Die „gärtnernde“ Kirche – Newsletter August 2017

Von Visionen, Humus und Dünger

Von Pfr. Hans-Ulrich Pschierer

Der in diesem Jahr verstorbene Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman hat im Blick auf die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts konstatiert: „Die Moderne ist das Zeitalter artifizieller gesellschaftspolitischer Entwürfe, das Zeitalter der Planer, Visionäre (…) und ‚Gärtner‘, die die Gesellschaft als jungfräuliches Stück Land auffassen, das unter fachmännischer Obhut zu bestellen und zu kultivieren ist. Der Ehrgeiz und die Anmaßung auf diesem Gebiet ist grenzenlos.“ Bauman sah neben den Segnungen der Moderne die teilweise zerstörerische Eigendynamik ihrer „rational-technisierten Tendenzen“. Er identifizierte diese Tendenzen in der „Einschränkung der Interessenvertretung und Selbstverwaltung an der gesellschaftlichen Basis“ und dem dadurch bedingten „Angriff auf den sozialen und kulturellen Pluralismus.“ (Z. Bauman, Dialektik der Ordnung, Hamburg 2012, 3. Aufl., S.128f.)

Auch unsere Kirche hat in den letzten Jahrzehnten viele Planer, Visionäre und „Gärtner“ gesehen. Immer ging es dabei um eine bessere Organisation des Gartens mit dem Ziel der Bestandssicherung. Kirchengemeinden, bisher Basis der Kirche, kamen in diesem Denken vor allem als defizitär, weil angeblich milieuverengt und ohne große Ausstrahlung in den Blick.  Im Bestreben, die „Beete zu reinigen“, griff man diese Basis an. Die Zukunft der Kirche sah man in Zentralisierung und in einer Stärkung von spezialisierten und funktionalen Diensten. In seiner Auswertung zur letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) konstatiert Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD mit Blick auf die letzte große „Vision“ von Kirche: „So stellte das Reformpapier der EKD ‚Kirche der Freiheit‘ in großen Teilen geradezu ein Abschaffungsprogramm von Kirchengemeinden dar und propagiert anstelle von ihnen unter dem Titel der ‚Leuchtfeuer‘ religiöse Dienstleistungszentren, die nunmehr die religiöse Versorgung der Bevölkerung angesichts schwindender Ressourcen möglichst effizient organisieren soll.“ (G. Wegner, Religiöse Kommunikation und Kirchenbindung, Leipzig 2015, S.102)

Auch die bayrische Landeskirche hat nicht nur diesen Prozess mit finanziellen und personellen Ressourcen unterstützt, sondern insgesamt eine große Umverteilung zum Nachteil der Gemeinden vorgenommen. Aus dem letzten von OKR Hübner vorgelegten innerkirchlichen Finanzausgleich geht hervor, dass der Anteil der Gemeinden am  verteilbaren Kirchensteueraufkommen in den Jahren 2007 bis 2015 drastisch verringert wurde. Das verteilbare Kirchensteueraufkommen ist um 37 % gestiegen, der Gemeindeanteil aber um 14% gesunken. In den Gemeinden hat sich das in der personellen und finanziellen Ausstattung deutlich negativ ausgewirkt. Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen. In meiner bisherigen Dienstzeit war ich nach 7 Jahren Gemeindedienst 9 Jahre am Predigerseminar und hatte Einblick in viele andere funktionale Arbeitsbereiche.

Seit 7 Jahren bin ich nun wieder in der Gemeinde. Schon in der Ausstattung mit Sekretär-, Mesner- und Hausmeisterstunden ist der Unterschied zwischen beiden Diensten deutlich spürbar. Von Zeitbudgets, um sich angemessen vorzubereiten, auf Ungeplantes zu reagieren und an der Qualität zu arbeiten, will ich gar nicht reden. Klaus Raschzok hat in seinem Artikel im Korrespondenzblatt zum Verhältnis von Gemeinde- und Funktionspfarramt vom „Neidfaktor“ gesprochen (KorrBl. 2017/5 S.79) Angesichts der tatsächlichen Verhältnisse muss solcher „Neid“ m.E. nicht verwundern.

Entsprechend hat seit vielen Jahren eine Bewegung in Richtung Funktion eingesetzt, die auch von anderen Faktoren unterstützt wird, die Wegner verdeutlicht: „Ganz praktisch setzt sich die Distanz gegenüber Kirchengemeinden dann auch in pastoralen Karrierewegen um. Für viele Pastoren ist der Weg aus der Kirchengemeinde heraus in den  übergemeindlichen Dienst oder in kirchliche Leitungsämter ein Stück Befreiung, da sie auf diesen Ebenen besser über ihre Arbeitszeit verfügen und auf größere Distanz(!) zu den immer wieder andrängenden Wünschen der Kirchenmitglieder und zu dem ach so diffusen Arbeitsprofil in den Kirchengemeinden geraten können.“ (a.a.O. S.103) Klaus Raschzok beklagt entsprechend das „Funktionsstellen-Hopping“ angesichts von Unlust oder Unfähigkeit zum Gemeindedienst (ebd.). Einige „hoppen“ noch nicht mal. Sie „hocken“ vielmehr und bauen ihre Macht aus. Nicht wenige Stellen in den Werken und Diensten sind seit vielen Jahren, teilweise seit Jahrzehnten gleich besetzt.

Freilich hat sich die Marginalisierung der Gemeinden durch die Ergebnisse der letzten KMU empirisch als Fehlentwicklung herausgestellt. Es hat sich gezeigt, dass die Ortsgemeinden durch ihre verschiedenen Arbeitsbereiche und über die Milieus hinweg deutlich mehr Mitglieder ansprechen und binden, als durch funktionale Dienste zu erreichen sind. In einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.3.2017 kommt der führende Religionssoziologe Detlef Pollack zu Wort: „Die Kirche habe ihr Geld lange in ‚funktionale Dienste‘ fernab der Gemeinden investiert, sagt Pollack. ‚Diese Werke und Dienste werden nach der Studie jedoch kaum in Anspruch genommen.‘ Mittlerweile liegt  die Veröffentlichung der Studie drei Jahre zurück. Was ist seither passiert? Pollack spricht von einer ‚ganz persönlichen Leidenserfahrung‘. Die Datenlage sei eindeutig, aber gehandelt werde nicht.“ (FAZ „Wo bleibt die Kirchensteuer?“ von Reinhard Bingener) Wegner bestätigt das und bringt uns wieder zu Bauman und zum Thema Garten zurück: „Es scheint (…) eben gerade die Diffusität der kirchengemeindlichen Kommunikation zu sein, die einen Humus für sozial-integrative, sozialmoralische bis sozial-protestative Haltungen bietet.“ (a.a.O. S. 116)

„Hier liegen Schätze (…), die durch stärkere Formatierung – insbesondere in Formen neoliberaler Governance – ausgeschaltet würden.“ (a.a.O. S.118). Für die in Jahren des Gemeindepfarramts ausgebildete und offenbar keineswegs selbstverständliche Fähigkeit, sehr verschiedene Arbeitsformen nicht nur zu bewältigen, sondern fruchtbar aufeinander zu beziehen, kennt die kirchliche Personalentwicklung keine Anerkennung außer dem Angebot, eine Sonderstelle anzunehmen, also sich zu spezialisieren und in die Funktion zu gehen. Karrieren in der Kirche führen nicht in die viel beschworene größere „Nähe zu den Menschen“, sondern vor allem in größere Nähe zur Organisation und ihrer Hierarchie. Gemeinsam mit der finanziellen Hungerkur stellt deshalb die Abwertung des Gemeindepfarramts einen Angriff auf den sozialen und kulturellen Pluralismus in der Kirche dar, wie ihn Bauman als Gefahr für die Gesellschaft konstatiert. Sie fördert außerdem die Erosion der kirchlichen Basis.

Doch der von Bauman genannte Ehrgeiz und die Anmaßung der „Gärtner“ bleibt davon unbeeindruckt. Ja, er nimmt teilweise absurde Formen an, etwa in der Behauptung, dass Gemeindepfarrerinnen 80 % ihrer Arbeitskraft nur in die Hochverbundenen stecken würden. Man fragt sich, wer da gerechnet hat. Schon die 6 Pflichtstunden Religionsunterricht sind etwa 20-25% einer pädagogischen Vollzeitstelle (und tragen nebenbei bemerkt positiv nicht unerheblich zur Refinanzierung der Gemeindestellen bei und auch negativ zur Attraktivität der vielen vom Unterricht befreiten Funktionsstellen). Von den 75%, die eine Gemeinde also faktisch noch vom Pfarrer hat, bestreitet er wenigstens die Kasualien, in meinem Fall noch die Betreuung von drei gemeindlichen Kindertagesstätten, weiterhin – in Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen – den monatlichen Familiengottesdienst, den Gemeindebrief, die Konfiarbeit zusammen mit der Kollegin, die Seelsorgebesuche bei – bis dahin oft  unerreichten – Menschen zuhause und die Gottesdienste, die schon allein an den kirchlichen Festen weit über den Kreis der Hochverbundenen hinausgehen. Das differiert natürlich unter den Kolleginnen und Kollegen, aber ungewöhnlich ist mein Stellenprofil nicht. Wer glaubt,  ich hätte nur mit Hochverbundenen zu tun, kann gerne mal vorbeikommen. Hier wird  einfach etwas erfunden, um dann „ex negativo“ zu argumentieren, nach dem Motto: Die Gemeinden erreichen nur Hochverbundene, also müssen die Gelder heraus aus den Gemeinden und hinein in die überparochiale Arbeit. Da sind wir wieder im Garten. Soll der Hase doch rennen. Am Ende der Furche steht immer ein Igel und ruft: „Ich bin schon da!“  Der Nachweis, dass man durch diese Umverteilung – mit vertretbarem Ressourceneinsatz! – all die sogenannten Distanzierten erreicht, steht noch aus und scheint schon allein  angesichts der Kirchenentwicklung der letzten 30 Jahre nicht zu erbringen.

Der versierte Gärtner neigt deshalb dazu, nicht nur ein Apfelbäumchen zu pflanzen, sondern zur Sicherheit gleich noch ein paar Kisten Äpfel dazu zu ordern, um bei der Ernte gut da zu stehen und nichts „dem Zufall“ oder sollte ich besser sagen „dem lieben Gott“ zu überlassen.

„Oberhalb“ der Gemeindeebene scheut man keinen Aufwand, um den Misserfolg strategisch auszuschließen. Am verschwenderischen Ressourceneinsatz für kirchliche Prestigeprojekte und deren mediale Vermarktung ließe sich das vielfach nachweisen. Dabei werden oft gar keine konkreten Ziele benannt. So kann man sie nicht verfehlen. Für „Visionen“ muss man eben auch einmal „Geld in die Hand nehmen“, heißt es dann gerne. Mit diesen Ressourcen werden im schlimmsten Fall auch noch Imagekampagnen mit identitärem Beigeschmack finanziert. Dann schaut z.B. Jahre lang von jeder kirchlichen Handreichung ein irritierend deutscher, schwarz-rot-goldener Luther herunter. Eine Kirchenleitung, die dergestalt auf die medial vermittelbare Corporate Identity setzt, hat vor der Sperrigkeit und Komplexität der eigenen Botschaft längst kapituliert. Aber wehe, man würde sich das sparen und jede Gemeinde auf ihre Art der Reformation gedenken lassen.

Im Gegenzug nimmt man hässliche Begleiterscheinungen in Kauf: Bei seit Jahren stetig steigenden Steuereinnahmen setzen viele Gemeinden, weil sie unter ständigen Sparzwang gestellt werden, gerade bei den Kasualien ihren Service herunter und die Gebühren hoch. Anderes Beispiel: Für eine Gemeinde wie unsere mit fast 4000 Seelen (das sind anteilig deutlich über eine Million an erbrachten Kirchensteuern), sieht die magere Schlüsselzuweisung einfach keine Stunden für hauptamtliche Jugendarbeit vor. Das ist sehr schmerzlich für uns, weil wir viele Jugendliche haben, die sich gerne engagieren. Nun kann eine Gemeinde mit gutem Grund einfach auf die Dekanatsebene oder die nächstgelegene Jugendkirche verweisen und viele tun das auch. Manchmal fragt vielleicht noch jemand leise, ob die bayrische Landeskirche wirklich diesen oder jenen Beauftragten braucht und wie sie damit die Milieuverengung aufbrechen will. Aber die meisten schweigen, um nicht als „unsachlich“ zu gelten. Wenn die Jugendlichen auf der Dekanatsebene nicht ankommen, machen die klugen „Gärtner“ auf ein „Vernetzungsproblem“ aufmerksam. Früher wären viele Kollegen daraufhin noch Mitglied einer Arbeitsgruppe geworden, die sich mit diesem Problem beschäftigt.

Nach einschlägigen Erfahrungen zucken inzwischen die meisten nur noch bedauernd die Schultern. Das Ergebnis: Verantwortung versickert! Nach Bauman ist auch dies ein typischer Mechanismus einer rational-technisierten Moderne.

Um der finanziellen Austrocknung abzuhelfen, schicken die „Gärtner“ Fundraising- beauftragte, die dafür sorgen, dass Gemeinden von nun an bei allem, was sie tun, stets zuerst und zuletzt um mehr Geld bitten. Dann werden z.B. Kirchgeldbriefe verschickt mit dem Verweis, dass dieses Geld „direkt den Gemeinden zu Gute komme“. Distanziertere fragen sich da, was denn bitte mit der Kirchensteuer selbst geschieht. Werbeaktionen werden gestartet, für die natürlich auch die Gemeindepfarrerin als „Gesicht“ der Gemeinde zusätzlich Zeit und Energie aufbringen muss. Immer mehr „guten Ideen“ flattern in die Pfarrämter, während die Ressourcen zur Umsetzung verschwinden. So gliedert die finanzielle Abhängigkeit Gemeinden ein in die funktionale Dynamik der Organisation. Gemeinden werden zu Filialen einer religiösen Organisation mit einem grandiosen finanziellen Appetit. Der „Gärtner“ lobt die Kreativität in der Finanzbeschaffung vor Ort, schaut nebenher aus nach den besten Lehrlingen für eine Gartenbaukarriere. Von innen gesehen ist das schön.  Nur von außen betrachtet scheint das Wasser in diesem Garten immer schneller zu versickern. Wenn die Kirchensteuerzahlerin zusammen mit dem – schön gestalteten – Kirchgeldbrief die Zeitungsnachricht von kirchlichen Rekordeinnahmen auf dem Tisch hat, drängt sich ihr der Eindruck auf, dass hier die Gier zur rational-technisierten Grundhaltung geworden ist. In vielen Gesprächen gerade mit den Distanzierten und den Nicht-Mitgliedern, sehe ich mich als Gemeindepfarrer immer öfter herausgefordert, mich genau dafür zu rechtfertigen. Eine der Kirche verbundene Bekannte holte auf Wunsch ihrer kranken Schwiegereltern einen Kollegen für ein Krankenabendmahl. Er kam, tat seine Arbeit und beim Gehen drückte sie ihm ein Kuvert mit 20 Euro in die Hand. Er schaute hinein und merkte an, dass dieser Service eigentlich 50 Euro koste. Sie gab ihm die fehlenden 30 Euro und trat am nächsten Tag aus. Solche „Kreativität“ in der Finanzbeschaffung spricht sich  auch so herum. Da brauchen wir nicht einmal eine „best-practice“ – Kampagne.

Wer den Gemeinden bei steigenden Einnahmen seit Jahren immer mehr Mittel vorenthält, treibt sie in Sorge und Aktionismus und damit in die Unglaubwürdigkeit und Distanz zu den Mitgliedern. Die Fixierung auf den Selbsterhalt im Verbund mit der ständig präsenten Mitgliedschaftsfrage führt nicht in die Nähe, sondern in immer größere Ferne zu den Menschen. Die Botschaft von Gottes Hingabe am Kreuz, die jeder Angst und Sorge um den Selbsterhalt grundlegend widerspricht und die vor Ort in Verkündigung, Unterricht,  Seelsorge und Feier gelebt werden muss, ist immer noch vielen Menschen ihre  Kirchensteuer wert. Weniger binnenkirchlich, sondern aus der Distanz betrachtet, wird diese Botschaft angesichts der gezeichneten Fehlentwicklung immer mehr zum Zeugnis gegen die Kirche selbst.

Bauman sieht die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts nicht nur als Störfälle der Moderne. Sie sind vielmehr auch Folge ihrer rational-technisierten und funktionalistischen Tendenzen. Seine Analyse zielt darauf, dass auch ein repräsentatives, demokratisches  System vor diesen Tendenzen nicht gefeit ist. Hier liegen m.E. wichtige kritische Impulse für die Kirchentwicklung. Dabei geht es nicht um die Idealisierung von Kirchengemeinden, sehr wohl aber um die Stärkung ihrer Selbstverwaltung und Eigenverantwortung und gegen ihre funktionale Entmündigung über den finanziellen und personalplanerischen Hebel. Es wird gerne betont, dass funktionaler und parochialer Dienst, Gesamtkirche und Kirchengemeinde, nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Genau das geschieht aber seit Jahren zum Nachteil der Parochie. Deshalb ist die weder theologisch noch empirisch zu rechtfertigende finanzielle Benachteiligung der Ortsgemeinden aus den letzten Jahrzehnten zu korrigieren.

Gerade in ihrer Diversität sichern Gemeinden sozialen und kulturellen Pluralismus in der Kirche und der Gesellschaft. Sie sind in aller menschlichen Bedingtheit die soziale Gestalt, inmitten derer die Botschaft konkret und plausibel, aber auch befragbar und gestaltbar ist. Seit fast 10 Jahren macht der „Aufbruch Gemeinde“ und der daraus entstandene „Gemeindebund“ auf die Fehlentwicklung in unserer Kirche aufmerksam. Dafür mussten sich die Kritikerinnen und Kritiker oft als „Nestbeschmutzer“ bezeichnen lassen. Das passt nun wieder zum Thema Garten. In einer Kirche, die sich als Garten Gottes versteht, könnte offene Kritik ja der Dünger sein!

Hans-Ulrich Pschierer, Pfarrer in Fürth,
V.i.S.d.P.: Gemeindebund Bayern
Im Sprecherkreis „Gemeindebund Bayern – Aufbruch Gemeinde“

Der Newsletter als PDF

6. Aktions- und Gemeindetag des Gemeindebund Bayern am 25. Juli in Nürnberg

Prof. Dr. Ark Nitsche (Foto ELKB, Rost)

Im Gemeindebund Bayern sind derzeit ca. 40 Kirchengemeinden unterwegs mit dem Ziel, die Gemeinden vor Ort zu stärken, die Finanzierung der Gemeinden kritisch zu durchleuchten und neue Wege zu initiieren. Es ist uns ein Anliegen, theologisch über den zukünftigen Weg unserer Kirche nachzudenken und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir möchten ein Forum für die Gemeinden bieten, Lobbyarbeit für die Gemeinden leisten in Anlehnung an den Städtetag. Nähere Informationen finden Sie auch auf unserer Homepage.

Gelegenheit zur Information und zum Gespräch bietet der Aktionstag am Samstag, den 25. Juli 2015 in Nürnberg, bei dem auch Regionalbischof Dr. Ark Nitsche anwesend sein und sich unseren Fragen stellen wird. Unser Hauptthema an diesem Tag lautet: „Gut, gern und wohlbehalten als Pfarrerin/Pfarrer arbeiten“. Wir mischen uns ein in die Diskussion in der Landeskirche über das Pfarrerbild. Auf unserer Webseite finden Sie mehr zum Thema.

Da neben den Mitgliedern des Gemeindebundes nur begrenzte Plätze zur Verfügung stehen, werden wir diese Plätze entsprechend dem Eingang der Anmeldung vergeben. Wo Sie sich anmelden können und weitere Informationen auf unserer Webseite: http://www.aufbruch-gemeinde.de/aktionstag6.htm

5. Aktionstag am 27. September 2014 in Nürnberg

logogembundkleinSehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren des Kirchenvorstands, sehr geehrte Interessierte,

Wir dürfen Sie sehr herzlich zum Aktionstag des Gemeindebunds Bayern einladen. Im Gemeindebund Bayern sind derzeit ca. 35 Kirchengemeinden unterwegs mit dem Ziel, die Gemeinden vor Ort zu stärken, die Finanzierung der Gemeinden kritisch zu durchleuchten und neue Wege zu initiieren. Es ist uns ein Anliegen, theologisch über den zukünftigen Weg unserer Kirche nachzudenken und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir möchten ein Forum für die Gemeinden bieten, Lobbyarbeit für die Gemeinden leisten in Anlehnung an den Städtetag.

Gelegenheit zur Information und zum Gespräch bietet der Aktionstag am Samstag, den 27. September 2014 in Nürnberg, bei dem auch unser Landesbischof Prof. Dr. Bedford-Strohm, die Präsidentin der Landessynode Frau Preidel, sowie OKR Dr. Hübner vom Gemeindereferat anwesend sein und sich unseren Fragen stellen werden. Da neben den Mitgliedern des Gemeindebundes nur begrenzte Plätze zur Verfügung stehen, werden wir diese Plätze entsprechend dem Eingang der Anmeldung vergeben.

Alle Infos und Berichte finden Sie auf unserer Webseite: http://www.aufbruch-gemeinde.de/aktionstag5.htm

Die Einladung als PDF: http://www.aufbruch-gemeinde.de/download/einladung14.pdf

Was stärkt die Gemeinde? – Auf der Suche nach einer Gemeindetheologie

 „Die Scheidung der Geister, die heute für die Gemeinden am dringlichsten ist, hat es mit der Relativierung und Befreiung der Kirche von einem Effizienz-Denken zu tun, das sich in einer Organisationswut austobt und die Gemeinden daran hindert, auf das zu hören, was der Geist ihnen jetzt sagen will.“ (Christian Möller)

Was stärkt die Gemeinde? – Auf der Suche nach einer Gemeindetheologie

… so lautete das Thema des Vortrags beim Gemeindetag des Gemeindebunds Bayern in Nürnberg am 16. März 2013. Prof. Möller, der beim 1. Aktionstag von „Aufbruch Gemeinde“ 2008 in Nürnberg gesprochen hatte, zog eine Bilanz der bisherigen EKD-Reformprozesse und berichtete von den Gruppen, die sich EKD-weit kritisch mit den Entwicklungen in ihren Landeskirchen auseinandersetzen.

Prof. Christian Möller, Heidelberg
Prof. Christian Möller, Heidelberg

Stand am Anfang von „Aufbruch Gemeinde“ vor allem der Protest gegen die Entwicklungen im Gefolge des Impulspapiers „Kirche der Freiheit“, so ist es inzwischen Zeit, sich konstruktiv über eine „Theologie der Gemeinde“ Gedanken zu machen. Die vielbeschworene „Krise der Kirche“ ist eine theologische Orientierungskrise.

„Lassen wir den Gedanken an eine weitere Reform einmal ruhen und begeben wir uns stattdessen auf die Suche nach einer Gemeindetheologie, die die Gemeinden gerade in Zeiten von Sparplänen und Stellenreduzierungen stärken und ihnen „Vernunft und alle Sinne“ wecken könnte für eine neue Wahrnehmung der Gemeinde.“ (Prof. Möller)

Lesen Sie hier den ganzen Vortrag als PDF:
http://www.aufbruch-gemeinde.de/download/VortragMoeller13.03.16.pdf

Mehr zum Gemeindetag in Nürnberg finden Sie hier:
http://www.aufbruch-gemeinde.de/aktionstag4.htm

Was wir tun können – Konkrete Schritte

  1. Diskutieren Sie unsere Themen in Ihren Kirchenvorständen und Dekanatsausschüssen. Unsere Themen eignen sich gut, um in ihren Kirchenvorständen und Dekanatsausschüssen diskutiert zu werden. Material dafür finden Sie auf unseren Webseiten und in unserem Blog. Diskutieren und schreiben sie mit!
  2. In diesem Jahr steht die Wahl zur Landessynode an. Es wäre gut, wenn in der Landessynode viele Stimmen vertreten sind, die die Bedeutung der Ortsgemeinden und die Liebe zu ihnen schätzen. Wir sollten die Kandidatinnen und Kandidaten zur Landessynodalwahl befragen, wie wichtig ihnen unser Anliegen ist.
  3. Um eine bessere Verbindung zwischen landesweiten Diensten und Ortsgemeinden zu erreichen, hatten wir den Antrag an die Synode gestellt, dass Pfarrerinnen und Pfarrer erst nach sechs Jahren Gemeindedienst in eine Funktionsstelle im landesweiten Dienst wechseln können. Dieser Antrag wurde leider von der Landessynode zurückgewiesen. Wir könnten einen neuen Anlauf nehmen und viele Gemeinden könnten diesen Antrag unterstützen.
  4. Wenn Sie die Entwicklung der Finanzen Ihrer Kirchengemeinde beobachten, werden sie merken, dass es gerade kleinere Gemeinden in Zukunft kaum schaffen werden, ihren Haushalt ausgeglichen zu gestalten.
  5. Überlegen Sie, was eine erneute Kürzung im Landesstellenplan für Ihre Gemeinde oder Ihr Dekanat bedeuten würde.
  6. Visitationen haben Verfassungsrang und sind ein Instrument kirchenleitendes Handeln zu beeinflussen. Es geht hierbei nicht um eine Inspektion, sondern um einen geschwisterlichen Besuchsdienst, der die Nöte und Sorgen, aber auch die Freuden einer Kirchengemeinde wahrnimmt und den kirchenleitenden Organen weitergibt. Sie können um eine Visitation Ihrer Gemeinde bitten.
  7. Gerne können Sie sich auf unserer Webseite in die Unterstützerliste eintragen lassen oder auf Facebook zeigen, dass Ihnen unsere Anliegen gefallen: www.facebook.com/gemeindebund.bayern. Unterstützen Sie uns durch einen Hinweis auf Ihrer Homepage.
  8. Wenn Sie eine Gemeinde für unseren Gemeindebund gewinnen können, wäre das eine tolle Sache. Je mehr wir werden, desto unüberhörbarer wird unsere Stimme für die Gemeinden sein!

Synode durchbricht ihre eigene Systematik bei der Stellenplanung

„So gut wie alles für die Gemeinden“, so tönt und schreibt es auf allen Kanälen – auch bei der gerade zu Ende gegangenen Frühjahrssynode der ELKB, die vom 18.-22. März 2012 in Augsburg stattfand. Dass alles Geld, das die Landeskirche durch die Kirchensteuern einnimmt, zu 80 % den Gemeinden zugutekommt, ist inzwischen eine stehende Redewendung, die die Existenzberechtigung des Forums „Aufbruch Gemeinde“ und des Gemeindebunds Bayern von vorn herein bestreitet. Wir seien die, die in unnötiger, weil unbegründeter Weise, den Gruppen- und Lagerstreit innerhalb der Kirche schüren, statt für ein gutes Miteinander aller zu sein. Tatsache ist, dass auch 2012 die Kirchengemeinden im Rahmen des innerkirchlichen Finanzausgleichs lediglich über 27 Prozent des Kirchensteueraufkommens selbst entscheiden, das wiederum nur zwei Drittel der Gesamteinnahmen der Landeskirche ausmacht.

Zum 31.12.2012 muss der letzte Landesstellenplan in den Gemeinden und Dekanaten umgesetzt sein, der in manchen Gebieten der ELKB zu einer Stellenreduzierung von über 10 % führt. In manchen Dekanaten laufen noch Beratungsprozesse, die helfen sollen, die schmerzlichen Einschnitte zu verarbeiten. Kirchengemeinden haben Aufgaben und entsprechenden Personalbedarf. Beides reduziert sich nicht automatisch und proportional zur sinkenden Gemeindegliederzahl, nach der der Stellenbedarf hauptsächlich berechnet wurde. Dass nun – ohne irgendeine Anstandsfrist zu wahren – zwei Stellen im landesweiten Dienst zusätzlich errichtet wurden, muss den mit dem Abbau beschäftigten Gemeinden am Ort wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen. Eine halbe Stelle wird für „Salutogenese“ (Gesundheitsfürsorge) errichtet und soll Hilfestellung für ausgebrannte MitarbeiterInnen bieten. Diese Stelle ist eine befristete Projektstelle und bewegt sich im Kontingent von 6,5 Projektstellen landesweit. Die andere halbe Stelle, die die Landessynode und ihr Präsidium theologisch unterstützen soll, stellt dagegen eine Stellenausweitung im landesweiten Dienst dar. Damit wird die bisherige Systematik, wonach die Proportion der Bereiche Gemeindedienst, dekanatsweiter Dienst und landesweiter Dienst erhalten bleiben soll, durchbrochen. Dass dies nicht geschieht, dafür hatten die Synodalen vor nicht allzu langer Zeit noch leidenschaftlich gekämpft.

Dass eine Synode und ihr Präsidium Unterstützung gebrauchen kann, versteht sich von selbst. Dass ein solcher Bedarf im landesweiten Dienst zu einer Ausweitung der Stellen führt, ein vergleichbarer Bedarf im Gemeindedienst dagegen nicht, kann nicht begründet werden. So verspielt kirchenleitendes Handeln Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei den Gemeinden am Ort. Die Rede vom guten Miteinander bekommt einen hohlen Klang. Sicher kann man verstehen, dass die Synode hier besonders leicht zu überzeugen war, da die Stelle ja ihr selbst zugutekommt – oder soll (muss) man sagen: Sie sollte sich umso mehr dafür schämen, da sie ja die Versammlung der Gemeindevertreter ist? Einer meinte gar, auch diese Stelle käme den Gemeinden zugute, da Synodale ja Gemeindevertreter seien. Ungehört von der Mehrheit blieben Forderungen, man solle die Stelle dadurch ermöglichen, dass im landesweiten Dienst eine andere halbe Stelle eingespart wird. Dies wollte sich auf der landesweiten Ebene keiner vorstellen.

Bleibt mir die Einsicht, dass das Forum Aufbruch Gemeinde weiter Überzeugungsarbeit leisten muss und der Gemeindebund Bayern alles andere als überflüssig ist. Die Gemeinde am Ort braucht eine Lobby. Die gibt es auch in der Synode. Die Mehrheit hat sie nicht.

Hof, den 23. März 2012

Pfr. Johannes Taig (Gemeindebund Bayern, Mitglied der Landessynode)

Gegen zentrale Steuerungslogik

Unter diesem Titel erschien der Rückblick auf die dreijährige  Arbeit des Forums Aufbruch Gemeinde im Korrespondenzblatt Nr. 6/2011. Dr. Herbert Lindner schrieb hierzu einen Leserbrief unter dem Titel „Zukunft der Gemeinde“ im Korrespondenzblatt Nr. 8/2011.  Sein Vorwurf: „Eine einflächig gedachte und praktizierte »Beteiligungskirche« hätte nach allem was die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen zeigen, einen scharfen Rückgang in den Mitgliederzahlen und eine Milieuverengung innerhalb der verbleibenden Mitglieder zur Folge. Hier müsste sehr viel genauer nachgedacht und ekklesiologisch und kirchenpraktisch argumentiert werden. Kirchliches Handeln muss »multifaktoriell«  bleiben, denn es lässt sich eindimensional nicht optimieren.“

Johannes Taig antwortet Dr. Lindner im Korrespondenzblatt Nr 10/2011, S. 169f.:

Soziologie statt Theologie?

Dr. Lindners Kritik im Korrespondenzblatt Nr. 8/2011 stützt sich hauptsächlich auf der Vorwurf der „Eindimensionalität“ der Anliegen von Aufbruch Gemeinde: „Eine einflächig gedachte und praktizierte »Beteiligungskirche« hätte nach allem, was die Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen zeigen, einen scharfen Rückgang in den Mitgliederzahlen und eine Milieuverengung innerhalb der verbleibenden Mitglieder zur Folge.“(S. 146) Mit Verlaub: Weder vertritt Aufbruch Gemeinde eine „einflächig gedachte Beteiligungskirche“, die Lindner offenbar als Gemeindeprofil versteht, noch kann man aus den Mitgliedschaftsuntersuchungen solche Schlussfolgerungen ziehen.

Grundlage seiner Argumentation sind die bisher vier Untersuchungen zur Kirchenmitgliedschaft, die, um es verkürzt zu sagen, ergeben hätten, dass die Ortsgemeinde sozusagen als Geburtsort der Kirchenmitgliedschaft zu gelten habe, die Kirchenmitgliedschaft im Weiteren aber durch allerlei andere „übergemeindliche“ Angebote gepflegt und stabilisiert werden müsse. Der moderne Mensch schwirre nun einmal herum und sei nicht auf die Ortsgemeinde festzulegen. Hieraus zieht Lindner direkt genauere Angaben, wie die Kirchensteuereinahmen entsprechend auf die verschiedenen Bereiche und Ebenen der Kirche von der Ortsgemeinde bis zum landesweiten Dienst zu verteilen wären – also so ähnlich, wie dies heute bereits der Fall ist. Dies halte ich für wenig überzeugend.

Nicht nur weil theologische Gesichtspunkte hier durch vermeintlich eindeutige soziologische Befunde vollständig ersetzt und damit scheinbar überflüssig werden, sondern weil die soziologischen Befunde der bisherigen Untersuchungen keineswegs so eindeutig und vergleichbar sind, wie Lindner glauben machen will. Wer mehr hierzu lesen möchte, sei auf den Beitrag von Jan Hermelink in dem von ihm zitierten Band „Kirchenreform“ (hrsg. von Isolde Karle, Leipzig 2009, ab Seite 143 ff) verwiesen. Hermelink weist dort unter der Überschrift „Kirche als Dachorganisation und Symbolisierung des Unverfügbaren“ darauf hin, dass der Einfluss „übergemeindlichen“ und „zielorientierten“ Handelns der „Kirche“ auf die Kirchenmitgliedschaft grundsätzlich überschätzt wird. Hermelink begründet dies ausdrücklich an den erhobenen Befunden.

In diesem Zusammenhang gehört auch, was Wolfgang Schoberth im gleichen KorrBl. (Nr. 8/2011) auf Seite 148 schreibt: „Es wäre freilich fatal, wenn hier die in Theologie und Kirche allerdings nicht selten anzutreffende Naivität ausschlaggebend wäre, die die religionssoziologischen Untersuchungen und Theorien für die Wirklichkeit selbst hält: Wie jede Wissenschaft liefert auch die Religionsforschung ein methodisch konstruiertes Bild der Wirklichkeit, nicht diese selbst; und dieses Bild ist wiederum abhängig von den Kategorien, die als analytische Leitsonden angewandt werden. Die theologische Analyse und das kirchenleitende Handeln kommen nicht darum herum, die soziologischen Forschungen noch einmal kritisch und innerhalb eines theologischen Referenzrahmens zu reflektieren. Dann freilich zeigt sich ein Bild, das von den gängigen pseudo-soziologischen Konstrukten theologischer Theoriebildung noch einmal gründlich unterschieden ist. Die theologisch wie empirisch entscheidende Frage ist die nach Kirchenstrukturen, die dem entsprechen, was als das Wesen der Kirche erkannt wird. Die Diskussion darum wäre allererst zu öffnen.“ (http://aufbruch-gemeinde.de/wordpress/?p=279) Für Lindner ist sie bereits erledigt!

Noch einmal: „Warum sollte die Kirche und warum sollten die an ihrer Gestaltung verantwortlich Beteiligten ein Interesse daran haben, sich in konkreten Gestaltungsaufgaben an dogmatischen Modellen der Kirche zu orientieren? Aus meiner Sicht zum einen deshalb, weil die Kirche nur in Orientierung an einer genuin theologischen Selbstbeschreibung ihrer Eigenart als religiöser Organisation entsprechen kann: Um festzuhalten, dass ihr primärer Referenzrahmen das gesellschaftliche Teilsystem „Religion“ ist – und nicht „Medien“ oder „Wirtschaft“ -, ist die Kirche darauf angewiesen, sich selbst (auch) religiös zu beschreiben und damit zugleich ihre Differenz zu anderen gesellschaftlichen Organisationen deutlich zu machen. Die Orientierung an dogmatischen Beschreibungen der Kirche scheint mir zum anderen notwendig zu sein, um inhaltlich begründet aus bestehenden Gestaltungsmöglichkeiten wählen und mit den normativen Implikationen nicht-theologischer Beschreibungen kritisch umgehen zu können. Um dies an einem Beispiel zu erläutern: Eine an Bonhoeffer anschließende dogmatische Beschreibung der Kirche wird deren intrinsische Sozialität hervorheben und daher die Bedeutung von Ortsgemeinden unterstreichen, in der diese Sozialität in der realen Interaktion der Glaubenden Gestalt gewinnt. Eine an ihr orientierte Gestaltung der Kirche wird daher solche Gestaltungsmöglichkeiten ergreifen, durch die Ortsgemeinden mit ihren vielfältigen und oft unscheinbaren Möglichkeiten direkter Begegnung gestärkt werden. Und sie wird Tendenzen der Abwertung von Ortsgemeinden widersprechen, wie sie sich in „Kirche der Freiheit“ als Folge einer spezifischen nicht-theologischen Beschreibungen der Kirche als Organisation beobachten lassen. (Markus Höfner, Geglaubte und empirische Kirche, in: Isolde, Karle, Kirchenreform, aaO, S. 53 f)

Ich muss an dieser Stelle hoffentlich nicht noch einmal betonen, dass auch nach der Auffassung des „Forums Aufbruch Gemeinde“ kirchliches Handeln multifaktoriell bleiben muss und sich das Leben der Kirche nicht in den Gemeinden am Ort erschöpft. Umgekehrt gilt: Eindimensional wird das Leben der Gemeinden am Ort gerade dann, wenn diesen von der Zentrale die Aufgabe der „Grundversorgung“ und mithin die Aufgabe der Bewältigung des „grauen Alltags“ zugewiesen wird und alles, was an der Kirche toll ist und die Mitglieder bindet, angeblich von übergemeindlichen Diensten angeboten werden muss. Gerade Kirchengemeinden, die vonseiten der „Zentrale“ zur „Filiale“ degradiert werden, und deren Aufgabe mehr und mehr darin besteht, die Angebote von weiter oben nach unten zu kommunizieren, werden eindimensional! Die Entwicklung dahin ist weit fortgeschritten und tägliche Praxis, vom Immobilienmanagement bis zur Unterschriftenaktion zur Transaktionssteuer. Und wie viele Schreiben, die wichtige Entscheidungen für die Gemeinde beinhalten, gehen über den Schreibtisch mit dem Vermerk: „Der Beschluss des Kirchenvorstands wird nachgereicht.“ „Beteiligungsgemeinde“ meint eben nicht Uniformität im Sinne einer bestimmten Gemeindeprofilierung, sondern die grundsätzliche Möglichkeit, das eigene Gemeindeleben und damit die eigene Verkündigung aktiv zu gestalten und Eigenverantwortung zu übernehmen. Tatsache ist, dass Gemeinden, die auch in finanzieller Hinsicht mit dem Rücken zur Wand stehen, dazu immer weniger Möglichkeiten haben.

Dass Lindner die Schuld an dieser Situation ganz bei den Gemeinden sieht, die eben faul und egoistisch sind, statt zu fusionieren, bzw. zu kooperieren, kann von diesen schon als Spott und Hohn empfunden werden. Dort wird es vielerorts ein böses Erwachen geben, weil nun die Pfarrhausrücklage nicht länger durch Sonderzuweisungen abgefedert wird, sondern voll auf den Haushalt durchschlägt. Zukünftig wird auch noch eine Gemeinderücklage für die anderen Immobilien gefordert, aber keiner hat bisher eine Idee, wovon die Gemeinden sie bilden sollen. Man kann den Gemeinden nicht ständig neue Lasten zuweisen und auf der Einnahmenseite alles beim Alten lassen. Da wird “freiwilliges Engagement an Zeit und Geld”, das es in den Gemeinden längst gibt, auch keine Wunder vollbringen können. Es war übrigens in den 70er Jahren eine kirchenpolitische Entscheidung, den Bauunterhalt nicht in den innerkirchlichen Finanzausgleich (Schlüsselzuweisung) einzupreisen, sondern bei der Zentrale zu lassen. Man kann ihn jetzt nicht einfach an die Gemeinden zurückgeben, ohne das Finanzierungssystem zu ändern.

Es wird nicht funktionieren, wenn Lindner meint, er könnte den Ortgemeinden die zukünftige Marschrichtung „Konzentration und Kooperation“ mit dem Argument vorgeben, dass nur so die „Basisstruktur“ der Ortsgemeinde erhalten werden könnte. Organisationstheoretische, soziologische oder ökonomische Gründe werden nicht ausreichend sein können und dürfen (!) für eine Kirche, die sich als Kirche Jesu Christi versteht. Die Diskussion darum wäre allererst zu öffnen und sie wird sich auch nicht in gewohnt paternalistischer Manier beschränken lassen auf die Synode. In wessen Interesse wäre das denn? Der Gemeindebund Bayern (www.aufbruch-gemeinde.de), der am 4. Februar 2012 in Nürnberg gegründet werden wird, wird sich u.a. mit solchen Fragen befassen.

Pfr. Johannes Taig
Mitglied der Landessynode
Mitglied im Grundfragenausschuss

Salto rückwärts? Eine ekklesiologische Gegen-Polemik

Unter dem Titel „Zu kurz gegriffen“ versuchte Dr. Martin Fritz im Korrespondenzblatt Nr. 5/2011, S. 86, eine Metakritik an den theologischen Argumenten von „Aufbruch Gemeinde“. Der folgende Artikel ist die Antwort von Prof. Dr. Wolfgang Schoberth, die unter dem Titel „Christen tragen die Kirche“ im Korrespondenzblatt Nr. 8/2011 auf Seite 146 erschien.

Im Korrespondenzblatt 5/2011 kündigte Martin Fritz eine ekklesiologische Metakritik zum „Aufbruch Gemeinde“ an; vorgelegt hat er freilich lediglich eine Anti-Kritik, und noch dazu eine theologische recht schlicht begründete. Ein metakritisches Verfahren würde es erfordern, dass der Meta-Kritiker sich auf die kritische Bewegung zunächst einmal einlässt, die kritischen Argumente versteht und weiterführt, um dann über die kritische Position wiederum hinauszukommen. Das geschieht hier nicht. Stattdessen operiert Fritz in seiner Kritik am „Aufbruch Gemeinde“ mit Unterstellungen, vorurteilsgeladenen Interpretationen und bloßen Behauptungen. Das ist schade, weil dadurch gerade kein Diskurs eröffnet, sondern das nötige Gespräch um angemessene Gestalten und Strukturen der Kirche schon beendet wird, bevor es beginnt. Damit dieses Gespräch nicht durch allzu viele unnötige Diskussionen um Positionen, die gar nicht vertreten werden, belastet wird, sei nur dies ganz kurz gesagt: Beim „Aufbruch Gemeinde“ kann keineswegs davon die Rede sein, dass die Ortsgemeinde theologisch überhöht, als Norm verstanden oder gar als einzig legitime Form von Kirche ausgegeben werden solle. Wohl aber wird die Überzeugung vertreten, dass die Ortsgemeinde für eine evangelische Kirche von zentraler Bedeutung ist und deshalb auch angemessen in der Kirchenstruktur zur Geltung kommen muss; das aber ist etwas anderes als eine normative Überhöhung. Deswegen findet sich hier auch mitnichten eine bloße Wiederholung von Bekenntnisformulierungen; erst recht werden die Augen vor den Gegenwartsbedingungen der Kirche nicht verschlossen, wohl aber darüber nachgedacht und diskutiert, welche Konsequenzen aus diesen Bedingungen für die institutionellen und politischen Strukturen der Kirche zu ziehen sind, damit diese dem entsprechen, was Kirche ihrem Wesen nach ist. Diese Diskussion muss auch in und unter den Gemeinden geführt werden und kann nicht durch Planungsgruppen und Stabsstellen ersetzt werden; dass diese Diskussion in den letzten Jahren eben unterblieben ist und durch zentral induzierte Strategien ersetzt wurde, die wiederum ohne Partizipation der Gemeinden durchgesetzt werden sollen – das ist der wesentliche Anlass für den „Aufbruch Gemeinde“, weil hier die begründete Befürchtung entsteht, dass solcher kirchenpolitischer Zentralismus der evangelischen Kirche gerade unter den gegebenen Verhältnissen nicht gut tut.

Es geht also, wie dann auch Fritz einräumt, um grundsätzliche ekklesiologische Überlegungen und ihre Entsprechungen in der institutionellen Gestalt der Kirche. Seine eigenen ekklesiologischen Grundannahmen will Fritz dann im Rekurs auf Luther darlegen. Dazu greift er zunächst die vom „Aufbruch Gemeinde“ in der Tat betonte Bestimmung des „Priestertums aller Gläubigen“ auf; den ursprünglichen Sinn dieses Begriffs bei Luther sieht er in der „Idee religiöser Mündigkeit“. Nun mag man es durchaus für nötig halten, Luther in Kategorien zu interpretieren, die diesem schlicht fremd waren, und sich aus dem Ganzen seiner Theologie auch nicht ohne weiteres ableiten lassen; man sollte das dann freilich offen zugeben, dass man Luther auf diese Weise für eigene Ideen und Vorstellungen in Anspruch nimmt oder, wie es Fritz vielleicht eleganter formulieren würde, „im Rahmen einer Theorie des neuzeitlichen Christentums“ fortschreiben zu müssen meint. Luthers eigene Theologie damit zu erfassen, sollte man dann allerdings nicht beanspruchen; erst recht fragwürdig ist es, einen solchermaßen uminterpretierten Luther auch noch polemisch in Stellung zu bringen. Was bei Luther ‚religiöse Mündigkeit‘ heißen soll und wie diese sich bei Luther von einer ‚kirchlichen Mündigkeit‘ unterscheiden ließe, wird dann auch bei Fritz nicht weiter erläutert. Das ist auch kaum anders denkbar, weil sich bei Luther hier auch gar nicht unterscheiden lässt, schon weil ihm der uns geläufige Begriff des ‚Religiösen‘ in Absetzung von der kirchlichen Realität des Glaubens gar nicht zur Verfügung steht. Die ‚religiöse Mündigkeit‘ ist, wie der in dieser Weise verwendete Begriff der Religion überhaupt, eine Konstruktion des 19. Jahrhunderts, die man der Reformation nicht unterschieben sollte. Ob dieses Konzept überhaupt eine theologisch wie religionssoziologisch sinnvolle und tragfähige Figur ist, was ich bezweifle, ist hier nicht weiter zu diskutieren; Luther kennt sie jedenfalls nicht.

Die Folgerungen, die Fritz aus seiner These zieht, sind denn auch zumindest widersprüchlich, weil sie sich am Material auch gar nicht durchführen lässt: Einerseits soll dieser Gedanke mit den Fragen der Kirchenordnungen nichts zu tun haben, andererseits dann wieder „einschneidende Folgen für das Verständnis des besonderen geistlichen Amtes“ haben – wie lassen sich eigentlich wiederum Amt und Kirchenordnung so säuberlich unterscheiden? –; anschließend werden immerhin mittelbare Folgen für die Kirchenordnung eingeräumt. Offensichtlich ist die Frage, ob die reformatorischen Grundentscheidungen Auswirkungen für die kirchliche Institutionalität haben, doch nicht so einfach zu eliminieren. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass Fritz’ Behauptung, aus „Luthers Gedanken vom Priestertum aller Gläubigen“ lasse sich „für aktuelle kirchliche Strukturfragen positiv wenig gewinnen“, zumindest irreführend ist: Eine Diskussion um die aktuellen notwendigen Strukturfragen in einer evangelischen Kirche wird orientierungslos und verliert ihren eigenen Gegenstand, wenn sie sich auf diese Grundeinsicht nicht einlässt, auch wenn diese freilich – was meines Wissens auch niemand beansprucht – keine Eindeutigkeit produziert.

Unsichtbare vs. verborgene Kirche

Will Fritz solche Eindeutigkeit dann selber herstellen, wenn er in normativer Absicht Luthers Kirchenverständnis darzustellen unternimmt? Dabei ist es für mich freilich einigermaßen überraschend, dass dazu die von Luther bekanntlich äußerst skeptisch betrachtete Formulierung von der „unsichtbaren Kirche“ (unter Verweis auf Ulrich Barth) zur „ekklesiologischen Leitidee“ Luthers erklärt wird. Diese mindestens missverständliche, in der Folge aber auch oft genug ekklesiologisch verhängnisvolle Redeweise, die übrigens deutlich vorreformatorischen Ursprungs ist, hat ihre particula veri darin, dass die institutionelle Kirche und die Kirche des Glaubens nicht einfach identisch sind. Sie wird aber zur glatten Unwahrheit, wenn sie das Wesen der Kirche in ihrer Unsichtbarkeit verorten wollte. Weit weniger missverständlich und der Theologie wie dem Sprachgebrauch Luthers näher wäre es, dies als Spannung zwischen der sichtbaren und der verborgenen Kirche zu fassen: Verborgen ist die Kirche Jesu Christi, weil sie der Wirklichkeit Gottes, nicht der Wirklichkeit der Menschen zugehört; sichtbare und verborgene Kirche lassen sich aber gerade nicht gegeneinander ausspielen.

Die Sichtbarkeit der verborgenen Kirche

Eine Theologie, die sich der Leibhaftigkeit der Gegenwart des Wortes Gottes so bewusst ist wie die Luthers, widerspricht aufs Schärfste der Auflösung der Kirche in die Unsichtbarkeit; als Kirche ist sie aber gerade in unserer leiblichen und sichtbaren Wirklichkeit gegenwärtig, und die verborgene Kirche ist darum nirgendwo anders zu haben als in der sichtbaren Kirche. Eine ‚unsichtbare Kirche‘ wäre, wie die gegenreformatorische Polemik nicht ohne Grund und gegen mache protestantische Unbedachtheit genüsslich anführt, ein bloßes Gedankending: Sie löst sich auf in eine fromme Innerlichkeit einerseits, eine religiös-kulturelle Stimmung andererseits, die beide die Kriterien, die sie voraussetzen und denen sie folgen, nicht offenlegen und reflektieren können, weshalb sie allen möglichen Strömungen und ihren Plausibilitäten ausgesetzt sind. Demgegenüber legt die reformatorische Ekklesiologie großes Gewicht darauf, dass auch die sichtbare Kirche ihrem Wesen als Kirche Jesu Christi entspricht. Oder sollte alle reformatorische Kirchenreform nur unnötiger Eifer gewesen sein, wenn die äußere Gestalt doch nur sekundär und die Wahrheit der Kirche nur in der Innerlichkeit liegt?

Eben in der Dialektik zwischen Verborgenheit und Sichtbarkeit, genauer: der Verborgenheit in der Sichtbarkeit der Kirche liegt dann auch die Pointe von CA VII. Denn hier geht es um die Wirklichkeit der Kirche, die vor aller Augen liegt, und die doch zugleich die Gegenwart der verborgenen Kirche ausmacht. Kirche ist, nach reformatorischen Verständnis, die Versammlung der Gemeinde; gerade hier liegt übrigens die ökumenische Weite und Weisheit reformatorischer Ekklesiologie. Es ist keine Frage, dass die wesentliche Bestimmung von Kirche durch die Faktizität der sich um das Wort Gottes versammelnden Gemeinde nicht unmittelbar eine Festschreibung, erst recht nicht eine Überhöhung parochialer Strukturen bedeutet. Nicht die Ortsgemeinde, sondern die Gottesdienstgemeinde ist die Mitte reformatorischer – und doch wohl gemeinchristlicher? – Ekklesiologie. Niemand bestreitet, dass auch in Jugendkirchen, auf Kirchentagen und in evangelischen Akademien sich die Gemeinde Jesu Christi versammelt. Aber auch diese Versammlungen sind in eminenter Weise sichtbar. Die „unsichtbare Kirche“ ist eine unglückliche Konstruktion. Sie verunklart die wesentlichen Momente; der Begriff führt in falsche Alternativen und produziert irreführende Assoziationen. Die religiöse Innerlichkeit, die durch dieses Konzept zum reformatorischen Grundprinzip erhoben werden soll, ist jedenfalls der Theologie Luthers vollkommen fremd: deren Zentrum liegt nicht – fast fühlt man sich an die Lutherinterpretation Karl Holls erinnert – im unsichtbaren Bereich des Gewissens, sondern in dem ganz öffentlich und auch ganz sinnlich präsenten Wort Gottes.

Religionstheoretische Nostalgie oder ekklesiologischer Realismus

Es steht außer Zweifel, dass sich aus der reformatorischen Bestimmung des Wesens der Kirche keine definierte Kirchenstruktur ableiten lässt. Es steht aber auch außer Zweifel, dass jede Kirchenstruktur, die sich auf die Reformation berufen will, sich am Wesen der Kirche messen lassen muss. Dieses Wesen aber, daran lassen wiederum die Reformatoren keinen Zweifel, besteht in der Verkündigung des Wortes Gottes – diese aber ist alles andere als innerlich. Es ist wohl auch unstrittig, dass die Fragen der Kirchenstruktur jeweils beantwortet werden müssen in Relation zu kulturellen Wirklichkeit, in der Kirche jeweils lebt. Hierbei sind soziologische Analysen unverzichtbar. Es wäre freilich fatal, wenn hier die in Theologie und Kirche allerdings nicht selten anzutreffende Naivität ausschlaggebend wäre, die die religionssoziologischen Untersuchungen und Theorien für die Wirklichkeit selbst hält: Wie jede Wissenschaft liefert auch die Religionsforschung ein methodisch konstruiertes Bild der Wirklichkeit, nicht diese selbst; und dieses Bild ist wiederum abhängig von den Kategorien, die als analytische Leitsonden angewandt werden. Die theologische Analyse und das kirchenleitende Handeln kommen nicht darum herum, die soziologischen Forschungen noch einmal kritisch und innerhalb eines theologischen Referenzrahmens zu reflektieren. Dann freilich zeigt sich ein Bild, das von den gängigen pseudo-soziologischen Konstrukten theologischer Theoriebildung noch einmal gründlich unterschieden ist. Die theologisch wie empirisch entscheidende Frage ist die nach Kirchenstrukturen, die dem entsprechen, was als das Wesen der Kirche erkannt wird. Die Diskussion darum wäre allererst zu öffnen. Es liegt auf der Hand, dass solche Strukturen vielgestaltig sein müssen. Zu ihnen gehören übergemeindliche Institutionen und Dienste ebenso wie Anstaltsgemeinden; der Blick auf die schlichtesten statistischen Größen belehrt aber darüber, dass hier nach wie vor, in den Städten nicht anders als auf dem Land, den Parochialgemeinden eine herausragende Bedeutung zukommt. Ekklesiologische Leitbilder, wie sie in Planungsstäben, aber auch in unglücklichen theologischen Konzepten wie dem der neubelebten ‚unsichtbaren Kirche‘ erscheinen, leiden nicht selten daran, dass sie vollständig die Frage übergehen, wie jene ‚religiöse Subjektivität‘ überhaupt zu Stande kommt, an die sie sich adressieren und die sie als Ressourcen beanspruchen. Mit dem Rücksprung zu religionstheoretischen Kategorien des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts ist den gegenwärtigen Herausforderungen jedenfalls kaum zu begegnen.

Reformatorische Ekklesiologie war da realistischer: Sie erkennt die Notwendigkeit von Strukturen, in denen das Wort Gottes wirklichen Menschen in ihrer Lebenswelt nahe kommt. Alle soziologischen Erhebungen, die uns vorliegen, zeigen, dass solche Strukturen wesentlich lokal und personal vermittelt sind. Die idealistische Konstruktion einer innerlichen Kirche dispensiert sich von solchen elementaren Fragen der Realität des Glaubens. Sie liegt ganz auf der Linie einer eigentlich längst überwunden geglaubten Fehlinterpretation der sogenannten „Zwei-Reiche-Lehre“, die alle Fragen der äußeren Struktur in eine vorgebliche Eigengesetzlichkeit verweist. An der Reformation ist nicht zuletzt das zu lernen, dass auch die Fragen der leibhaftigen Wirklichkeit eminent theologische Fragen sind.

Es gibt freilich auch genug soziologische Gründe dafür, dass die Zukunft der Institution Kirche, wie wir sie kennen, nicht zuletzt damit verbunden ist, ob es ihr gelingt, nicht nur Institution zu sein, sondern ihre spezifische Eigenart auch in der kulturellen Öffentlichkeit zur Geltung zu bringen. Auch deswegen sind Strukturfragen theologische Grundsatzfragen, wie auch die soziale Relevanz und Attraktivität der Kirchen davon abhängt, dass ihre institutionelle Logik nicht den üblichen Plausibilitäten folgt, sondern genuinen Kriterien entspricht. Wenn kirchliche Strukturreformen sinnvoll und produktiv sein sollen, dann lassen sich nicht dekretieren oder durch Expertenkommissionen erledigen. Ich verstehe den „Aufbruch Gemeinde“ nicht zuletzt als die Forderung, die Debatte um eine Gestalt der Kirche einzufordern und zu führen, die der reformatorischen Einsicht in das Wesen der Kirche entspricht – in aller notwendigen Breite und unter Beteiligung möglichst vieler der Menschen, deren Engagement und deren finanzielle Beiträge, vor allem aber: deren Christsein die Kirche trägt.

Prof. Dr. Wolfgang Schoberth
LS Systematische Theologie, Erlangen

Beim „Forum Aufbruch Gemeinde“ mitarbeiten?!

Von Prof. Dr. Dietrich Stollberg im März 2010

Schon öfters bin ich gefragt worden, warum ich im Beirat des „Forum Aufbruch Gemeinde“ mitarbeite. Das kann ich leicht beantworten.

  1. Ich berate gerne, wenn es darum geht, festgefahrene Strukturen zu lockern und für die Zukunft zu öffnen. Mich beschäftigt als Praktischen Theologen, der fast sein ganzes Berufsleben lang an der Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern mitgewirkt hat, die Frage nach der Kirche heute. Die Zukunft der Kirche ist in Gefahr, wenn sich ihre jetzige Struktur nicht ändert. Das gilt für beide westlichen Großkirchen. Daher habe ich meine Mitarbeit zugesagt, als ich gefragt wurde, ob ich dem Beirat des „Forums Aufbruch Gemeinde“ angehören wolle.
  2. Unsere evangelischen Landeskirchen sind weitgehend strukturell einem obrigkeitsstaatlichen Modell verpflichtet, das zu erheblichen Teilen noch aus der Zeit vor den beiden Weltkriegen, ja teilweise aus der Zeit des Feudalismus stammt. (Mein Großvater war noch königlich-bayrischer Pfarrer.) Eine Veränderung, zuerst einmal des Selbstverständnisses sowohl der übergeordneten Verwaltungsorgane als auch der untergeordneten Gemeinden ist notwendig. Diese – vor allem auch mentale – Erneuerung wird nicht von heute auf morgen geschehen, muss aber gefördert werden. Sie ist die Voraussetzung für aktive und selbständige Gemeinden. Denn wir brauchen eine Demokratisierung der Kirche.
  3. Die gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich nach dem 2. Weltkrieg und vor allem seit ca. 1968 radikal verändert. Wir haben inzwischen viele Religionen und Kulturen in unserem Land, wir sind sehr beweglich geworden und wohnen oftmals im Laufe unseres Lebens an verschiedenen Orten in ganz verschiedenen Bundesländern, kommen also auch in unterschiedlichste Kirchengemeinden, wir leben unter anderen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen als unsere Vorfahren usw.
  4. Unsere Staatsform hat sich geändert. Wir leben nicht mehr in einem Kaiserreich oder Fürstentümern, sondern in einer Demokratie. Wir lernen allmählich, dass es nicht genügt, uns „von oben“ regieren zu lassen, sondern selbst aktiv in das politische Geschehen vor Ort und überregional einzugreifen. „Vater Staat“, der für uns sorgt und dem wir zu gehorchen haben, gibt es nicht mehr. Er soll auch nie mehr kommen. Denn wo ein von passiven Untertanen geprägter und obrigkeitlich regierter Staat hinführt, das haben wir von 1933 – 1945 leidvoll lernen müssen. Heute brauchen wir dringend mündige, politisch wachsame und aktive Bürger.
  5.  Daher kann es auch keine „Mutter Kirche“ in dem Sinne mehr geben, dass sie an der Seite des „Vaters Staat“ die Untertanen geistlich versorgt und moralisch bei der Stange hält. Aus  Versorgungseinheiten sollen Gemeinschaften mündiger Mitglieder, aus Betreuungsgemeinden Beteiligungsgemeinden werden. Dazu bedarf es engagierter Gemeindeglieder, die die Kirche nicht als sozialen Versorgungsbetrieb verstehen, sondern als selbständige Gemeinschaft derer, die denselben Gott anbeten. Sie müssen die Geschicke ihrer Gemeinde selbst in die Hand nehmen und dürfen sie auch nicht allein ihren Pfarrerinnen und Pfarrern überlassen.
  6. Das Christentum ist aus kleinen Gemeinden entstanden. Kirchengemeinden sind, auch theologisch gesehen, grundsätzlich keine Filialen oder kleine Verwaltungseinheiten einer übergeordneten Großorganisation. Tatsächlich werden sie aber so „von oben herab“ behandelt und sind entsprechend den meisten Kirchenverfassungen rechtlich auch so zugeordnet. Für die Gemeindeglieder ist das bequem, höhlt die Kirche aber aus. Man kann das schon am spärlichen Kirchenbesuch beobachten.
  7. Weil mich diese Entwicklung mit Sorge erfüllt, interessiert mich die Arbeit des „Forums Aufbruch Gemeinde“ und ähnlicher Aktivitäten in anderen Landeskirchen. Mich interessiert, wie mündige Gemeinden ihr gemeinsames Leben gestalten, wenn sie so dürfen, wie sie wollen, und sich Mühe geben, ihrem christlichen Glauben eine selbständige Form zu geben. In den USA, wo ich studiert habe, konnte ich selbständige Gemeinden kennenlernen, die ihr Gemeindeleben einschließlich ihrer Bauvorhaben und anderer wirtschaftlich aufwändiger Projekte selbständig regeln und sich einen Pfarrer oder eine Pfarrerin, die Mitgliedschaft in einem überregionalen Verbund (einer konfessionell geprägten Kirche oder Diözese) mit überregionalen Aufgaben (z. B. einer theologischen Hochschule für die Ausbildung der Theologen) leisten und bei einer für unsere Verhältnisse kleinen Mitgliederzahl (z. B. von 700 Mitgliedern) durchaus lebensfähig sind. ‚
  8. Dabei sind eine Reihe von Problemen zu beachten, die bei der Begeisterung für mündige und selbständige Gemeinden berücksichtigt werden müssen: z. B. die Art der Vernetzung mit anderen Gemeinden desselben Bekenntnisses, etwa der Augsburgischen Konfession; eine möglichst einheitliche liturgische Ausrichtung, damit man sich auch trotz der Mobilität unserer Gesellschaft andernorts liturgisch zuhause fühlen kann; wo nötig, gegenseitige finanzielle und personelle Hilfe (besonders gegenüber kleinen Gemeinden).
  9. Solche Fragen mit dem „Forum Aufbruch Gemeinde“ zu bedenken und praktische Folgerungen zu ziehen – darin sehe ich eine lohnende Aufgabe im Beirat, in den man mich berufen hat.

Prof. Dr. Dietrich Stollberg
Lilienstr. 10
90762 Fürth

Erschienen im Korrespondenzblatt Nr. 5/2010

Hier finden Sie den Artikel als PDF:
http://www.aufbruch-gemeinde.de/download/stollbergmitarbeit.pdf

Falsche Therapie

Protestanten lieben Betriebswirtschaft: Genau das schadet ihrer Kirche gewaltig – meint Martin Hoffmann, ehem. Rektor des Nürnberger Predigerseminars

Die Kirchengemeinden müssen wieder gestärkt werden. Plädoyer gegen die verbreitete Bevormundung von oben

Von Martin Hoffmann (Publik-Forum Nr. 9/2009)

Wenn du bemerkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig ab!« Wenn die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und viele Landeskirchen bei ihren Reformbemühungen nur diese alte Indianer-Weisheit befolgen würden! Aber nein: Marktbehauptung durch zentrale Steuerung wird unverdrossen angepriesen. Ein Programm, das seine Plausibilität aus seiner Beschreibung der Krisenphänomene der Kirche einerseits und einer bestimmten Art von Organisationslogik andererseits gewinnen will.

Die Krise, in allen Facetten gezeichnet und beschworen – von der kleiner werdenden Mitgliedschaft über den schwindenden gesellschaftlichen und kulturellen Einfluss bis zur unklaren inhaltlichen Orientierung und nicht zuletzt den fehlenden Finanzen -, ist aber nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist die Krisentherapie. Sie besteht in einer schlichten Top-Down-Logik – einer betriebswirtschaftlichen Organisationstheorie entnommen. Vor allem drei Prinzipien sollen die evangelische Kirche genesen lassen:

1. das Prinzip der zentralen Steuerung;

2. das Prinzip der Regionalisierung und Filialisierung der Gemeinden;

3. das Prinzip der medialen Präsenz als Qualitätsmerkmal kirchlicher Aktivität.

Erschreckend dabei ist zweierlei: die Unverdrossenheit, mit der das grandiose Scheitern dieser Strategie an vielen Stellen, zum Beispiel dem Evangelischen München-Programm oder der bayerischen Kommunikationsinitiative, verdrängt wird; und die Unbekümmertheit, mit der die theologische Frage nach Wesen und Auftrag der Kirche gerade in ihrer Handlungsorientierung verabschiedet wird.

Ein totes Pferd aber gewinnt keine Rennen mehr. Es genügt nicht, eine abstrakte Auftragsformulierung wie »die Kommunikation der Liebe Gottes zu den Menschen« sozusagen in die Präambel einer Strategie zu setzen, ohne dass diese zur Richtschnur für notwendige Gestaltungsschritte auf der kirchlichen Strukturebene wird.

Freilich ist die gewählte Rezeptur kein Zufall, sondern ist dem Kirchenbild zu verdanken, das hinter diesen Prinzipien steht: Es ist das Bild, das die Kirche selbst primär als Organisation begreift. Damit reagiert die Kirche auf den Transformationsprozess der Moderne. Er löst gewachsene Institutionen immer mehr auf und überführt sie in Organisationen, die gesellschaftliche Teilbedürfnisse erfüllen. Um das entsprechende Marktsegment zu besetzen, müssen sie intern und extern optimiert und effizient gemacht werden. Das geschieht durch Top-Down-Steuerung. Es bleibt aber zu befürchten, dass das tote Pferd nicht wieder auf die Beine kommt. Es gibt leider auch Maßnahmen, die die Krise gerade verschärfen, die sie beheben wollen.

Die Fragen, denen sich die Kirche stellen muss, sind: Wofür steht die evangelische Kirche inhaltlich in der Gesellschaft? Und wie kann ihre Botschaft Plausibilität gewinnen? Gerade wer ökonomisch denkt, der kommt um diese inhaltliche Auskunft nicht herum. Wie soll dem Kirchensteuerzahler plausibel gemacht werden, dass sein finanzieller Beitrag sinnvoll und notwendig ist? Doch nur dadurch, dass er den inneren Zusammenhang erkennt zwischen seiner Finanzierung und dem, was sich an kirchlichem Leben und kirchlicher Botschaft in seiner Alltagswirklichkeit ereignet.

Der Gottesdienst und die Seelsorge in der Gemeinde; der kirchliche Kindergarten, der sich um religiöse Sozialisation und gleichzeitig um interreligiöse Integration bemüht; die diakonischen Aktivitäten der Gemeinde am Ort, die den Bedürftigen in ihrer Umgebung zugute kommen – das sind die Plausibilitäten, die auch zur Beteiligung und zur Mitverantwortung motivieren. Die kirchlichen Fundraising-Grundregeln haben das längst erkannt und betont. Der zentralistisch verwaltete kirchliche Haushalt aber setzt weiter auf anonyme Zahler und Mitglieder, die in Distanz zu den kirchlichen Lebensvollzügen verharren.

Das hat in Bayern viele Gemeinden, die mit ihrem zugewiesenen Haushalt die nötigen Aufgaben nur mehr schlecht erfüllen können, aufgeschreckt. Für kirchliche Großprojekte stellt die Landessynode Millionenbeträge zur Verfügung, vom zentralen EDV-Programm über Neubauten bis hin zur Jugendkirche in Nürnberg. Sie stehen in krassem Widerspruch zur Finanznot der kirchlichen Arbeit vor Ort.

160 Vertreter der fränkischen Gemeinden versammelten sich im Oktober auf einem Gemeindetag, um konkrete Schritte hin zu einer eindeutigen Beteiligungs- und Verantwortungsstruktur in einer »Kirche von unten« zu fordern. Damit wollen sie Ernst machen mit den ur-evangelischen Grundlagen des Kirchenverständnisses: Die Kirche des Wortes ist die Gemeinschaft der Glaubenden, das Priestertum aller Gläubigen. Wo sich dieses ereignet – in Verkündigung, Taufe und Abendmahl -, da ist die Basis der Kirche; theologisch gesprochen: Jesus Christus, der einzige Grund, der gelegt ist. Wenn diese theologische Wahrheit auch das Handeln der Kirche steuern und organisieren soll, dann muss die Entscheidungsmacht an diese Basis verlegt werden, in inhaltlicher, personeller und finanzieller Hinsicht. So kam es zu den fünf Forderungen des Forums Aufbruch Gemeinde. Sie lauten:

1. Eine Kirche »von unten«

Wir wollen eine Kirche, die ihre Bedeutung von ihrer Botschaft her gewinnt und ihr im konkreten Lebensumfeld der Menschen Gestalt gibt. Die Volkskirche kann auf die Herausforderungen am besten reagieren, wenn sie sich auch in ihrer Organisation »von unten«, von der Basis der Gemeinden her, aufbaut.

2. Die Ortsgemeinden stärken

Der Charakter der Kirche als Bewegung, die in der Ortsgemeinde ihre Dynamik entfaltet, tritt immer mehr zurück. Die Ortsgemeinde ist zu stärken gegenüber dem organisatorischen Überbau der Kirche. Es ist der Dynamik des Wortes Gottes zu vertrauen, das von unten, das heißt vor Ort, seine Wirkung entfaltet. Damit Gemeinden in eigener Verantwortung über eine sinnvolle Verwendung der Finanzen entscheiden können, ist der Geldfluss umzukehren. Die Steuermittel kommen in der Gemeinde an und werden dort verantwortet. Für übergemeindliche Zwecke leitet die Gemeinde einen Teil weiter.

3. Beteiligung und Selbstverantwortung

Zu dieser Beteiligung gehört die Selbstbestimmung der Gemeinden bezüglich Personal, Bauwesen und Einsatz ihrer Finanzen. Dies gebietet nicht zuletzt das Prinzip der Subsidiarität. Viele Gremien und damit verbundene Fahrtkosten, aufwendige Informations- und Entscheidungswege werden dadurch eingespart. Es gibt weiterhin Verwaltungszentren, die die Kirchengemeinden entlasten (zum Beispiel für Gehaltsabrechnungen, Personalverwaltung).

4. Transparenz der Finanzmittel

Eine Kirchengemeinde muss in Auseinandersetzung mit ihrem Auftrag und ihrer spezifischen Situation vorrangige Themen und Aktivitäten feststellen und Nachrangiges zurückstellen. In dieser Verantwortung ist sie Kirche Jesu Christi am Ort. Dazu braucht sie Klarheit über ihre Situation und ihre Mittel. Jede Gemeinde muss darüber informiert sein, wer bei ihr wie viel Kirchensteuer zahlt.

5. Solidarität der Gemeinden

Gemeinden, die sich vom Evangelium bewegen lassen, verpflichten sich zur gegenseitigen solidarischen Unterstützung. »Von unten« werden unverzichtbare übergemeindliche Aufgaben, wie zum Beispiel die Diakonie und weltweite Partnerschaft, unterstützt. So wird der Zusammenhang der Gemeinden mit übergemeindlichen Arbeitsbereichen gestärkt. Diese werden – protestantischem Denken entsprechend – an synodale Gremien zurückgebunden, sodass auch hier eine Rückkopplung von zahlenden, sich beteiligenden Mitgliedern und kirchlichen Einrichtungen stattfindet.

Für den 7. November 2009 hat »Aufbruch Gemeinde« einen zweiten Aktionstag in Nürnberg angekündigt, der dieses Mal alle bayerischen evangelischen Gemeinden ansprechen soll. Bündnisse mit ähnlichen Bewegungen wie mit dem Gemeindebund in Berlin sind im Wachsen. Unter www.aufbruch-gemeinde.de finden sich die einschlägigen Texte des Aufbruchs.

Martin Hoffmann, geboren 1957, war Rektor des Predigerseminars Nürnberg. Er war vorher Gemeindepfarrer und veröffentlichte mit Hans-Ulrich Pschierer das Buch »Reich Gottes im Werden – Ein Modell auftragsorientierter Gemeindeentwicklung«, Evangelische Verlagsanstalt, 16,80 Euro. Heute hat Martin Hoffmann einen Lehrauftrag an einer Universität in Südamerika.

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