Schilder zum Beispiel sagen, was diese Stadt, auf die man zufährt, so ganz besonders auszeichnet. Erlangen z.B., das ist die Medizin- und Universitätsstadt. Fürth, gleich neben &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=203">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Wer mit dem Auto übers Land und über Autobahnen fährt, erfährt dabei viel Neues. Schilder zum Beispiel sagen, was diese Stadt, auf die man zufährt, so ganz besonders auszeichnet. Erlangen z.B., das ist die Medizin- und Universitätsstadt. Fürth, gleich neben dran, die Denkmalstadt. Das kleine Buttenheim in Richtung fränkische Schweiz, ist die Jeans-Gemeinde, stammt doch aus dieser Gemeinde der Erfinder der Jeans, Levi Strauss. Und das mittelfränkische Neuendettelsau ist, dank Wilhelm Löhe, die Stadt von Diakonie und Mission. Fast jeder Ort hat etwas Besonderes, das er den Besuchern und Vorbeifahrenden unbedingt mitteilen muss. Kein Ort ist einfach mehr ein Ort, jeder Ort ist etwas ganz Besonders, hat ein besonders Profil. Die Orte Bayerns und darüber hinaus ein Sammelsurium von Besonderheiten. Einfach so Gemeinde sein, das gibt´s nicht mehr.</p>
<p style="text-align: justify;">Der neue Doppeljahrgang der Studierenden kommt. Die junge Generation sucht gezielt. Ging man früher an eine Universität in der Nähe oder Ferne, um die Welt zu erkunden, so gibt es heute neue Kriterien, neue Wege. RankingListen sind gefragt, Elite-Universitäten bieten sich an, Sonder-Studiengänge mit impliziter Karriereplanung stehen hoch im Kurs. Die besondere Universität sollte es sein, der exquisite Studiengang. Und wer an einer Normalo-Fak studiert, ist schon der Dumme. Das Studieren als Erwerb von Grundbildung, ein solides Grundstudium, wer will das schon? Und bei diesem Trend zum Besonderen, da möchte die Kirche nicht zurück stehen. Die EKD-Studie „Kirche der Freiheit“ ist hier ein anschlussfähiges Denk-Papier für die Kirche von morgen. Das Besondere ist Programm geworden. Gleich 12 herausragende Leuchtfeuer, Brennpunkte des evangelischen Geistes in postmodernen Finsternissen werden entzündet. Kompetenzzentren werden gegründet, besonderen Kirchen in der EKD eine profiliert-profilierende Schlüsselfunktion zugeschrieben. Die Stuttgarter Stiftskirche wird zur Missionskirche – und das findet sich dann bald auch auf den Ortsschildern: Sie erreichen Stuttgart, schwäbische Metropole, Deutschlands Missionskirche.</p>
<p style="text-align: justify;">Dass aus den Leuchtfeuern mittlerweile Strohfeuer geworden sind, hat die Zukunftswerkstatt der EKD in Kassel 2009 gezeigt. Ob allerdings die dabei anfallende Asche zur Buße verwendet wird, ist offen, man müsste daraus erst ein neues Kompetenzzentrum machen. Der Trend zum Besonderen ist – ob Stadt, Uni oder Kirche – immer wieder verbunden mit dem Stichwort des Profils, der Idee der Profilierung, die herausheben soll aus dem Üblichen und dem Allgemeinen, die mediale Aufmerksamkeit und Marktanteile gewinnen soll. Letztlich ist der Trend zum Besonderen ein Marketing-Konzept. Der Blick geht auf die Spitze, auf die Spitzenprodukte und auf Personen an der Spitze. Und das soll sich auszahlen. Vermutlich tut es dies auch, in gewissem Umfang werden wohl mehr Leute „die“ EKD-Kirche für Friedens- und Versöhnungsarbeit in Dresden besuchen (damit sind andere Kirchen von der Friedensarbeit entlastet und können sich den Versöhnungsdienst sparen). Aber es kostet auch etwas: Gelder, Ideen, Kräfte gehen in den Profilierungsprozess – und fehlen vor Ort. Und noch mehr: die Basis, für die ja die Profilierung im besten Fall gedacht ist, um sie zu stärken, verliert weiter an Bedeutung. Oder anders gesagt: es müssen nun auf regionaler und lokaler Ebene nun ebenfalls kleine Leuchtfeuer entzündet werden, um mithalten zu können. Der Virus des Besonderen macht aber bald atemlos und müde.</p>
<p style="text-align: justify;">Und der Virus des Besonderen macht auch vergesslich. Vergessen wird das, was trägt. Die Menschen in einer Stadt interessiert wenig, ob sie in einem touristischen Zentrum leben. Wichtig ist die Grundversorgung mit Wasser und dass der Strom bezahlbar bleibt. Das Ranking der Top-Universitäten schafft Elite-Studierende. Aber die Idee einer soliden Grundbildung für alle, die dann wieder der Allgemeinheit zugute kommt, wird schwächer. Und in der Kirche? Es ist den Kirchgängern wohl herzlich egal, welche Leuchtfeuer leuchten, welche Kompetenzzentren irgendwo stehen, welche Profilierungsprozesse wieder einmal initiiert, welche Imagekampagnen gestartet werden oder ob der Bischof in den Medien ist. Wichtig ist doch viel mehr, dass regelmäßig Gottesdienst gefeiert wird, dass der Konfirmandenunterricht und Religionsunterricht zuverlässig angeboten wird, dass der Pfarrer regelmäßig kommt, und dass es für die Beerdigung einen verlässlichen Ansprechpartner gibt. Gemeinde, das ist ja auch nicht ein Sammelsurium der Superlative in Sachen Menschsein, sondern ist das Miteinander der Normalen, der bunte Haufen, keine menschlichen Highlights, aber das Heilige im Alltäglichen. Und das Pfarramt wäre, wenn man das Wort überhaupt noch möchte, ein Kompetenzzentrum der Normalität. Statt Rennen von Leuchtfeuer zu Leuchtfeuer die Bewährung im Alltäglichen. Volkskirche sagte man früher dazu.</p>
<p style="text-align: justify;">Es wäre schön, wenn etwa eine Landeskirche einen Preis ausschreiben würde, nicht für die beste Gottesdienstidee und nicht für den tollsten Jugendevent, sondern schlicht für die normalste Gemeinde. „Nix Besonderes“ so könnte der Preis heißen. Und das ist zugleich ein hartes Stück Alltags-Arbeit, auch gegen den Trend der Zeit. Und das lohnt sich.</p>
<p style="text-align: justify;">Hans-Jürgen Luibl, Leiter der AEEB, Erlangen<br />
(<a href="http://www.pfarrverein-bayern.de/" target="_blank">Korrespondenzblatt</a>, Nr. 11/2010, S. 185 f.)</p>
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		<title>Zwölf Thesen zur Kirchenreform</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Oct 2010 09:33:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gemeindeentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Zentralisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Isolde Karle 1. Die evangelische Kirche ist von unten, von den Gemeinden her aufgebaut. Sie hat eine föderale Struktur und wird synodal-demokratisch geleitet. Als Kirche der Freiheit und Kirche der Vielfalt ist ihr eine hierarchische, einheitliche, autoritäre Struktur fremd. &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=192">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Von Isolde Karle</p>
<p style="text-align: justify;">1. Die evangelische Kirche ist von unten, von den Gemeinden her aufgebaut. Sie hat eine föderale Struktur und wird synodal-demokratisch geleitet. Als Kirche der Freiheit und Kirche der Vielfalt ist ihr eine hierarchische, einheitliche, autoritäre Struktur fremd. Prinzipiell haben alle Christen teil am Lehr- und Leitungsamt der Kirche. Tendenzen innerhalb der EKD und mancher Kirchenleitungen, die Kirche von oben her, top down, zu steuern, widersprechen dem Wesen des Protestantismus. Evangelische Kirchenleitung ist herausgefordert von oben von unten her zu denken. Reformvorschläge der Kirchenleitung müssen deshalb dem offenen Diskurs ausgesetzt werden und können nur gelingen, wenn sie von einer breiten Basis unterstützt, mitgetragen und befürwortet werden.</p>
<p style="text-align: justify;">2. Die evangelische Kirche wächst aus den Gemeinden, den lokalen Zusammenschlüssen von Christinnen und Christen. Kleinere Einheiten kommen im Gegensatz zu größeren Einheiten mit wenig bürokratischer Kontrolle aus, weil die persönliche Bekanntschaft und der überschaubare Rahmen eine starke Vertrauensbasis schaffen. Die Vertrautheit von Orten und Personen hat eine kaum zu überschätzende Funktion für die Vermittlung elementarer Grundsicherheit. Die Bedeutung solcher Grundsicherheit nimmt mit der Anonymität und Mobilität der Gesellschaft eher zu statt ab.</p>
<p style="text-align: justify;">3. Für die Kirchlichkeit des Protestantismus ist Gemeindereligiosität unverzichtbar. In den Gemeinden ringen nicht nur theologische Experten, sondern Menschen aus unterschiedlichsten Berufsgruppen und Milieus darum, wie Kirche gestaltet werden soll. Hier gewinnt Kirche Kontur und Anschaulichkeit. Hier werden lebenslange Loyalitäten und Bindungen geschaffen, die für die Stabilisierung der Kirchenmitgliedschaft und die Bereitschaft, die Kirche finanziell zu tragen und zu unterstützen, essentiell sind.</p>
<p style="text-align: justify;">4. Der Pfarrberuf ist Schlüsselberuf für die evangelische Kirche. Eine Pastorin kann die enorme Vielfalt und Komplexität ihrer Aufgaben nur dann bewältigen, wenn sie das Vertrauen der Menschen genießt und weitgehend autonom entscheiden kann, ob, wann und wie gehandelt werden soll. Neben den überprüfbaren theologischen Kompetenzen eines Pastors sind deshalb Glaubwürdigkeit, Charisma, Intuition und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, entscheidend für den Pfarrberuf als Profession.</p>
<p style="text-align: justify;">5. Die Kirche ist auf intrinsisch motivierte Pastorinnen/Pastoren und Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter angewiesen. Intrinsische Motivation lässt sich von außen nicht erzeugen, wohl aber beeinträchtigen und zerstören. Nicht-Zutrauen ist eine wesentliche Ursache für Demotivation. Geht die Identifikation mit der Sache verloren, weil das planvolle Erfüllen von Zielvereinbarungen in den Vordergrund rückt, führt das zur Ent-Identifikation und Demotivation. Wichtiger als jedes Reformprogramm ist es, die Attraktivität des Pfarrberufs zu fördern, damit auch künftig theologisch qualifizierter Nachwuchs gewonnen werden kann.</p>
<p style="text-align: justify;">6. Das Grundproblem vieler Kirchenreformprogramme ist, dass sie zuviel Steuerbarkeit und Planbarkeit unterstellen, dass sie Prozesse organisieren wollen, die sich nicht organisieren lassen. Die Kirche manövriert sich dadurch in einen Aktivismus hinein, der große Frustrationen hervorrufen und die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erschöpfen, auslaugen und überfordern wird. Die Organisation Kirche ist herausgefordert, die Rahmenbedingungen einer nicht zentralistischen Kirche so zu verbessern, dass die Wahrscheinlichkeit interaktiver Begegnungen und informeller Beziehungen steigt und Menschen sich gern in ihr und für sie engagieren.</p>
<p style="text-align: justify;">7. Der Glaube kann nicht gekauft werden wie ein Produkt. Menschen entscheiden sich nicht nach Belieben für oder gegen den Glauben. Es ist insofern unwahrscheinlich, dass insbesondere distanzierte Kirchenmitglieder religiöse Angebote an weit entlegenen Orten wahrnehmen und für sich beanspruchen. Es bedarf in der funktional differenzierten Gesellschaft starker Zentren und überregionaler Angebote und Vernetzungen, aber diese dürfen nicht gegen die Gemeindekirche ausgespielt werden. In der Regel entwickeln sich religiöses Interesse und religiöse Identität über das selbstverständliche »Mitlaufen« in familiärer und kirchlicher Sozialisation, nicht über eine spontan getroffene Entscheidung.</p>
<p style="text-align: justify;">8. In der Vielfalt ihrer Lebensformen ist die Familie die grundlegende und nachhaltigste Sozialisationsinstanz. Der Einfluss der Eltern-und Großelternpersonen ist für die Kirchenbindung der allermeisten Menschen entscheidend. Zugleich ist die Familie gerade in religiöser Hinsicht auf Unterstützung angewiesen. Da die Erziehung von Kindern und Jugendlichen vornehmlich lokal orientiert ist, haben die Kirchengemeinden (neben dem Religionsunterricht an Schulen) hier eine zentrale Aufgabe. Eine Kirche, die gegen den Trend wachsen will, findet in diesem Bereich am ehesten Anknüpfungspunkte.</p>
<p style="text-align: justify;">9. Kirchengebäude gehen in ihrer Bedeutung über ihre unmittelbare Funktion, Versammlungsort für Christinnen und Christen zu sein, weit hinaus. Als sakrale Orte erinnern sie an existentielle Fragen der Religion. Sie sind exemplarische Orte der Präsenz Gottes in der Welt. Citykirchen sind Orte der kulturellen, Lokalkirchen vor allem Orte der biographischen Erinnerung. Kirchen symbolisieren in ihrer Stetigkeit und äußerlichen Invarianz die Unverfügbarkeit individueller und kollektiver Daseinsbedingungen.</p>
<p style="text-align: justify;">10. Die mediale Präsenz der Kirche ist in der Mediengesellschaft von großer Bedeutung im Hinblick auf das Image und die gesellschaftliche Einflussmöglichkeiten der Kirche. Gleichwohl sind die lokalen Öffentlichkeiten nicht zu vernachlässigen. Sie sind sowohl zivilgesellschaftlich als auch für die gelebte Kirchlichkeit zentral und stellen überdies ein wichtiges Korrektiv der Massenmedien mit ihrer Neigung zur Simplifizierung und zum Alarmismus dar. Reale Begegnungen und reale Räume behalten auch in Zeiten fortschreitender Virtualisierung der Gesellschaft eine hohe Bedeutung. Die Kirche lebt in ihren grundlegenden Vollzügen von leiblicher, verletzlicher, auf den Nächsten bezogener Kommunikation.</p>
<p style="text-align: justify;">11. Durch die Ökonomisierung der Kirche entsteht eine Eigendynamik der Organisation, die sich theologischen Beurteilungskriterien mehr und mehr entzieht. An die Stelle theologischer Steuerung tritt immer stärker eine managementförmige Steuerung. Theologie wird zur legitimierenden Zweitcodierung. Für die Kirche der Zukunft ist es unabdingbar, dass sie wieder zu einem eigenen theologischen Selbstverständnis findet, dass sie religiös sprachfähig ist und sich als Organisation nicht von den Zwängen ökonomischer Logik fremdbestimmen lässt. Die Kirche ist Teil der Gesellschaft und zugleich Gegenhorizont zu einer durchrationalisierten, leistungsorientierten Welt. Sie symbolisiert das Unverfügbare, nicht Mess- und Berechenbare und darin das Angewiesensein auf Gottes Güte, Gnade und Erbarmen.</p>
<p style="text-align: justify;">12. Die eigentliche Krise der Kirche ist nicht eine Finanz-, sondern eine theologische Orientierungskrise. Was hat die Kirche Menschen in der modernen Gesellschaft zu sagen? Wie lässt sich theologisch substantiell und zugleich existentiell relevant von Gott reden, von Kreuz und Auferstehung, von Sünde und Vergebung, von Gnade, Liebe und Gerechtigkeit? Wie beheimaten sich Menschen im christlichen Glauben? Hier liegt die eigentliche Herausforderung, der sich Theologie und Kirche stellen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;">Quelle: Isolde Karle, „Kirche im Reformstress“, Gütersloh 2010, S. 256ff.<br />
(<a href="http://www.amazon.de/Kirche-im-Reformstress-Isolde-Karle/dp/3579081195/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1286960901&amp;sr=8-1" target="_blank">Buch bestellen</a>)</p>
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		<title>Der Landesbischof/die Landesbischöfin – mehr als ein Name!</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Aug 2010 07:31:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Taig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bischofsamt/Bischofswahl]]></category>

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		<description><![CDATA[FORUM AUFBRUCH GEMEINDE Im Frühjahr 2011 steht die Wahl eines neuen Landesbischofs oder einer Landesbischöfin (im Folgenden wechselnd gebraucht) der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern an. Mit einer ersten Liste möglicher Kandidaten und Kandidatinnen hat das Sonntagsblatt die Diskussion um Namen &#8230; <a href="http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=184">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">FORUM AUFBRUCH GEMEINDE</p>
<p style="text-align: justify;">Im Frühjahr 2011 steht die Wahl eines neuen Landesbischofs oder einer Landesbischöfin (im Folgenden wechselnd gebraucht) der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern an. Mit einer ersten Liste möglicher Kandidaten und Kandidatinnen hat das Sonntagsblatt die Diskussion um Namen und Personen eingeleitet. Dem Forum „Aufbruch Gemeinde“ erscheint das als der falsche Weg. Richtiger wäre es, sich über das jetzt erforderliche Profil dieses Amtes zu verständigen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die momentane kirchliche Situation kann nur als kritisch beschrieben werden, wenn man an  Finanzen, Mitgliederentwicklung, schwindenden Kirchenbesuch, die Skandale der jüngsten Zeit, das öffentliche Image und die sinkende Wertschätzung der Theologie an den Universitäten denkt. Die Krise stellt eine inhaltliche Herausforderung dar und darauf muss die Kirche auch mit einem inhaltlichen Profil reagieren. Es genügt also nicht, nur die klassischen Eigenschaften von einem kommenden Landesbischof zu erwarten: Eine seelsorgerliche Grundeinstellung und Kompetenz sowie die Kraft zur Integration unterschiedlichster Menschen und Gruppen. Integrationskraft ist zwar wichtig, aber mindestens ebenso theologische Positionierungskraft angesichts der Herausforderungen. Darum sind aus unserer Sicht wenigstens folgende vier Eigenschaften nötig:</p>
<ol style="text-align: justify;">
<li>Als repräsentative Stimme ihrer Kirche muss die Landesbischöfin das Evangelium konkret und lebensrelevant,  mit profetischem Biss und christlicher Zuversicht verkündigen. Wir erwarten, dass sie kompetent Gottesdienst feiern kann.</li>
<li>Als Moderator in vielen innerkirchlichen Prozessen muss der Landesbischof einen partizipativen und diskursiven Leitungsstil pflegen, der innerkirchliche Kritik nicht nur zulässt, sondern als wesentlich für eine konziliare Meinungsbildung fördert.</li>
<li>Als Vertreterin ihrer Kirche auf ökumenischer Ebene muss der Landesbischöfin ein evangelisches Kirchenverständnis am Herzen liegen, das Abstand nimmt von allen zentralistischen Gestaltungsprinzipien und vielmehr auf die Stärkung des Priestertums aller Glaubenden setzt. Selbstverantwortung und Mitverantwortung muss sie auf allen kirchlichen Ebenen stärken, insbesondere auf der Gemeindeebene.</li>
<li>Als Repräsentant seiner Kirche muss der Landesbischof in der Lage sein, theologisch begründet Stellung zu gesellschaftlichen Fragen zu beziehen und sie profiliert in die öffentliche Diskussion einzubringen.</li>
</ol>
<p style="text-align: justify;">Forum &#8220;Aufbruch Gemeinde&#8221; im Juli 2010</p>
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