Sechs konkrete theologische Grundregeln kirchenleitenden Handelns

Jedes kirchenleitende Handeln wird in theologischer Verantwortlichkeit darauf zu achten haben, dass der von ihr zu leistende Dienst an den Gemeinden diesen eine primäre Dignität zugestehen muss und ihre eigene Dignität subsidiärer Natur bleibt.

„Im Hinblick auf die soziologisch-empirisch feststellbare Tatsache, dass es in der Kirche Machtstrukturen gibt, wird allerdings zu formulieren sein, wie damit umzugehen ist. Eine Voraussetzung für diese Formulierung ist, dass deren Prämisse theologischer Art ist.

  1. Jedes kirchenleitende Handeln wird nach Luther davon ausgehen müssen, dass die Existenz und das Leben der Kirche nicht auf menschliche Kunst und menschliches Handeln zurückzuführen ist, sondern auf Gott selber (Heiligkeit der Kirche). »Denn wir sind es doch nicht, die da könnten die Kirche erhalten; unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen; unsere Nachkommen werden’s auch nicht sein; sondern der ist’s gewest, ist’s noch, wird’s sein, der da spricht: ›Ich bin bei euch bis zur Welt Ende‹, wie Hebr. 13, 8 steht: ›Jesus Christus heri et hodie et in saecula‹« (W 2, XX, 1621).
  2. Jedes kirchenleitende Handeln wird die Gebrochenheit und die Zerrissenheit (um das Wort »Sünde« zu vermeiden) menschlichen Handelns innerhalb und außerhalb der Kirche als ein Teil des Wesens der Kirche zu berücksichtigen haben (peccatrix). Wo dies innerhalb der Kirche nicht geschieht, setzt sich die Kirche gegenüber ihren Mitgliedern absolut, beschwert die Gewissen oder spielt sich auf als Mittlerinstanz zwischen Gott und den Menschen. Wo dies außerhalb der Kirche nicht geschieht, setzt sich die Kirche gegenüber der Welt absolut und gibt diese der Verlorenheit anheim oder maßt sich eine Bevormundung an.
  3. Jedes kirchenleitende Handeln wird damit um seine eigene Begrenztheit wissen und daher den Auftrag als alleinige Autorität anzuerkennen haben und für die Ämter in der Kirche keinen Autoritätsanspruch erheben (Apostolizität der Kirche). Der verliehene Auftrag und die damit verbundene Macht sind nicht identisch mit der Wahrheit des Evangeliums, sondern werden im Vollzug sich von dieser beurteilen lassen müssen. Die Verantwortung der Gewissen vor Gott hat einen höheren Stellenwert, als die Oboedienz gegenüber menschlichen Autoritäten oder Ordnungen.
  4. Jedes kirchenleitende Handeln wird in theologischer Verantwortlichkeit darauf zu achten haben, dass der von ihr zu leistende Dienst an den Gemeinden diesen eine primäre Dignität zugestehen muss und ihre eigene Dignität subsidiärer Natur bleibt (Allgemeinheit der Kirche).
  5. Jedes kirchenleitende Handeln wird seine Funktion daran zu messen haben, ob es gelingt, eine konsensuale Gemeinschaft unter den Gemeinden und innerhalb der Gemeinden zu fördern, sofern es nur eine Kirche Jesu Christi gibt (Einheit der Kirche).
  6. Jedes kirchenleitende Handeln erfolgt aufgrund der Sendung Jesu Christi: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.« (Joh. 20,21) Dabei ist die Sendung Jesu Christi das Analogans und das Handeln der Kirchenleitung das Analogatum. Damit ist die Aufopferung Jesu Christi, sein Leiden und seine Demut Vorbild (Exempel) für das Selbstverständnis kirchenleitenden Handelns.“

Aus: Joachim Kuklik, „Macht und Wahrheit in der evangelischen Kirche – »Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener«“ (Deutsches Pfarrerblatt, Heft 11/2017, S. 628ff.). Lesen Sie hier den ganzen Artikel: http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/index.php?a=show&id=4396

Dekanatssynode Würzburg fordert Moratorium für „Profil und Konzentration“ (PuK)

Kirche braucht kein Profil, Kirche braucht Gesicht!

Eingabe zur Tagung der Landessynode vom 26.11.-30.11.2017 in Amberg-Sulzbach

Die Landessynode möge folgendes beschließen:

  • Von der Information zur echten Beteiligung, von top down zum magnus consensus
  • Wir schlagen ein Moratorium für den Prozess „Profil und Konzentration“ vor.
  • In der dadurch gewonnenen Zeit kann die Basis mit ihren Experten in die Gestaltung des Prozesses einbezogen werden.
  • Kirche braucht kein Profil, Kirche braucht Gesicht!

Wir begrüßen bei „Profil und Konzentration“ den Versuch einer Antwort auf Säkularisierung und fehlende Pfarrerinnen und Pfarrer zu finden. Sicherlich ist es sinnvoll, dass sich Kirche in den Sozialraum orientiert, dass Gemeinden Kooperationsmöglichkeiten suchen und gemeinsam die Diakonie gemeindeorientierter weiterentwickeln.

Wir kritisieren an „Profil und Konzentration“ jedoch, dass bisher die Menschen der Basis, z.B. die Kirchenvorstände, aber auch Mitarbeiter der Diakonischen Werke und Bildungseinrichtungen vor Ort nicht angemessen zu Wort kommen konnten und bei der ersten Konzeptentwicklung nicht einbezogen wurden.

Weiterhin sehen wir den kirchlichen Auftrag, die Verkündigung des Evangeliums, immer als ein Beziehungsgeschehen in Wort und Tat. Das findet in „Profil und Konzentration“ nicht genügend Beachtung. Die Kirche lebt aus überschaubaren und gemeinschaftsorientierten Kommunikationsformen vor Ort, besonders in der Gemeinde und den Diensten vor Ort. Hierfür ist auch eine gut begleitete Gruppe von Ehrenamtlichen essentiell wichtig.  Bei vielfältigen persönlichen Begegnungen und in Beziehungsnetzen blicken die Menschen sich ins Gesicht und sehen nicht nur ihr Profil. Das gilt insgesamt für die Kirche. Sie braucht kein Profil, sie braucht Gesicht. Das zeigen auch die Ergebnisse der letzten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD. Gerade angesichts der Globalisierung und der sich immer weiter ausdifferenzierenden Gesellschaft sehen wir die Notwendigkeit einer Stärkung von kirchlichen Formen in der Gemeinde und den Diensten vor Ort. Darauf sollte auch die Ressourcenverteilung ausgerichtet sein.

Wir bitten die Landessynode, während der Zeit dieses Moratoriums die Basis am Prozess „Profil und Konzentration“ als Experten sachgerecht einzubinden, wie das für die kirchenleitenden Organe und die mittlere Ebene bereits geschehen ist. Hier leben die Experten für die Lage unserer Kirche vor Ort und die Lebenswirklichkeit ihrer Mitglieder. Ihre Ideen müssen in das Konzept „Profil und Konzentration“ gleichberechtigt eingearbeitet werden. Danach muss z.B. eine Veränderung der Arbeitspakete und eine Prüfung von Elementen des Prozesses möglich sein.

Ebenso schlagen wir vor, die den Prozess „Profil und Konzentration“ begleitenden Arbeitsgruppen in einem transparenten Prozess unter angemessener Beteiligung der Basis in den jeweiligen Kirchenkreisen neu zu bilden.

Befragen wir die Basis und hören auf ihre Lösungsvorschläge! Z.B. durch Ideenwerkstätten mit Beteiligung der Ortsgemeinden und Dekanate. Diskussionsveranstaltungen an der Basis mit Akteuren aus der Breite der Gesellschaft, in den Diakonischen Werken und Bildungseinrichtungen vor Ort.

Ein solches Moratorium kann auch der Selbstbesinnung der Kirche dienen.

Begründung:

Unsere Kirche muss sich mit den Gegebenheiten der globalisierten Welt wie unserer pluralistischen Gesellschaft auseinandersetzen und mit ihnen umgehen. Dieser Impuls aus dem Papier findet allgemeine Zustimmung.

Kirchengemeinden und Kirchenvorstände sind dazu auch bereit, ebenso die Einrichtungen und Dienste (z.B. Rudolf-Alexander-Schröder-Haus, Diakonisches Werk). Die Herausforderungen sind durchaus im Blick.

Einige Beispiele: Mit Beunruhigung werden Austrittszahlen unter jungen Erwachsenen wahrgenommen. Glaubenskurse eröffnen den Zugang zum christlichen Glauben neu. Stadt- und Landgemeinden denken darüber nach, wie sie die Jugend besser erreichen können, dazu wurde die Jugendarbeit neu geordnet. Das Bildungswerk wie das Diakonische Werk haben viele Ehrenamtliche bei der Betreuung von Flüchtlingen kompetent gemacht. Das Projekt „Interkulturelle Kirche“ überwindet beim Feiern internationaler Gottesdienste die Grenzen von Nationalitäten und Milieus. Die Zusammenarbeit von Diakonie und Kirche wird gestärkt. Kitas werden als wichtige Orte der Glaubensvermittlung wahrgenommen, der Kita-Zweckverband unterstützt in Verwaltung und bei Baufragen.

Gemeinden, Einrichtungen und Dienste nehmen aufmerksam die Entwicklungen in unserer Gesellschaft und Kirche wahr.

Deswegen wünschen sie sich die Gemeinden, Einrichtungen und Dienste eine ehrliche Aussage über die äußeren Notwendigkeiten, die den Prozess „Profil und Konzentration“ ausgelöst haben:

  • Eine transparente Kommunikation darüber, dass es in Zukunft, etwa ab dem Jahr 2025 sehr viel weniger Pfarrerinnen und Pfarrer geben wird.
  • Im Augenblick ist die finanzielle Lage der Kirche hervorragend (das sogenannte dagobertinische Zeitalter dauert noch an), auch hier bedarf es einer differenzierten und transparenten Aussage darüber, dass das so ist und ab wann sich das ändern könnte.

    Das Papier „Profil und Konzentration“ wurde in den Kirchenvorständen wie im Dekanatsausschuss, in dem auch Vertreter der Einrichtungen und Dienste präsent sind, diskutiert, folgende Argumente wurden dabei vorgebracht:

  1. Die Bedeutung der Beziehungen vor Ort
    Kirche braucht Gesicht, nicht Profil. Unsere Kirche lebt von überschaubaren und gemeinschaftsorientierten Kommunikationsformen. Diese verwirklichen sich vor allem in den Gemeinden von überschaubarer Größe, hier ist auch die Bedeutung intakter Landgemeinden hervorzuheben.
    Beinahe alle Menschen, die sich zur Kirche zugehörig fühlen und Mitglieder sind, wurden in den überschaubaren Zusammenhängen einer Kirchengemeinde oder des Religionsunterrichts von der Botschaft des Evangeliums berührt. Auch Menschen, die später in Bildungseinrichtungen, bei kirchlichen Initiativen oder Bewegungen mitarbeiten oder sich kirchlich beheimaten, haben in einer Kirchengemeinde ihr Christenleben begonnen. Nicht zu unterschätzen ist hier die Bedeutung der Kasualien.
    Generell wird in Frage gestellt, ob eine Kirchenreform von „oben nach unten“ unserem Selbstverständnis als Kirche der Reformation entspricht und deshalb möglich und wünschenswert ist.
  2. Die Erkenntnisse der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung
    Die Kirchengemeinden weisen einhellig auf die Bedeutung der Pfarrperson für die Bindung der Gemeindeglieder an die Kirche hin. Das schwedische Modell einer Kirche mit bürokratisch organisierten Zentralpfarrämtern wird einhellig abgelehnt. Zentralisierung kann es in der Verwaltung geben, nicht bei den Pfarrerinnen und Pfarrern.
    Sowohl in dieser Untersuchung wie auch in kirchensoziologischen Forschungen (Isolde Karle) wird die Bedeutung der Pfarrperson herausgearbeitet. „Die Person des Gemeindepfarrers und der Gemeindepfarrerin hat für viele eine integrierende Funktion, weil man ihr in den verschiedensten Feldern gemeindlichen Lebens begegnet. Dies schafft nicht nur Vertrauen, sondern vermag auch über den persönlichen Kontakt genau jene Querverbindungen von der Seelsorge zur Verkündigung zum Konfirmandenunterricht und zurück herzustellen, die ansonsten in sich ausdifferenziert blieben und damit wichtige Kommunikationsmöglichkeiten gar nicht entstehen ließen: Die Kontinuität derselben Berufsperson in verschiedenen kirchlichen Kommunikationszusammenhängen spielt aufgrund des Vertrauens eine zentrale Rolle im Pfarramt“ (Isolde Karle bereits 2004 im Dt. Pfarrerblatt). Diese Einsichten werden von der Kirchenmitgliedschaftsstudie aus dem Jahr 2014 bestätigt.
    Vor diesem Hintergrund werden multiprofessionelle Teams als nicht unproblematisch gesehen. Es wird auf die nicht einfachen, parallelen Erfahrungen der katholischen Schwesterkirche verwiesen.
    Selbstverständlich muss eine hervorragende Vernetzung und Zusammenarbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer mit den Mitgliedern der anderen Berufsgruppen angestrebt sein. Die besondere Bedeutung des Gemeindepfarramtes darf aber nicht abgewertet werden. Kirche erreicht durch Arbeitsfelder vor Ort in der Kirchengemeinde (z.B. Kasualien, Schule, Kindertagesstätten, Altenheimen usw.) und durch überparochiale Dienste mehr Kirchenferne als in „Profil und Konzentration“ dargestellt.
  3. Gemeinde und Sozialraum
    Schon lange ist besonders den Stadtgemeinden (z.B. auf dem Heuchelhof oder in Eisingen) die Bedeutung des Sozialraumes klar. Das gilt auch für die Diakonie, die in Zusammenarbeit mit der Stadt Würzburg an der Sozialraumanalyse eines Stadtteils arbeitet. Gemeinden vernetzen sich bereits jetzt im Sozialraum und werden als wichtige Partner wahrgenommen. Hier wird durch eine Auflösung der Kirchengemeinden in den „Raum“ hinein keine Verbesserung erwartet. Kirche ist über die Gemeinden, die Diakonie, über Einrichtungen und Dienste sehr kleinräumig und vor Ort präsent. Das ist ihre Stärke und darf nicht beschädigt werden.
  4. Die Bedeutung der eng verbundenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
    Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass besonders die eng verbundenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zentral für das Leben der Kirchengemeinden sind. Sie müssen ausgebildet und kompetent gemacht werden und wollen auch gerne ihren Beitrag leisten. Sie dürfen keinesfalls aus dem Blick geraten, wenn die Halbdistanzierten und eher kirchenfernen Mitglieder erreicht werden sollen. Es wird als Gefahr angesehen, sich von den eng verbundenen Mitarbeitern abzuwenden und seine Zeit vor allem den eher Kirchenfernen zuzuwenden, da dann gerade die Stützen der Gemeindearbeit verloren gehen könnten. Besser der Pfarrer /die Pfarrerin beteiligt die eng verbundenen Mitglieder und Mitarbeiter daran, auf Halbdistanzierte zuzugehen.
  5. Vermischung von Strukturfragen und theologischen Fragen
    „Profil und Konzentration“ vermischt die theologische Debatte mit der Strukturdebatte. Hier muss klar getrennt werden. Gegen die theologischen Aussagen von „Profil und Konzentration“ (Christus verkündigen und geistliche Gemeinschaft leben..) wird es kaum Einwände geben.
    Die Strukturaussagen (besonders das Denken in Räumen und die Vorstellung multiprofessioneller Teams) sind kritisch zu hinterfragen. Hier muss eine Trennung, besser noch eine Gewichtung stattfinden. Auf diese Schwierigkeit weist das Papier „Profil und Konzentration“ selbst hin (vgl. S. 5: Herausforderung 3: Keine Strukturprozesse ohne inhaltliche Mitte sowie Chance 2: Freiräume auf allen Ebenen fördern).
    Im Augenblick wird mit „Profil und Konzentration“ genauso verfahren wie mit einem der früheren Strukturprozesse: Beschluss in den kirchenleitenden Gremien, Einsetzen von Begleitgruppen, Information der Gemeinden und Einrichtungen in der Fläche, Einrichten von Erprobungsdekanaten, Zeitplan, Umsetzung.
    Wünschenswert ist eine Einigung über gemeinsame inhaltliche Ziele, die dann den Strukturprozess bestimmen.
    Die einzelnen Arbeitsfelder und übergeordneten Einrichtungen sowie Abteilungen des Landeskirchenamtes beschäftigen sich mit „Profil und Konzentration“ genau wie mit einem der anderen Strukturprozesse (Verwaltungsstrukturreform, Landesstellenplan, Pfarrerbildprozess).

Beschluss der Dekanatssynode Würzburg am 14.10.2017
mit 55 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme und 4 Enthaltungen

Für das Präsidium der Dekanatssynode
Dekanin Dr. Edda Weise              Luitpold Graf Wolffskeel

 

Nr. 6 der unabhängigen Kirchenzeitung „Die mündige Gemeinde“ erschienen

Klicken Sie das Titelbild …

Liebe Leserinnen und Leser,

leider hat es viel zu lange gedauert, bis diese neue Ausgabe unserer Zeitschrift erschienen ist. Umso mehr freuen Sie sich hoffentlich, dass dieses Projekt nicht eingeschlafen ist, sondern lediglich eine kurze Pause eingelegt hat.  Auch in diesem Heft werfen wir wieder einen kritischen Blick auf die Verfassung, in der sich unsere Kirche derzeit befindet und die uns Sorgen bereitet.

Pfarrer i.R. Manfred Alberti analysiert in seinem Beitrag das Prozedere von Synoden- und Presbyteriumsentscheidungen und macht Vorschläge, wie diese transparenter und basisorientierter getroffen werden können.

Pfarrer Hans-Ulrich Pschierer blickt zurück auf die Strukturveränderungen, die vor allem auf Kosten der Souveränität der Ortsgemeinden und deren Ressourcen gehen.

Ein neues Buch von Werner Thiede stellen wir vor, das nach dem Kurs der evangelischen Kirche fragt, worauf Dr. Gisela Kittel noch einmal pointiert das reformatorische Kirchenverständnis darlegt.

Aus einem traurigen Anlass widmen wir die letzte Seite einem hochgeachteten Wegbegleiter, der leider von uns gegangen ist: Eberhard Mechels. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns über konstruktive Kritik.

Pfr. Andreas Reinhold (für die Gemeindebünde innerhalb der EKD)

Link zum Download der Ausgabe: http://muendige-gemeinde.de/

Nr. 3 der unabhängigen Kirchenzeitung „Die mündige Gemeinde“ erschienen

Die mündige Gemeinde - eine protestantische Zeitung - Nr. 3/2016
Die mündige Gemeinde – eine protestantische Zeitung – Nr. 3/2016

Editorial

Am 18. und 19. September 2016 trafen sich zum ersten Mal die Gemeindebünde der vier Landeskirchen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Nordkirche, Evangelisch-Lutherische Kirche Bayern und Evangelische Kirche im Rheinland in der evangelischen Landjugendakademie zu Altenkirchen. U.a. wurde der Wunsch nach einem basisorientierten Presseorgan geäußert, das sich kritisch mit den Reformprozessen innerhalb der EKD auseinandersetzt und eine alternative Berichterstattung zu den etablierten Kirchenzeitungen bieten soll.

Da die finanziellen Mittel und logistischen Möglichkeiten der Vereine begrenzt sind, entstand die Idee, diese Zeitschrift in einer Onlineausgabe zu veröffentlichen und es der Initiative der Gemeinden zu überlassen, für eine Verbreitung als Printmedium zu sorgen. Unter der Internetadresse  www.muendige-gemeinde.de stehen daher unterschiedliche Formatvorlagen zum Download bereit, die eine flexible Weiterverarbeitung ermöglichen.

„Die mündige Gemeinde“ knüpft in ihrer inhaltlichen Ausrichtung an die beiden ersten Ausgaben an, die unter der maßgeblichen Regie von Pfarrerin Katharina Dang in den Jahren 2013 und 2014 im Zeitungsformat erschienen sind. Auch diese Ausgaben finden Sie auf der Webseite. Unser Anliegen ist es, auch auf diesem Wege einen breit angelegten Diskurs um die Zukunft unserer Kirche zu unterstützen, die in allen Landeskirchen initiierten Reformprozesse kritisch zu begleiten und konstruktiv an alternativen Ideen mitzuarbeiten, die unsere Kirche – trotz struktureller und finanzieller Herausforderungen – als Kirche für andere und vor Ort bei den Menschen bewahrt.

Denn Kirche lebt von und an der Basis, ihre gesellschaftliche Relevanz erhält sie aus den Kirchengemeinden und den Einrichtungen und Werken, die vor Ort ihren Dienst verrichten. Zu diesem Ergebnis ist nicht nur die 5. Kirchenmitgliederuntersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD gekommen, sondern dies erweist sich täglich in der Begegnung mit den Nahen und Fernen der Gemeinden. Darum treten wir für die Stärkung der Ortsgemeinden ein und wenden uns gegen eine Verlagerung von finanziellen Ressourcen und organisatorischen Kompetenzen auf andere Ebenen.

Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

Die Gemeindebünde Bayern
Gemeindebund Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Gemeinde im Aufwind der Nordkirche
KirchenBunt im Rheinland

Direkter Download: http://muendige-gemeinde.de/DmG/DmG_2016-03.pdf

gemeindebuende

http://ev-gemeindebuende.de/

 

Pfarrerschaft: Radikale Vereinzelung bei zunehmender Entsolidarisierung

„Wenn wir die Motivation unserer Pastorenschaft verlieren, können wir einpacken!“

So steht es im Bericht über die Beratungstätigkeit des Pastorenausschusses in Hannover.

„Die überwiegende Mehrheit der Kirchenmitglieder – und zwar sowohl hochverbundene wie distanzierte – orientiert sich vor allem an ihrer nahen Ortsgemeinde und gerade nicht an der Schimäre einer nebulösen „Kirchenkreis-Kirche“, wie dies die 5. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung von 2012 noch einmal eindrucksvoll aufzeigt: „Trotz aller medialer Investitionen gilt: Sehr viele Menschen – und ganz besonders in der jüngeren Generation (…) nehmen vor allem den Geistlichen/die Geistliche vor Ort wahr, insbesondere sein/ihr Kasualhandeln. Die evangelische Kirche ist im Wesentlichen eine Vor-Ort-Kirche. Kirchenkreis-, Dekanat- oder Propsteiebene sind in der Regel unsichtbar wie die Ebene der leitendenden Geistlichen einer Landeskirche (…)“ (Thies Gundlach, EKD-Geschäftsführer, in: V. EKD-Erhebung über Kirchen, S. 131). Doch von dieser Erkenntnis unbeeindruckt betreiben „insbesondere die Superintendentinnen und Dekane, Pröpstinnen und Kreispfarrer“, die nach ihrer Selbsteinschätzung „die Kirche der Zukunft leitend gestalten“, (s. epd-Doku. 36 v. 09.09.2014, S. 2) unter Einsatz erheblicher Kirchensteuermittel den als „Reform“ kaschierten Versuch unverdrossen weiter, die Kirchenkreise als neue Identifikationsorte für die Gemeindeglieder zu etablieren und dafür Ortsgemeinden personell und finanziell auszudünnen oder gar aufzulösen. Zum Schluss verschleiern diese „Kirchen-Reformer“ ihre simple Gemeinde-Enteignung und Abwicklung der Volkskirche auch noch als „gottgewollte Weisung“ in eine neue kirchliche Zukunft.“

Lesen Sie hier den ganzen Bericht: http://www.pastorenausschuss-hannover.de/beratungserfahrungen.pdf

Wormser Wort: Die Antwort des Ratsvorsitzenden der EKD

Die Petition “Wormser Wort” wurde mittlerweile von 1100 Personen unterzeichnet. Auf die Zusendung des Inhalts und des Ergebnisses reagiert der Ratsvorsitzende der EKD durch seinen persönlichen Referenten.

„In der Petition „Wormser Wort“ wird engagiert gerungen um die Frage nach zukünftigen Ausrichtungen und Gestaltungen der evangelischen Kirche. Mitglieder unserer Kirche haben Zeit und Kraft investiert, um das gemeinsame Nachdenken mit einem neuen Impuls zu versehen. Dieses Engagement begrüßen wir und sehen uns mit den Unterstützerinnen und Unterstützern der Petition verbunden in der gemeinsamen Aufgabe, kirchliches Leben in der Gegenwart und für die Zukunft zu gestalten. Gerade in einer Kirche, die wie die reformatorisch geprägten Kirchen aus einem Reformimpuls heraus entstanden ist, stellt das Nachdenken über angemessene Strukturen und auftragsgemäßes Handeln eine bleibende, zentrale Aufgabe dar. In der Petition werden die aus den Diskussionen um das Impulspapier „Kirche der Freiheit“ hervorgegangenen Überlegungen in einer Weise dargestellt, die der Richtigstellung bedarf …“ (Johannes Goldenstein, Persönlicher Referent des Ratsvorsitzenden)

Eine Kommentatorin schrieb auf Facebook: „Die Antwort zeigt leider das übliche Vorgehensmuster. Zuerst eine vermeintliche Anerkennung der Bemühungen. Dann die Betonung, wie wichtig das Anliegen genommen wird. Es folgt ein mehr als oberflächliches eingehen auf die Kritik. Dann die Abwiegelung der Kritik. Dass in Frage stellen der Kompetenz der Kritiker. Nicht zu vergessen, die allzeit beliebte Methode, gar nicht verstehen zu können, weshalb überhaupt Kritik erfolgt … „

Lesen Sie hier den ganzen Artikel und weitere Reaktionen auf die Antwort des Ratsvorsitzenden: http://wort-meldungen.de/?p=11277

Kirche im Umbruch

Von Pfarrer Jürgen Kemper (Hannover)

„Unsere Aufgabe ist es nicht, ein Museum zu erhalten, sondern einen Garten zu bepflanzen“ (frei nach einem alten Zitat, gefunden in einem Handzettel aus dem Kloster Wülfinghausen)

1. Jeder Reformprozess der Ev.-luth. Kirche muss sich an der Basis der Gemeinden orientieren (Karle These 1), um die Entfremdung zwischen Kirchenleitung und Gemeinden zu überwinden. Sonst geht die religiöse, diakonische und Gemeinschaft bildende Kraft der Gemeinden verloren. Nur an der Basis der Gemeinden ist auch über das jeweils angebrachte Ausmaß und die Art notwendiger Regionalisierung zu entscheiden.

2. Gegenüber vielen ohne Frage notwendigen Aufgaben übergemeindliche Seelsorge und Beratung an Einzelnen (Krankenhaus, Gefängnis u.a.) muss das Bild der Kirche als einer tragenden Gemeinschaft in seiner Kraft wiedergewonnen werden.

3. Jeder übergemeindliche Dienst sollte mit einem Gemeindedienst verbunden werden, um den Bezug zur Basis zu sichern. (Möller)

4. Das Geld der Kirche sollte dort verwaltet und verteilt werden, wo es herkommt, nämlich in den Ortsgemeinden (Möller). Analog dem schwedischen Modell sollte von dort Geld an übergemeindliche und kirchenleitende Aufgaben gehen und ein Ausgleich zwischen armen und reichen Gemeinden geschaffen werden.

5. Erforderlich ist die Wiedergewinnung des Glaubensthemas (Huber) und der theologischen Steuerung (Karle) gegenüber der Dominanz ökonomischer Logik. „Der Ansatzpunkt zur Erneuerung der Kirche liegt darin, dass sie ihre eigene Botschaft ernstnimmt.“ (Huber III, 9)

6. Größtmögliche Aufmerksamkeit muss auf die religiöse Sozialisation von Kindern und Familien gegeben werden, um so neues Wachstum zu ermöglichen (Karle, These 8). Der Ort dafür sind ohne Frage die Gemeinden.

7. Im Blick auf alle Berufsgruppen (in Gemeinden und übergemeindlichen Diensten) sind die Bejahung des Glaubensthemas und die Bereitschaft zur Mitverantwortung für die Kirche als Institution geltend zu machen (Huber III, 12)

Lesen Sie hier den ganzen Artikel: http://kirchenbunt.de/kirche-im-umbruch/

Initiative „kirchenbunt“ im Rheinland wird Verein

Der Verein soll „KirchenBunt im Rheinland“ heißen und am 15. März 2015 gegründet werden.

Ziele

Da abzusehen ist, dass der bisherige kirchenpolitische Kurs von der EKiR/EKD beibehalten wird und auch zukünftig kostspielige und strukturverändernde Maßnahmen ohne Beteiligung der ersten Ebene verordnet werden (letztes Beispiel: IT-Konzept), rufen wir zur Gründung des Vereins „KirchenBunt im Rheinland“ auf, mit dem wir uns für eine Stärkung der Basis und damit des Dienstes am Menschen, wie er uns durch Jesus Christus in Auftrag gegeben ist, einsetzen wollen. Wir sind davon überzeugt, dass den anstehenden Herausforderungen, denen sich unsere Kirche stellen muss, nur mit einer Intensivierung und Förderung der Arbeit in der Fläche und vor Ort und nicht durch Fusions- und Zentralisierungsprozesse zu begegnen ist. Darum hat für uns auch die finanzielle und personelle Ausstattung dieser Arbeit Vorrang vor fragwürdigen Investitionen in Verwaltung und Prestigeprojekte, deren effektiver Nutzen die Kosten in keiner Weise rechtfertigen. Die Entscheidungskompetenz für die kirchliche Arbeit muss deshalb dort verortet werden, wo das Kirchesein für andere am sichtbarsten und effektivsten Wirkung zeigt: in den Leitungsorganen der Gemeinden. Dagegen sollten Kirchenkreise von Aufgaben entlastet werden, die in den Verantwortungsbereich der Kirchengemeinden gehören, um ihren subsidiären – d.h. unterstützenden und nicht bevormundenden – Dienst stärker zu profilieren. Dies entspricht auch dem ursprünglichen Anliegen unserer Kirchenordnung, die mit der presbyterial-synodalen Ordnung eine von unten aufgebaute Kirche bewahren soll.

Lesen Sie mehr unter: http://kirchenbunt.de/der-naechste-schritt-vereinsgruendung/

Protest der Protestanten – Mitglieder der evangelischen Kirche wenden sich gegen den strikten Sparkurs der EKD und ihrer Landeskirchen

Mitglieder der evangelischen Kirche wenden sich gegen den strikten Sparkurs der EKD und ihrer Landeskirchen. Die Verfasser des »Wormser Worts« fordern eine Umkehr und warnen: Die Kirchen »verlieren ihren Kern«. Deren wirtschaftliche Lage sei gut. Der derzeitige Umbau binde Mittel, die für die Kommunikation des Evangeliums fehlten.

Von Christoph Fleischmann

„Ein Gespenst geht um in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Bis 2030 könnte sie ein Drittel ihrer Mitglieder und die Hälfte ihrer Finanzkraft verlieren, so die Befürchtung. Formuliert wurde diese Prognose des Niedergangs ironischerweise in einer Schrift, die zum Aufbruch blasen wollte: In dem Impulspapier »Kirche der Freiheit« aus dem Jahr 2006. Es sollte zum »Wachsen gegen den Trend« aufrufen, aber die düsteren Prognosen waren wirkmächtiger. Und der zeitgleich und völlig geräuschlos verabschiedete »Erweiterte Solidarpakt« der Landeskirchen lehrte ebenfalls: Wenns ums Geld geht, vertrauen die Kirchenleitungen nicht auf das »Wachsen gegen den Trend«, sondern lieber auf das Schrumpfen mit dem Trend. Sie verpflichteten sich zu einer extrem sicherheitsorientierten Rücklagenpolitik: »Wir müssen viel Geld zurücklegen, besonders für die Pfarrpensionen, denn die schwachen Jahre liegen noch vor uns«, hieß es.“

Lesen Sie hier den ganzen Artikel: http://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/protest-der-protestanten (Publik-Forum vom 24.01.2015)

Die neue Lust auf Leitung

Die Strategie der EKD hat nur ein Ziel: Strukturwandel durch Führung

Von Andreas Reinhold

(…) Dass die Ausführungen des Marketingberaters Gehör finden und auch zu theologischen Konsequenzen in der Begründung der neuen Hierarchie führen, zeigt im Workshop 5 “Was kann die mittlere Ebene” das Referat von Dr. Dr. h.c. Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Er beruft sich auf Eph 4,15+16 (“Lasst uns … wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus, von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist.”), um die Kirchenkreise und Dekanate quasi zu Kreis- bzw. Dekanatskirchen zu erklären.

[Der Kirchenkreis] ist die »Gemeinschaft der Gemeinden«. Und Gemeinschaft gehört zum Wesen des christlichen Glaubens. Christsein ohne geistliche Gemeinschaft ist kaum zu leben. Gemeinde sein ohne Gemeinschaft über die Gemeinde hinaus auch nicht – wenn wir denn die Kirche Jesu Christi sein wollen, deren Haupt er selbst ist. Er selbst ist es, der die Gemeinschaft zusammenfügt. Deutlicher als mit den Versen des Epherserbriefes kann die geistliche Bedeutung der sogenannten mittleren Ebene gar nicht ausgedrückt werden. Christus selbst ist es, der die Gemeinschaft organisiert. Und deshalb hat eine »Ebene«, die in besonderer Weise diese Aufgabe hat, eine hohe geistliche Würde.

Von dort aus kann er die Frage, was denn die mittlere Ebene sei, eindeutig beantworten: “Sie ist viel mehr als nur eine Verwaltungseinheit. Sie hat – mit dem Epheserbrief gesprochen – vom Herrn der Kirche den Auftrag, die geistliche Einheit in Vielfalt zu gestalten.” An dieser Stelle kommt Dröge auf konkrete Beispiele aus seiner Landeskirche zu sprechen (Stichwort “Regionalisierung”). Sie münden in der Zielvorstellung ein Netzwerk kirchlicher Orte zu etablieren, “in dem Gemeinden, Personen und besondere Funktionen mit unterschiedlichen Gaben und Ressourcen zu unterschiedlichen Profilen führen, die ihrerseits miteinander kommunizieren.” Was sich zunächst harmlos anhören mag, bedeutet jedoch nichts anderes, als dass Ortsgemeinden ihre vielfältigen Dienste zugunsten markanter Dienstleistungen zurückfahren und sich auf bestimmte Angebote spezialisieren, die vom Kirchenkreis/Dekanat organisiert werden. Lobend erwähnt Dröge dabei die EKiR, die in dieser Hinsicht schon Vorarbeit geleistet hat, in dem sie Kirchengemeinden verpflichtete, eine Gesamtkonzeption gemeindlicher Aufgaben zu entwickeln.“

Lesen Sie hier den ganzen Artikel: http://kirchenbunt.de/die-neue-lust-auf-leitung/

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